Konversionsstörung; Konversion (Psychologie)

Psychische Störungen - Psychologie Lexikon

Definition

Definition aus der Psychologie: Eine Konversion ist die Verwandlung verdrängter Affekte in körperliche Zeichen. Vgl. FREUDsche Theorie. Otto Dornblüth, Klinisches Wörterbuch. 13/14 Auflage, 1927.
Die Konversionsstörung ist die pathologische Form.

Nach Sigmund Freud ist die Konversion, die Übertragung von Emotionen, wie Angst, Aggression, Wut, Schuld etc. auf die körperlichen Organe. Es wäre demnach der Vorgang, der psychosomatische Krankheiten verursacht bzw. zugrundeliegt. Hierbei soll es sich, nach der Psychoanalyse, um eine Art Schutz handeln. Dieses Konstrukt ist aber nicht belegt und auch nicht plausibel. Bessere Begriffe die psychischen Vorgänge zu beschreiben, sind in diesem Zusammenhang: Dissoziative Störung, Dissoziationen.

Ursprüngliche Bedeutung des Begriffes: Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 1. Leipzig 1911: Konversion (lat.), Umwandlung, Umwendung; Bekehrung, übertritt zu einem andern religiösen Glauben; Umwandlung einer Schuld in eine andere, in der Regel mit geringerm Zinsfuß.

Im ICD 10 wird die Konversionsstörung den dissoziativen Störungen zugeteilt, im DSM IV den somatoformen Störungen.

Symptome

Motorische Symptome oder Defizite:

Sensorische Symptome oder Defizite:

Stressoren und Verdrängung als Ursache für die Konversionsstörung

15.08.2016 Psychologische Modelle der Konversionsstörung übernehmen traditionell, dass psychosoziale Stressoren um den Symptombeginn herum zu erkennen sind. Angesichts der begrenzten stützenden Belege für diese Modelle untersuchte eine im Fachblatt Psychological Medicine veröffentlichte Studie des King's College diese Annahme.

Verdrängung / Flucht vor Stressoren?

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Bild: Gerd Altmann

Dazu befragten die Forscher um Dr. Timothy Nicholson vom Institut für Psychiatrie, Psychologie und Neurowissenschaften 43 Patienten mit diagnostizierter Konversionsstörung, 28 Patienten mit Depressionen und 28 gesunde Kontrollpersonen zu Lebensereignissen und Problemen in einem Zeitraum von einem Jahr vor dem Beginn der Symptome.

Ein neu entwickeltes Tool zur Bewertung des Verdrängungsverhaltens sollte die Freudsche Theorie testen, dass die körperlichen Symptome der Konversionsstörung eine Verdrängung bzw. die Flucht vor den Stressoren bieten, einer Form von "sekundärer Verstärkung".

Vergleich der psychosozialen Stressoren

Es zeigte sich, dass die Patienten mit Konversionsstörungen deutlich mehr schwere Lebens- und "Flucht"-Ereignisse vorwiesen als die Kontrollpersonen.

Im Monat vor dem Beginn der Symptome hatten 56% der Konversionspatienten mindestens ein schweres Vorkommen - deutlich mehr als bei den Kontrollteilnehmern: 21% der Patienten mit Depression und der gesunden Kontrollen.

Im gleichen Zeitraum hatten 53% der Konversions-Patienten mindestens ein besonders schweres 'Flucht-Ereignis' - wieder deutlich mehr als bei den Depressiven (14%) und bei den gesunden Kontrollen (0%).

Frühere sexuelle Missbrauchsfälle wurden häufiger von Konversionspatienten berichtet als bei den Kontrollen, und bei einem Drittel der Patientinnen waren diese kontextuell relevant bei Auftreten der ersten Symptome der Erkrankung.

Die Mehrheit (88%) der Ereignisse potenzieller ätiologischer Relevanz (mögliche krankheitsauslösende Ereignisse) wurden nicht durch die klinischen Routineuntersuchungen erkannt. Neun Prozent der Patienten mit Konversionsstörung hatten über keine erkennbaren schweren Ereignisse im Leben berichtet.

Die Autoren schlussfolgern, dass die Belege das psychologische Modell der Konversionsstörung bei einigen Patienten unterstützen: den Freudschen Begriff der Verdrängung und die mögliche ätiologische Bedeutung von Kindheitstraumata. Um Stressoren von potentieller atiologischer Relevanz aufzudecken, ist eine gründliche psychosoziale Auswertung nötig.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: King's College, Psychological Medicine - DOI: http://dx.doi.org/10.1017/S0033291716000714; August 2016

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