Depression: hormonelle Kontrazeptiva ('Pille')

Depressive Störungen - Ursachen/Risikofaktoren

Erstdiagnoserisiko erhöht durch hormonale Kontrazeption

04.10.2016 Eine neue in JAMA Psychiatry veröffentlichte Studie der Universität Kopenhagen untersuchte die Verbindung zwischen der Erstdiagnose einer Depression und dem Beginn hormonaler Kontrazeption - also der Einnahme der 'Pille' - unter dänischen Frauen.

Niedrig dosierte hormonelle Schwangerschaftsverhütung

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Bild: Ryan McGuire

Wenige Studien haben bislang die Wirkung von niedrig dosierter hormoneller Schwangerschaftsverhütung auf das Risiko für eine Depression gemessen. Stimmungssymptome sind oftmals der Grund für die Beendigung der Einnahme der Pille.

Studienautor Dr. Øjvind Lidegaard und Kollegen analysierten die Daten von mehr als einer Million Frauen und Mädchen im Alter von 15 bis 34 Jahren. Ihnen wurde gefolgt von 2000 - 2013 mit einem durchschnittlichem Follow-Up von 6,4 Jahren.

Während der Nachbeobachtungszeit nahmen 55 % der Frauen und Jugendlichen hormonelle Medikamente zur Schwangerschaftsverhütung. In dieser Zeit gab es auch 133.178 erste Verschreibungen für Antidepressiva und 23.077 Erstdiagnosen von Depression.

Erhöhtes Risiko durch Progestin-Monopräparate

Im Vergleich zu Frauen, die nicht die Pille nahmen, hatten die orale Kontrazeptiva einnehmenden Frauen ein 1,23-fach erhöhtes Risiko für die Verschreibung eines Antidepressivums, wobei das Risiko bei Pillen mit der aktiven Substanz Progestin allein 1,34-fach erhöht war.

Die eingestufte Gefahr für eine Depressionsdiagnose war ähnlich hoch oder niedriger. Das Risiko für die Frauen variierte abhängig vom Typ der hormonellen Schwangerschaftsverhütung.

Mädchen hatten besonders hohes Risiko

Eine der höchsten Risikoraten hatten Mädchen im Alter von 15 bis 19, die ein 1,8-fach höheres Risiko für den Erst-Gebrauch eines Antidepressivums in Kombination mit oralen Empfängnisverhütungsmitteln und ein 2,2-fach höheres Risiko hatten, wenn sie Monopräparate mit Progestin nahmen.

Depressionsrate bei Pflaster und Vaginalring am höchsten

Mädchen, die keine oralen Produkte (sondern Pflaster und Vaginalring) benutzten, hatten ein etwa 3-fach erhöhtes Risiko für die Erstverschreibung eines Antidepressivums. Das eingestufte Risiko für eine Erstdiagnose von Depression war ähnlich oder niedriger.

Trotz der wichtigen Ergebnisse weisen die Forscher auf die Beschränkungen der Studie. Der Gebrauch von hormonellen empfängnisverhütenden Mitteln war mit der nachfolgenden Einnahme von Antidepressiva und Depressionserstdiagnose in einem psychiatrischen Krankenhaus mit Frauen verbunden, die in Dänemark leben. Jugendliche schienen anfälliger für dieses Risiko als Frauen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren.

Risiko insgesamt nicht sehr hoch

Die Studie zeigte, dass jedes Jahr 2,2 Prozent der Frauen, die hormonelle Empfängnisverhütung einsetzten, eine Antidepressiva-Behandlung begannen im Vergleich zu 1,7 Prozent der Frauen, die nicht-hormonelle Empfängnisverhütung benutzten. 0,3 Prozent der Frauen mit hormoneller Geburtenkontrolle hatten eine Depressionsdiagnose im Vergleich zu 0,28 Prozent bei den Frauen, die nicht die 'Pille' nutzten.

Weitere Studien werden benötigt, um Depression als eine potenzielle Nebenwirkung der Pille zu untersuchen, schließen die Autoren.

© PSYLEX.de - Universität Kopenhagen, JAMA Psychiatry - Quellenangabe: doi:10.1001/jamapsychiatry.2016.2387; Okt. 2016

Kein Zusammenhang zwischen hormonellen Kontrazeptiva und Depression

06.03.2018 Frauen stehen vor mehreren Optionen, wenn es um die Geburtenkontrolle geht, so dass potenzielle Nebenwirkungen oft in ihre Entscheidung einfließen.

Depression ist eine häufige Sorge vieler Frauen, aber eine neue im Fachblatt Contraception veröffentlichte Studie hat keine Hinweise für einen Zusammenhang zwischen hormoneller Geburtenkontrolle und depressiven Störungen gefunden.

Keine Belege für Verbindung

Dr. Brett Worly von der Ohio State Universität und Kollegen haben Tausende von Studien zu den Auswirkungen von hormonalen Verhütungsmitteln auf die psychische Gesundheit überprüft. Sie enthielten Daten zu verschiedenen Verhütungsmethoden, darunter Injektionen, Implantate und Pillen.

Die Forscher überprüften auch Studien, die die Effekte der hormonellen Geburtenkontrolle auf postpartale Frauen, Jugendliche und Frauen mit Depressionen in der Vorgeschichte untersuchten, alle mit der gleichen Schlussfolgerung: Es gibt nicht genügend Belege für einen Zusammenhang zwischen Kontrazeptiva / hormoneller Geburtenkontrolle und Depression.

Prädisposition

Jugendliche und schwangere Mütter haben manchmal ein höheres Risiko für Depressionen, nicht unbedingt wegen der Medikamente, die sie einnehmen, sondern weil sie schon zuvor ein erhöhtes Risiko hatten, sagte Worly.

Für diese Patientinnen ist es wichtig, dass sie ein gutes Verhältnis zu ihrem Arzt / ihrer Ärztin etc. haben, damit sie die entsprechende Vorsorgeuntersuchungen durchführen - unabhängig von den Medikamenten, die sie nehmen.

Wir leben in einem medialen Zeitalter, und wenn einer oder einige wenige Menschen schwere Nebenwirkungen haben, wirkt das plötzlich wie ein Verstärker auf jede einzelne Person, sagte er.

Das größte Missverständnis ist, dass die Antibaby-Pille bzw. Kontrazeptiva zu Depressionen führt. Für die meisten Patientinnen ist das einfach nicht der Fall, schließt er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ohio State Universität; Contraception

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