Transkranielle Magnetstimulation (TMS) bei Depression

Psychische Krankheiten - Interventionen

Transkranielle Magnetstimulation als medikamentenfreie Depressionsbehandlung

Transkranielle magnetische Stimulation (TMS) ist eine für die Behandlung der Depression klinisch bewährte von der FDA genehmigte, nicht-invasive antidepressive Behandlung.

Das Rush University Medical Center hat eine Klinik eröffnet, die das Transkranielle Magnetstimulation-Therapie-System verwendet, um in einen bestimmten Teil des Gehirns (linke Rinde des Stirnbeins) hoch fokusierte Magnetfeldimpulse zu senden, um die Bereiche des Gehirns zu stimulieren, die mit Depressionen verbunden sind.

Kurze Impulse durch die Kopfhaut

Die wiederholten kurzen Impulse der durch die Kopfhaut geführten magnetischen Energie sollen die Neuronen im Gehirn anregen.

Depression betrifft jedes Jahr mindestens 14 Millionen US-amerikanische Erwachsene. Forscher schätzen, dass bis zum Jahr 2020 depressive Störungen die zweiten Platz bei den Krankheiten einnehmen werden.

Laut Experten vom Chicago Rush Medical Center können medikamentöse Behandlungsoptionen ineffektiv oder durch Nebenwirkungen unverträglich sein.

Antidepressiva sind oft nicht effektiv

Gegenwärtige antidepressive Medikamente sind für mindestens ein Drittel der depressiven Personen nicht effektiv, und viele werden mit einem Mangel an adäquaten Behandlungsoptionen entlassen.

Patienten erhalten die TMS-Behandlung in einem ambulanten Setting und sind fähig normale Aktivitäten auszuführen, sagt Dr. Philip Janicak, Professor der Psychiatrie- und Hauptforscher bei Rush für die klinischen Studien von Transkranieller Magnetstimulation.

Viele Vorteile

Transkranielle Magnetstimulationstherapie erfordert keine Anästhesie, oder Ruhigstellung und die Patienten bleiben wach und aufmerksam. Es ist ein 40-minütiges ambulantes Verfahren, das täglich für vier bis sechs Wochen von einem Psychiater verordnet und verabreicht wird.

Transkranielle Magnetstimulationsbehandlung ist eine sichere und wirksame Alternative für Patienten, die an einer Major-Depression-Störung leiden und keine zufriedenstellende Verbesserung durch antidepressive Medikationen bekommen, sagte Janicak.

Quelle: Rush University Medical Center 2009

TMS zeigt anhaltenden Nutzen

Psychische Krankheiten - Depressive Störung - Interventionen

Transkranielle magnetische Stimulation (TMS) - eine noninvasive Therapie ohne Psychopharmaka, die sich erfolgreich bei der akuten Linderung von depressiven Symptomen gezeigt hat - scheint auch eine andauernde langfristige Wirkung zu haben laut einer in der Oktoberausgabe von Brain Stimulation herausgegebenen Forschungsstudie.

Philip G. Janicak, M.D. vom Rush University Medical Center in Chicago, und Kollegen setzten 142 Patienten, die auf sechs Wochen akute transkranielle Magnetstimulationstherapie angesprochen hatten, für drei Wochen auf Antidepressiva, um zu erforschen, ob die transkranielle Magnetstimulation langfristig effektiv bei der Behandlung von klinischer Depression ist.

Langfristige Wirkung

Die Forscher fanden heraus, dass nach drei Wochen transkranieller magnetische Stimulierung von 99 Patienten in der anschließenden 24 wöchigen Phase Rückfälle nur bei 10 Patienten auftraten. Die Wiedereinführung der transkraniellen Magnetstimulationsbehandlungen schien Rückfälle bei 32 von 38 Patienten zu verhindern, die eine Verschlechterung ihrer Symptome erfahren hatten.

Diese Daten zeigen, dass die therapeutischen Wirkungen der TMS anhaltend sind und dass sie erfolgreich als eine intermittierende Strategie verwendet werden kann, um Rückfälle zu reduzieren, schreiben die Autoren.

Die Forschung wurde zu einem grossen Teil von Neuronetics Inc. bezahlt; ein Autor ist ein Angestellter von Eli Lilly. Mehrere Autoren offenbarten finanzielle Beziehungen zu Neuronetics, Eli Lilly und anderen Pharmakonzernen.
Quelle: Brain Stimulation, Okt. 2010

Wie magnetische Impulse Depressionen lindern können

03.09.2015 Wissenschaftler von der University of Nottingham berichten über neue Erkenntnisse, wie transkranielle Magnetstimulation (TMS) schwer depressiven Patienten hilft.

Alternative zur Elektrokrampftherapie

TMS wird als Alternative zur Elektrokrampftherapie (EKT) benutzt, wobei Magnetfelder in den vorderen Teil des Gehirns depressiver Patienten induziert werden. Wie EKT scheint TMS das Gehirn zu "resetten", aber sie ist leichter anzuwenden, weil sie kein Betäubungsmittel erfordert und nur wenige Nebenwirkungen hat. Deswegen kommt sie bei der Behandlung der Depression zunehmend zum Einsatz.

Transkranielle Magnetstimulation
Transkranielle Magnetstimulation bei Depression;
Eric Wassermann, NIH

Doch ist TMS wie EKT ähnlich einem 'stumpfen Instrument', da die Wissenschaftler nur eine ungefähre Idee haben wie sie funktioniert. Die neue auf dem jährlichen Meeting des European College of Neuropsychopharmacology präsentierte Studie konnte zeigen, dass gerichtete magnetische Impulse, biochemische und Konnektivitätsveränderungen im Gehirn verursachen.

Dieser neue Befund kann die Tür für zielgenauere Behandlungen bei Depression und anderen psychischen Störungen öffnen, sagen die Forscher.

Veränderung der Konnektivität

In der placebokontrollierten Studie verabreichten die Forscher MRT-geleitete magnetische Impulse in den dorsolateralen präfrontalen Cortex der Gehirne von 27 gesunden Freiwilligen. Mit Hilfe des MRT-Scanners waren sie auch in der Lage, die subtilen funktionellen Veränderungen im Gehirn durch die magnetischen Impulse zu messen. Durch magnetische Resonanzspektroskopie konnten sie auch die Veränderungen in der Gehirnchemie messen.

Die Forscher stellten fest, dass eine Sitzung TMS die Konnektivität großer Gehirnnetzwerke verändern konnte - insbesondere die der rechten anterioren Insula, die ein Schlüsselbereich bei Depression spielt, sagte Studienleiterin Dr. Sarina Iwabuchi.

Veränderung der GABA-Konzentration

Sie fanden ebenfalls heraus, dass transkranielle Magnetstimulation auch die Konzentrationen von Neurotransmittern wie GABA verändern, die für die Entwicklung einer Depression wichtig sind.

"Diese Ergebnisse bedeuten, dass wir zum ersten Mal ein Verständnis der direkten Auswirkungen bekommen, die TMS auf das Gehirn hat", sagte sie.

Personalisierte Behandlung

"Wenn wir sehen können, dass die Veränderung von der TMS verursacht wird, dann kann eine Behandlung verbessert werden. Es bedeutet auch, dass Therapien individuell besser angepasst werden können - mit anderen Worten: Dies könnte eine personalisierte Behandlung für Depression sein."

Der nächste Schritt ist eine praktische Behandlung von depressiven Patienten in einem klinischen Versuchssetting, und solch eine Studie ist in Nottingham im Gang, fügte sie hinzu. "Dies sind die ersten Schritte, diese Behandlungsform zu personalisieren."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Nottingham, European College of Neuropsychopharmacology; Sept. 2015

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