Das Denken von Depressiven

Depressive Störungen - Symptome, Ursachen, Risikofaktoren

Depressive denken über sich selbst schlechter

12.11.2013 Menschen, die durch eine depressive Episode gehen, verarbeiten Informationen über sich in anderer Weise, als nicht-depressive Menschen.

Selbstbeschreibung

Mit Hilfe funktioneller Kernspintomographie (fMRT) untersuchten Forscher der Universität Liverpool das Gehirn von Menschen mit Depression (und das nicht-depressiver Menschen). Die Teilnehmer sollten, während sie in der fMRT-Maschine waren, Adjektive wählen, mit denen sie sich selbst oder die britische Königin (eine Person, die abseits ihres täglichen Lebens steht, aber die jeder kennt) beschreiben sollten.

"Wir stellten fest, dass depressive Teilnehmer deutlich weniger positive Wörter und mehr negative und neutrale Wörter benutzten, um sich selbst zu beschreiben, als die nicht-depressiven Teilnehmer", sagte Professor Peter Kinderman, Leiter des Instituts für Psychologie, Gesundheit und Gesellschaft der Universität.

Unterschiedliche Verarbeitung im Gehirn

"Das ist nicht allzu überraschend, aber die Gehirnscans zeigten deutlich größere Blutsauerstofflevel im medialen oberen frontalen Cortex (das Gebiet, welches mit der Verarbeitung selbstbezogener Prozesse verbunden ist), wenn die depressiven Teilnehmer Urteile über sich selbst bildeten".

Diese Forschung kann den Weg frei machen für weitere Studien über die psychologischen und neuralen Prozesse, die depressive Störungen begleiten, sagte er.

Dr. May Sarsam vom Mersey Care NHS Trust fügte hinzu, dass die Studie den Unterschied in der Gehirnaktivität zeige: es gab nur Unterschiede, wenn depressive Menschen über sich selbst nachdachten, nicht wenn sie z.B. über die Königin nachdachten oder wenn sie sich andere Urteile bildeten...hier gab es keine Unterschiede zu nicht-depressiven Menschen.

Quelle: Universitäten von Liverpool, Manchester, Edinburgh und Lancaster, Mersey Care NHS Trust; Nov. 2013

'Diffuses Denken' bei Depression und bipolarer Störung: Neue Forschungsarbeit bestätigt den Effekt

07.05.2015 Menschen mit Depression oder bipolarer Störung merken oft, dass ihr Denken "unscharf" oder "verschwommen" ist, verglichen mit dem Zustand, bevor die Symptome einsetzten.

Forscher der University of Michigan konnten nun bestätigen, dass dieser Effekt real ist, und durch die Veränderungen der Gehirnaktivität verursacht wird.

Die Ergebnisse zeigen auch, dass diese beiden Erkrankungen eher zu einem Spektrum von Stimmungsstörungen gehören, als dass sie voneinander getrennt zu sehen sind, sagen die Wissenschaftler.

Konzentrationstest

Die Forscher testeten 612 Frauen (266 mit klinischer Depression, 202 mit bipolarer Störung, 150 waren gesund). Bei 52 Frauen wurden während der Tests die Gehirne gescannt.

Es zeigte sich, dass die Frauen mit Depression oder bipolarer Störung ähnlich schlecht beim Test abschnitten, der eine anhaltende Konzentration erforderte. Im Vergleich mit der Gruppe der Kontrollteilnehmerinnen ohne psychische Erkrankung hinkten die depressiven und bipolaren Frauen merklich bei diesem Standardtest zur kognitiven Kontrolle hinterher.

Und während viele einzelne Frauen mit Depression oder bipolarer Störung genauso viele Punkte erzielten wie die gesunden Teilnehmerinnen, gehörten alle von den 5%, die am schlechtesten performten, zu einer der beiden Gruppen mit den Stimmungsstörungen.

Aktivität im Gehirn

Auf den Gehirnscans stellten die Forscher fest, dass die depressiven und bipolaren Frauen andere Aktivitätsniveaus in einem bestimmten Bereich des Gehirns (im rechten parietalen Cortex posterior) hatten als die gesunden Frauen.

Bei den Depressiven war die Aktivität in diesem Bereich höher als bei den gesunden Personen, während sie bei den Bipolaren niedriger war. In dieser Region des Gehirns werden die 'Exekutivfunktionen' unterstützt - Aktivitäten wie Arbeitsgedächtnis, Problemlösung und Erwägungen.

"Wir konnten eine gemeinsame kognitive Funktionsstörung bei Frauen mit Stimmungsstörungen zeigen, die in den kognitiven Kontrolltests ausgeprägter und in den Scans nuancierter waren", sagt Neuropsychologin Kelly Ryan.

Krankheitskategorien der Kliniker fragwürdig

"Diese Befunde unterstützen die Idee, Stimmungsstörungen dimensional als Kontinuum von funktionierend bis zur Funktionsstörung über Krankheiten, die sich eher ähneln als unterscheiden, hinweg zu betrachten", fügt Ryan in der Zeitschrift Brain hinzu.

"Traditionell wird in der Psychiatrie eher eine bestimmte Diagnose oder Kategorie gesehen. Aber die Neurobiologie ist nicht so kategorisch; wir sehen keine großen Unterschiede zwischen den Krankheitskategorien der Kliniker. Dies wirft Fragen zu den traditionellen Diagnosen auf."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Michigan, Brain; Mai 2015

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