Depression und Darmflora

Depressive Störungen - Ursachen/Risikofaktoren

Verbindung zwischen Darmflora und Depression, Angst gefunden

02.08.2015 'Depression beginnt als Bauchgefühl': Die komplexen Mechanismen der Wechselwirkungen und Dynamiken zwischen den Mikroorganismen im Darm und dem Wirt sind von Wissenschaftlern der McMaster University untersucht worden.

Die Daten zeigen, dass relativ geringe Veränderungen im Profil der Mikrobiota oder deren Stoffwechselaktivität durch Stress beim Neugeborenen tiefgreifende Wirkungen auf das Wirtsverhalten im Erwachsenenalter haben kann.

Die Forscher Wissenschaftler vom Farncombe Family Digestive Health Research Institute konnten zeigen, dass Darmbakterien eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Angst und Depression spielen.

Psychische Störungen durch Lebensstress

Aber es liegt nicht nur an den Bakterien, es ist die veränderte bidirektionale Kommunikation zwischen dem gestressten Wirt - im Experiment wurden Mäuse frühem Lebensstress ausgesetzt - und seinen Mikroorganismen, die zu Angst und Depression führt, sagte Studienautor Premysl Bercik in der Zeitschrift Nature Communications.

Es ist seit kurzem bekannt, dass die Darmflora das Verhalten beeinflussen kann, aber man hat dazu meist gesunde, normale Mäuse genommen, sagte er.

In dieser Studie setzten die Forscher die Mäuse früh im Leben Stress aus, indem sie sie für drei Stunden jeden Tag von ihren Müttern trennten und sie dann zurückgaben.

Es zeigte sich, dass die normalen Mäuse mit komplexer Darmflora nach der Trennung Angst- und Depressions-ähnliches Verhalten mit anormalen Corticosteron-Spiegeln zeigten. Diese Mäuse bekamen dann auch Verdauungsstörungen basierend auf der Freigabe des Neurotransmitters Acetylcholin.

Ohne Darmflora kein depressives Verhalten

Dann wiederholten sie denselben Versuch in einer keimfreien Umgebung und stellten fest, dass die Mäuse (die von der Mutter getrennt wurden) in der Abwesenheit von Bakterien ebenfalls einen veränderten Stresshormonspiegel und Funktionsstörung des Darms hatten, aber sie benahmen sich wie die Kontrollmäuse: Sie zeigten keine Anzeichen von Angst oder Depression.

Danach stellten sie fest, dass, wenn die von der Mutter getrennten keimfreien Mäuse mit Bakterien von den Kontrollmäusen kolonisiert wurden, sich bakterielle Zusammensetzung und Stoffwechselaktivität innerhalb von mehreren Wochen veränderten, und die Mäuse begannen, Angst und Depression zu zeigen.

Wurden allerdings die Bakterien der gestressten Mäuse in nicht-gestresste keimfreie Mäuse übertragen, wurden keine Anomalien beobachtet.

Entstehung psychiatrischer Krankheiten beim Menschen

Dies legt nahe, dass in diesem Modell sowohl Wirt als auch mikrobielle Faktoren für die Entwicklung von Angst- und Depressions-ähnlichem Verhalten benötigt werden. Stress bei Neugeborenen führt zu erhöhter Stressreaktivität und Darmstörungen, wodurch die Darmflora verändert wird, was widerum die Gehirnfunktionen verändert, sagte Bercik.

Diese Befunde erhellen unser Verständnis darüber, wie die Mikroflora das Wirtsverhalten modifizieren kann, und sie könnten auch Aufschluss über die Entstehung von psychiatrischen Krankheiten geben.

"Es wäre wichtig, herauszubekommen, ob dies auch für Menschen gilt. Indem wir zum Beispiel untersuchen, ob wir anormale Mikrobiota-Profile oder unterschiedliche mikrobielle Stoffwechselaktivität bei Patienten mit psychischen Erkrankungen - wie Angststörungen und Depression - finden können", sagte Bercik.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: McMaster University, Nature Communications; Juli 2015

Zusammenhang mit Dysbiose (Störung der Darmflora), Leaky-Gut-Syndrom

18.02.2017 Eine neue Studie berichtet über den Zusammenhang zwischen der (Störung der) Darmflora (Dysbiose, Leaky-Gut-Syndrom) und mehreren Erkrankungen, insbesondere Depression.

Risikofaktoren

sind in die Pathophysiologie der klinischen Depression eingebunden, schreiben die Forscher.

fügen ein neues Element zu den bidirektionalen Wechselwirkungen der Darm-Hirn-Achse hinzu. Neue Belege weisen diesen Signalwegen eine Mitwirkung beim Ausbruch von klinischen depressiven Störungen zu.

Außerdem zeigten sich Anomalien in der Darm-Hirn-Achse mit mehreren chronischen nicht-übertragbaren Erkrankungen verbunden, die oft bei Menschen mit Depression begleitend auftreten, z.B. Reizdarm-Syndrom, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Adipositas und Diabetes mellitus Typ 2.

Dysbiose und bakterielle Translokation

Das internationale Forscherteam unter der Leitung von André Carvalho von der Federal University of Ceará und Anastasiya Slyepchenko von der McMaster University analysierten Studien, die Störungen der Darmflora (Dysbiose) und bakterielle Translokation (Leaky-Gut-Syndrom) in der Pathophysiologie der klinischen Depression und bei gleichzeitig auftretenden somatischen Komorbiditäten mit Schwerpunkt auf Reizdarm, Chronisches Erschöpfungssyndrom, Fettleibigkeit und Diabetes untersuchten.

Darmflora und Ernährung

Die in Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlichten Befunde zeigen, dass die Zusammensetzung der Darmflora unter den Einfluss mehrerer genetischer und Umweltfaktoren (z.B. Ernährung) steht.

Die Wechselwirkungen zwischen der Darmflora und der Ernährung scheinen eine deutliche pathophysiologische Rolle bei Depression und den verbundenen medizinischen Begleiterkrankungen zu spielen.

Die Störung der Darmflora und das Leaky-Gut-Syndrom können mehrere Signalwege beeinflussen, die bei der Biologie der klinischen Depression mitwirken, inklusive - aber nicht darauf begrenzt:

Jedoch beschränkten methodologische Widersprüche zwischen den Studien und Einschränkungen die Vergleiche über die Studien hinweg.

Die Studienautoren schließen, dass Darmdysbiose und Leaky-Gut-Syndrom eine besonders wichtige pathophysiologische Verbindung zwischen Depression und ihren medizinischen Komorbiditäten sein könnte. Diese Befunde eröffnen neue vorbeugende und therapeutische Perspektiven, schreiben die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Federal University of Ceará, McMaster University, Psychotherapy and Psychosomatics - DOI: 10.1159/000448957; Feb. 2017

Beeinträchtigte Darmflora bei depressiven Menschen

04.02.2019 Eine in Nature Microbiology publizierte Forschungsarbeit über den Zusammenhang zwischen der Darmflora und der psychischen Gesundheit identifiziert bestimmte Darmbakterien im Zusammenhang mit Depressivität und liefert den Nachweis, dass eine Reihe der Bakterien im Darm neuroaktive Wirkstoffe produzieren können.

Die Autoren um Jeroen Raes und Mireia Valles-Colomer von der KU Leuven-Universität kombinierten fäkale Darmfloradaten mit der Depressionsdiagnose durch Allgemeinmediziner von 1.054 Personen, die am flämischen Gut-Flora-Projekt teilnahmen.

Sie identifizierten spezifische Gruppen von Mikroorganismen, die positiv oder negativ mit der psychischen Gesundheit korrelierten.

Mangel an Coprococcus und Dialister

Die Autoren fanden heraus, dass zwei Bakteriengattungen - Coprococcus und Dialister - bei Menschen mit Depressionen durchgängig dezimiert waren, unabhängig von der Behandlung mit Antidepressiva.

Die Ergebnisse wurden bei einer unabhängigen Kohorte von 1.063 Personen aus der niederländischen LifeLinesDEEP-Kohorte und bei einer Gruppe von klinisch depressiven Patienten an der Universitätsklinik Leuven bestätigt.

Ähnlichkeit mit Morbus Crohn

Zuvor identifizierten Raes und sein Team eine mikrobielle Konstellation bzw. einen Enterotyp, der sich durch eine geringe Keimzahl und Biodiversität auszeichnet und bei Morbus Crohn häufiger beobachtet wurde. In ihrer aktuellen Studie fanden sie überraschenderweise einen ähnlichen Typ, der mit Depressionen und verminderter Lebensqualität verbunden ist.

Raes sagte, dass der Befund weitere Hinweise auf die potenziell dysbiotische Natur des von ihnen zuvor identifizierten Enterotyps Bacteroides liefere. Anscheinend haben mikrobielle Darm-Gemeinschaften, die mit Darmentzündungen und vermindertem psychischen Wohlbefinden in Verbindung gebracht werden können, eine Reihe gemeinsamer Merkmale.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Nature Microbiology - DOI: 10.1038/s41564-018-0337-x

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