Vagusnervstimulation lindert Depression

Depressive Störung - Therapie / Behandlung

Elektrostimulation des Vagusnervs hilfreich

03.06.2013 Für viele Menschen, die nicht auf Antidepressiva ansprechen, erweist sich die elektrische Hirnstimulation, auch bekannt als Vagusnervstimulation, wirksam bei der Verringerung schwerwiegender Depressionssymptome. Aber wie funktioniert sie genau?

Forscher der Washington Universität, medizinische Fakultät, St. Louis, USA beginnen zu entdecken, wie diese implantierten elektrischen Stimulatoren Depressionen verringern.

Stimulation des Vagusnervs

Patienten mit behandlungsresistenter Depression

Die Studie wurde mit 13 Menschen mit behandlungsresistenter Depression durchgeführt. Ihre Symptome waren nach mehreren Monaten nicht besser geworden; obwohl fünf verschiedene Antidepressiva eingesetzt worden waren. Die meisten waren mindestens zwei Jahre depressiv gewesen, und einige hatten sogar mehr als 20 Jahre klinische Depressionen.

Elektrostimulation

Allen Patienten wurde in einer Operation ein Gerät eingesetzt, das elektronisch gesteuert den linken Vagusnerv stimuliert, der seitlich im Körper vom Gehirnstamm zum Unterleib hinunterläuft.

Sobald es aktiviert wurde, reizte das Gerät den Vagusnerv 30 Sekunden alle fünf Minuten mit einem elektrischen Stimulus.

Die Forscher verwendeten Positronenemissionstomographie (PET) Gehirnbildaufbereitung bei den Patienten vor der ersten Stimulierung und wieder nach drei und zwölf Monaten nach dem Beginn der Stimulation.

Depression besserte sich

Neun der 13 Teilnehmer erfuhren Verbesserungen bezüglich ihrer Depression mit dieser Behandlung. Jedoch in den meisten Fällen dauerte es mehrere Monate bis die Verbesserung auftrat.

Bei denjenigen, die über eine Verbesserung berichteten, zeigten die Scans bedeutende Änderungen im Gehirnstoffwechsel nach drei Monate der Stimulation. Dies ging normalerweise den Verbesserungen bei den Depressionssymptomen mehreren Monaten voran.

Antidepressiva konnten abgesetzt werden

Viele von denen, die auf die Elektro-Hirnstimulation ansprachen, waren schließlich in der Lage, ihre Antidepressiva abzusetzen, sagte Conway.

"Manchmal wirkten die antidepressiven Medikamente mit der elektrischen Stimulation gut zusammen, aber es schien uns, dass wenn es den Leuten besser ging, es die Vagus-Stimulation war, die einfach die größte Wirkung tat", sagte Conway. "Die Stimulierung schien für das Gros der Verbesserungen, die wir sahen, verantwortlich zu sein."

Weiterhin zeigten die PET-Scans, dass Strukturen tiefer im Gehirn ebenfalls begannen, sich mehrere Monate nach dem Beginn der Nervenstimulation zu verändern. Viele dieser Strukturen haben hohe Konzentrationen von Gehirnzellen, die Dopamin freigeben.

Quelle: Washington Universität, Mai 2013

Transkutane Vagusnervstimulation

05.02.2016 Forscher der China Academy of Chinese Medical Sciences und der Harvard Medical School melden eine erfolgreiche Verringerung depressiver Symptome bei depressiven Patienten durch die Anwendung einer neuartigen nicht-invasiven Methode der Vagusnervstimulation.

Traditionelle Vagusnervstimulation (VNS) ist eine Technik zur Neurostimulation, die bereits erfolgreich zur Linderung von behandlungsresistenten Depressionssymptomen angewendet wurde. Klinische Studien zeigten langfristigen moderaten Nutzen. Sie ist jedoch auch kostspielig und erfordert riskante neurochirurgische Eingriffe, um die vagalen Nervenstimulatoren zu implantieren.

Stimulation über das Ohr

In der neuen Studie veränderten die Forscher Dr. Peijing Rong, Jiliang Fang und Jian Kong die konventionelle VNS und entwickelten eine neue transkutane Form, die den Vagusnerv nicht über chirurgisch implantierte sondern über einfach am Ohr (ähnlich In-Ear-Kopfhörern) befestigte Elektroden stimuliert.

Freiwillige mit klinischer Depression erhielten entweder transkutane Vagusnervstimulation oder eine Placebo-VNS. Sie wurden vor und nach der einmonatigen Behandlung mit Magnetresonanztomographie gescannt.

Patienten, die die transkutane VNS erhielten zeigten deutliche Verbesserungen ihrer depressiven Symptome (Hamilton Depression Rating Scale) im Vergleich zu denjenigen, die die Placebo-Behandlung erhielten.

Veränderungen im Gehirn

Diese Verbesserungen gingen mit einer gesteigerten funktionellen Konnektivität zwischen dem default mode network (Ruhenetzwerk) und dem Precuneus und dem orbitalen präfrontalen Cortex einher - ein wichtiges Netzwerk im Gehirn, das bei Depression oft Veränderungen durchmacht.

"Der transkutane Ansatz macht diese Behandlung für Depressive leichter zugänglich, sofern sich ihre Wirksamkeit im Vergleich zur direkteren Form der vagalen Nervenstimulation in weiteren Studien bewährt", sagte Dr. John Krystal von der Zeitschrift Biological Psychiatry.

Rong fügte hinzu: "Diese nicht-invasive, sichere und kostengünstige Methode der Depressionsbehandlung lindert signifikant und scheint eine vielversprechende zukünftige Behandlungsmethode zu sein".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: China Academy of Chinese Medical Sciences, Harvard Medical School, Biological Psychiatry; Feb. 2016

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