Depression: Entzündungen, Inflammation

Depressive Störung - Risikofaktoren - Ursachen

Marker für Entzündungen im Gehirn erhöht

30.01.2015 Eine neue Studie zeigt, dass bei klinisch Depressiven die Marker für Entzündungen im Gehirn um 30 Prozent erhöht waren: je stärker die Depression, desto mehr Entzündungen.

Frühere Studien haben nach Entzündungsmarkern im Blut gesucht, aber dies ist die erste, die definitive Belege dafür im Gehirn fand, sagte Dr. Jeffrey Meyer vom CAMH's Campbell Family Mental Health Research Institute in der Zeitschrift JAMA Psychiatry.

Meyers Forscherteam war auch in der Lage, eine erhöhte Aktivierung der Immunzellen zu messen: Mikroglia, die eine wichtige Rolle bei der Immunreaktion des Gehirns spielen.

Dr. Elaine Setiawan, Dr. Meyer und Kollegen scannten die Gehirne von 20 Patienten mit klinischer Depression, um herauszufinden, ob Entzündungen bei dieser depressiven Störung häufiger vorkommen. Die Teilnehmer waren ansonsten gesund. Es wurden weiterhin 20 völlig gesunde Kontrollteilnehmer untersucht.

Es zeigte sich, dass die depressiven Teilnehmer deutlich mehr Entzündungen im Gehirn hatten. Die Inflammationsraten waren am höchsten bei denen mit den schwerwiegendsten Depressionen.

Entzündungsreaktion

Entzündungen im Gehirn
(Symbol) Bild: Kai Stachowiak (pixabay)

Obwohl die Entzündungsreaktion normalerweise notwendig ist, um das Gehirn zu schützen, kann eine zu hohe Rate sogar schädigen. Mittlerweile gibt es einige Studien, die darauf hinweisen, dass Entzündungen die Symptome einer klinischen depressiven Episode wie gedrückte Stimmung, Appetitlosigkeit und Schlaflosigkeit hervorrufen können. Was aber zuvor unklar war: können Entzündungen eine Rolle bei Depressionen spielen, unabhängig von körperlichen Krankheiten?

Behandlung

"Diese Entdeckung hat wichtige Auswirkungen auf die Entwicklung neuer Behandlungen für eine große Gruppe von Depressiven", sagt Meyer. Entweder muss die Gehirnentzündung behandelt, oder die Veränderung einer positiveren Instandsetzungfunktion herbeigeführt werden, wobei dies dann die Symptome lindern würde.

Im Moment gibt es keine Behandlungsansätze, die Depression mit Antiphlogistika (Entzündungshemmer) zu behandeln, sagte Meyer.

"Depression ist eine komplexe Krankheit, und wir wissen, dass es mehr als eine biologische Veränderung braucht, dass jemand daran erkrankt", sagt Meyer. "Aber wir glauben jetzt, dass Entzündungen im Gehirn dazu beitragen können, und das ist ein wichtiger Schritt vorwärts."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: JAMA Psychiatry, Centre for Addiction and Mental Health; Jan. 2015

Entzündungen und ein geschwächtes Belohnungssystem

23.11.2015 Etwa jeder dritte Depressive zeigt erhöhte Entzündungsreaktionen im Blut. Eine neue Forschungsstudie zeigt, dass anhaltende Entzündungen sich auf das Gehirn auswirken, was oft mit hartnäckigen Depressionssymptomen wie Anhedonie einhergeht - der Unfähigkeit, Freude und Lust zu empfinden.

Anhedonie

Anhedonie ist ein Kernsymptom der Depression, das besonders schwierig zu behandeln ist, sagte Studienautorin Jennifer Felger von der Emory University in der Zeitschrift Molecular Psychiatry.

"Einige Patienten leiden trotz der Einnahme von Antidepressiva unter Anhedonie", sagt Felger. "Unsere Daten legen nahe, dass wir durch das Blocken der Entzündungen oder ihrer Auswirkungen auf das Gehirn in der Lage sein werden, Anhedonie zu verringern und depressiven Personen helfen können, die auf Antidepressiva nicht ansprechen."

Kommunikationsstörung zwischen 'Motivation' und 'Belohnung'

In einer Studie mit über 48 depressiven Patienten war ein hohes Niveau des Entzündungsmarker CRP (C-reaktives Protein) mit einer "Kommunikationsstörung" - festgestellt durch bildgebende Verfahren - zwischen Gehirnregionen verbunden worden, die eine wichtige Rolle bei Motivation und Belohnung spielen.

Die Neurowissenschaftler können anhand von Magnetresonanztomographie feststellen, ob zwei Regionen des Gehirns miteinander kommunizieren, auch wenn jemand zum Zeitpunkt der Untersuchung nichts Besonderen tut. Sie nennen dies "funktionelle Konnektivität"

CRP

Bei Patienten mit hohem CRP beobachteten Felger und ihre Kollegen einen Mangel an Konnektivität zwischen dem ventromedialen präfrontalen Cortex und dem ventralen Striatum. Demgegenüber zeigten Patienten mit einem niedrigen CRP eine robuste Konnektivität, schreiben sie.

Die Forscher hatten auch eine reduzierte Aktivierung dieser Bereiche bei Menschen festgestellt, die Immunstimulanzien zur Behandlung von Hepatitis C oder Krebs erhielten, was nahelegt, dass sie auf Entzündungen empfindlich reagieren.

Verlangsamte motorische Funktion

Hohe CRP-Niveaus standen auch mit der von den Patienten berichteten Anhedonie in Verbindung. Und eine verringerte Konnektivität zwischen einer anderen Region des Striatums und dem ventromedialen präfrontalen Cortex war mit einem anderen Symptom verbunden: einer verlangsamten motorischen Funktion - gemessen anhand der Finger-Tippgeschwindigkeit.

Während der Gehirnscans nahmen die Teilnehmer keine Antidepressiva, entzündungshemmenden oder andere Medikamente für mindestens vier Wochen ein, und das CRP wurde bei verschiedenen Besuchen gemessen, um sicherzustellen, dass das Niveau stabil war.

Ein hoher CRP-Spiegel konnte auch mit dem BMI (Body-Mass-Index) in Beziehung gesetzt werden, aber die statistische Beziehung blieb stark, selbst nachdem sie auf BMI und andere Variablen - wie Alter - korrigiert worden war.

Eine vorherige Studie mit schwer behandelbarer Depression hatte herausgefunden, dass Personen mit hohen Entzündungsreaktionen (hoher CRP-Spiegel) - aber nicht andere Teilnehmer der Studie - ein verbessertes Ansprechen auf das entzündungshemmende Antikörper-Medikament Infliximab zeigten.

Einsatz von L-DOPA?

Als nächsten Schritt beabsichtigt Felger zu testen, ob L-DOPA die Konnektivität in den belohnungsgebundenen Gehirnregionen bei den depressiven Patienten mit hohen Entzündungsraten erhöhen kann.

Felgers vorherige Forschungsarbeit mit nicht-menschlichen Primaten legte nahe, dass Entzündungen zu reduzierter Dopaminfreigabe führt.

"Wir hoffen, unsere Untersuchungen führen zu neuen Therapien von Anhedonie bei Depressionen, die mit hohen Entzündungsreaktionen einhergehen."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Emory University, Molecular Psychiatry; Nov. 2015

Durch chronische Entzündung ausgelöste Depression muss anders behandelt werden

18.12.2015 Chronische Entzündung im Blutkreislauf kann eine Depression 'anfachen' - wie wenn Benzin ins Feuer gegossen wird, sagt eine Studie der Universitäten Rice und Ohio State.

Die in der Zeitschrift American Journal of Psychiatry veröffentlichte Metaanalyse untersuchte 200 Studien zu Depression und Entzündung darauf, wie Stress das Immunsystem beeinflusst, und dies wiederum Entwicklung von Krankheiten und psychischer Gesundheit.


Bild: Gerd Altmann

Die Autoren stellten fest, dass zusätzlich zu zahlreichen körperlichen Erkrankungen (wie Krebs und Diabetes), eine systemische Entzündung mit psychischen Erkrankungen wie Depression verbunden ist.

Entzündungsmarker

Studienautor Christopher Fagundes sagte: Bei Patienten, die unter klinischer Depression litten, zeigten sich die Konzentrationen zweier Entzündungsmarker - CRP und IL-6 - um bis zu 50% erhöht.

Fagundes sagte, chronische Entzündung komme bei Personen sehr häufig vor, die in ihrem Leben starken Stress (z.B. Missbrauch oder Vernachlässigung als Kinder) erfahren haben oder einen niedrigeren sozioökonomischen Status innehalten. Andere beitragende Faktoren sind eine sehr fette Ernährung und ein hoher Body-Mass-Index.

Frühere Studien konnten bereits zeigen, dass Probleme in der Kindheit oder sozioökonomische Probleme ein größeres Risiko für psychische Probleme darstellen, sagte er. "Als Resultat stellt sich bei ihnen oft ein höheres Auftreten chronischer Entzündungen ein, die wir mit Depression verbinden konnten."

Entzündungsreaktionen des Immunsystems

Er sagte, es sei normal, dass Menschen eine Entzündungsreaktion - wie eine Rötung - in einem verletzten Körperbereich haben.

"Dies ist das Immunsystem, das Krankheitserreger tötet - dies ist ein guter Vorgang", sagte Fagundes.

"Jedoch zeigen viele Menschen anhaltende systemische Entzündungen, die die Wurzel von körperlichen und psychischen Erkrankungen ist. Stress, wie auch eine schlechte Ernährung und ein schlechtes Gesundheitsverhalten verstärken Entzündungen."

Ein starkes System unterstützender Beziehungen früh im Leben ist wichtig, damit der Umgang mit Stress später im Leben gelernt werden kann.

Andere Behandlungen bei chronischen Entzündungen

Die Studie fand auch heraus, dass durch chronische Entzündung ausgelöste Depression gegen traditionelle Therapiemethoden resistent ist.

Aktivitäten wie Yoga, Meditation, Sport und Medikamente wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR oder NSA) können hier bessere Resultate bei der Behandlung erzielen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Rice, Universität Ohio State, American Journal of Psychiatry; Dez. 2015

Warum bei einigen die Depression von Entzündungen ausgelöst wird

06.05.2016 Eine in der Zeitschrift Neuropsychopharmacology veröffentlichte Studie des King's College London untersuchte, warum einige Menschen scheinbar eine Depression aufgrund eines hohen Inflammationsniveau im Blut entwickeln, was zu neuen Behandlungsstrategien bei denen führen kann, die nicht auf Antidepressiva ansprechen.

Aktiviertes inflammatorisches System

Die jüngste Forschung zeigt, dass Depressive messbare Veränderungen im Blut aufweisen, die auf ein aktiviertes inflammatorisches (entzündliches) System weisen - eine biologische Reaktion, die normalerweise darauf ausgerichtet ist, Infektionen zu bekämpfen, aber auch eine wichtige Role bei der Regulation von Stimmungen und Verhalten spielt.

Oxidativer Stress u. freie Radikale

Blut-Inflammation kann den oxidativen Stress im Gehirn verschlimmern, ausgelöst durch die Überproduktion von freien Radikalen und einem Problem bei der Beseitigung dieser Moleküle.

Diese freien Radikale können die Gehirnverschaltungen stören und auch die Neurotransmitter im Gehirn, was zur Entwicklung depressiver Symptome durch die Störung der schützenden Mechanismen führen kann.

Anfälligkeit gegenüber Entzündungen

Einige Depressive sind anfälliger für die Entwicklung von Depression, wenn ihr Entzündungssystem aktiviert wird, weil sie 'biologisch empfindlicher' auf Entzündungen reagieren.

Infolgedessen wird ihr Gehirn mit größerer Wahrscheinlichkeit beeinträchtigt.

Entzündungsinduzierte Depression

Etwa ein Drittel der Patienten, die ein antivirales Immunmedikament - 'Interferon-alpha' genannt - einnehmen, entwickeln Depression, weil dieses Medikament das entzündliche System aktiviert.

Die Londoner Forscher untersuchten Patienten, die Interferon-alpha als Modell einer inflammationsinduzierten Depression einnahmen, um die Mechanismen zu analysieren, durch die ein aktiviertes entzündliches System depressive Symptome bei einigen, aber nicht allen Personen, verursacht.

Anfälliger gegenüber Interferon-alpha

Sie maßen die Aktivierung von mehreren biologischen Systemen im Blut von 58 Patienten vor und nach der entzündlichen Aktivierung durch das Alpha-Interferon und analysierten die Veränderungen in diesen Systemen in Verbindung mit dem Beginn der depressiven Symptomen.

Die Wissenschaftler fanden, dass Patienten mit anschließenden depressiven Symptomen im Anschluss an die inflammatorische Aktivierung dazu neigten, biologisch empfindlicher gegenüber Interferon-alpha zu sein.

Insbesondere hatten sie ein reaktiveres entzündliches System, und sie zeigten auch mehr Veränderungen in den biologischen Systemen, die am oxidativen Stress und Schutz der Gehirnzellen beteiligt sind.

Studienleiter Dr. Nilay Hepgul vom Fachbereich für Psychiatrie, Psychologie & Neurowissenschaft sagte, dass deswegen einige mit Alpha-Interferon behandelte Menschen als auch bestimmte Personen im Kontext eines hohen Entzündungsniveaus aufgrund anderer Ursachen - wie starker Stress oder medizinische Erkrankungen - ein größeres Depressionsrisiko haben.

Die Forscher wollen nun die direkten Folgen dieser Entzündungsreaktionen für das Gehirn mit Neuroimaging-Techniken aufzeichnen und untersuchen, warum einige Patienten für Entzündungen biologisch sensitiver sind.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: King's College London, Neuropsychopharmacology; Mai 2016

Gehirnentzündung nach jahrelangen Depressionen

01.03.2018 Eine neue in der Fachzeitschrift The Lancet Psychiatry veröffentlichte Studie zeigt, dass sich das Gehirn nach Jahren anhaltender bzw. chronischer Depression verändert.

Dr. Jeff Meyer vom Campbell Family Mental Health Research Institute des Centre for Addiction and Mental Health und Kollegen untersuchten 25 Personen mit mehr als 10 Jahre anhaltenden Depressionen, 25 Personen mit weniger als 10 Jahren der Krankheit und 30 nicht-depressive Personen als Vergleichsgruppe.

Die Befunde zeigen, dass Menschen mit längeren Phasen unbehandelter Depressionen - die länger als ein Jahrzehnt andauern - deutlich mehr Gehirnentzündungen hatten als Menschen mit weniger als 10 Jahren unbehandelter Erkrankung.

In einer früheren Studie entdeckte das Team um Meyer den ersten eindeutigen Beleg für eine Entzündung des Gehirns bei klinischer Depression.

Anderes Krankheitsstadium

Die aktuelle Studie liefert den ersten biologischen Hinweis für große Gehirnveränderungen bei langanhaltender Depression, was darauf hindeutet, dass es sich um ein anderes Krankheitsstadium handelt, das anders behandelt werden muss - die gleiche Perspektive, die für frühe und spätere Stadien der Alzheimer-Krankheit eingenommen wird, sagt Meyer.

Mikroglia und die normale Entzündungsreaktion

In der Studie wurde die Gehirnentzündung mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) gemessen. Die Immunzellen des Gehirns, bekannt als Mikroglia, sind an der normalen Entzündungsreaktion des Gehirns auf Traumata oder Verletzungen beteiligt, aber zu viel Inflammation (Entzündung) ist mit anderen degenerativen Erkrankungen und Depressionen verbunden.

Entzündungsmarker Translokatorprotein (TSPO)

Wenn Mikroglia aktiviert werden, bilden sie mehr Translokatorprotein (TSPO), einen Entzündungsmarker, der mit Hilfe der PET-Bildgebung sichtbar wird.

Die TSPO-Werte waren in verschiedenen Hirnregionen bei denjenigen mit lang anhaltender unbehandelter Depression um etwa 30 Prozent höher als bei denjenigen mit kürzeren Perioden unbehandelter Depression. Die Gruppe mit einer langfristigen Erkrankung hatte auch höhere TSPO-Werte als die nicht-depressive Gruppe.

Dr. Meyer weist auch darauf hin, dass in Behandlungsstudien Patienten mit schweren, lang anhaltenden Depressionen eher ausgeschlossen werden, so dass es an Belegen für die Behandlung dieses Stadiums der Erkrankung mangelt, was angegangen werden muss.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The Lancet Psychiatry (2018). DOI: 10.1016/S2215-0366(18)30048-8

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