Emotionales Essen / Stressessen

Psychische Störungen - Gestörtes Essverhalten

Emotionales Essen stoppen

08.05.2013 Viele Menschen wenden sich der Nahrungsaufnahme zu, wenn sie Trost brauchen, weil sie emotional ausgezehrt oder gestresst sind. Stress-Essen, auch emotionales Essen genannt, kann auftreten, weil Stress ein bestimmtes Verlangen nach Nahrung auslöst.

Die Harvard Medical School zeigt diese Alternativen zu emotionalem Essen auf:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Harvard Universität, Mai 2013

Stressessen: Bei chronisch Gestressten ist Selbstbeherrschung 'ausgeschaltet'

24.11.2014 Stressesser (oder emotionale Esser) haben eher mit Übergewicht oder gar Fettleibigkeit (Adipositas) zu kämpfen, und infolge oft auch unter Folgen des Übergewichts, wie Herzinfarkten, Schlaganfällen oder chronischen Erkrankungen wie Diabetes Typ 2 zu leiden.

Ernährungsforscher Kevin D. Laugero und Kollegen haben sich deshalb die Gehirnverschaltungen zwischen Stress und ungesundem Essen angeschaut; oder technisch ausgedrückt: die Neurophysiologie des Stressessens.

In einer kürzlich von Laugero im Fachmagazin Agricultural Research veröffentlichten aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler 30 gesunde Frauen im Alter zwischen 20 und 53, die ihr Ausmaß an chronischen Stress in ihrem Leben (auf der Arbeit, in der Beziehung oder finanziell) beurteilen sollten. Dann wurden Gehirnscans (Magnetresonanztomografie - MRT) gemacht, während sich die Freiwilligen Fotos von Lebensmitteln mit vielen Kalorien, gesunden Nahrungsmitteln oder Alltagsobjekte (wie z.B. Münzen) betrachteten.

Laugeros Team (vom U.S. Department of Agriculture und der Universität von California-Davis) stellten fest, dass sich einige Gehirnaktivitätsmuster bei den hochchronisch Gestressten merklich von denen der wenig gestressten Teilnehmern unterschieden.

Zum Beispiel war die Aktivität bei den hoch gestressten Versuchspersonen im präfrontalen Cortex (Gehirnregion, die Selbstbeherrschung und strategische Entscheidungsfindung reguliert) im Grunde genommen "ausgeschaltet", während sie hochkalorige Lebensmittel betrachteten (im Vergleich zu den wenig gestressten Teilnehmern), berichten die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quelle: Agricultural Research, U.S. Department of Agriculture, Universität von California-Davis, November 2014

Ist die Niederlage süßer als der Sieg?

Forscher untersuchten die Mechanismen des emotionalen Essens

14.07.2015 Wissenschaftler der Cornell Universität haben herausgefunden, wie die Gefühlslage einer Person die Geschmackswahrnehmung beeinflusst, denn Menschen haben in negativer Stimmung ein größeres Bedürfnis nach Süßigkeiten als in einer positiven Stimmung.

Die Forscher fanden heraus, wie Emotionen - hervorgerufen durch das Anschauen von Sportereignissen (und deren Resultaten: Sieg, Niederlage für das 'eigene' Team) - die Wahrnehmung von süßen, salzigen, bitteren, sauren Lebensmitteln und Umami-Geschmack beeinflussten - zusätzlich zu den hedonischen Reaktionen (wie sehr sie die Nahrung mochten oder nicht mochten), sagte Studienautor Robin Dando in der Zeitschrift Appetite.

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Bild: Kaboompics_com

Beeinflussung der Wahrnehmung

Emotionale Manipulationen - hervorgerufen durch als angenehm oder unangenehm wahrgenommene tatsächliche Ereignisse - können die Geschmackswahrnehmung beeinflussen, was die Akzeptanz verstärkt, sagte Dando.

"Solche Ergebnisse zeigen, dass diese Veränderungen der Geschmacksempfindung bei negativen Gefühlslagen emotionales Essen fördern kann."

Die Auswirkung von positiven und negativen Emotionen

Die Analysen ergaben, dass positive Emotionen mit einer erhöhten Süß-Intensität und negative Emotionen mit verstärktem sauren Geschmack verbunden waren.

Die Studie zeigt, dass im alltäglichen Leben erfahrene Emotionen die hedonische Erfahrung weniger schmackhafter Nahrung verändern können - mit einer Verbindung zum emotionalen Essen laut den Forschern.

Dando erklärte: In Zeiten negativer Affekte können Lebensmittel, die als weniger genussreich wahrgenommen werden, noch weniger ansprechen, während genussreichere immer noch schmecken.

Deshalb sind wir mit unseren 'normalen' Nahrungsmitteln zufrieden, wenn unser Team gewinnt (bzw. wir uns gutfühlen), aber wenn es verliert (wenn wir uns schlecht fühlen), gelüstet es uns nach Süßigkeiten und Eis, sagte er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cornell Universität, Appetite; Juli 2015

Entstehung des emotionalen Essverhaltens

Kinder mit Nahrung belohnen kann zum emotionalen Essen führen

20.04.2016 Eltern, die das Essverhalten ihrer Kinder übermäßig kontrollieren - wie: Essen als Belohnung oder Druckmittel (Bestrafung) einzusetzen - können ihre Kinder unabsichtlich lehren, Essen als Kontrollinstrument für ihre Emotionen zu gebrauchen, sagt eine Studie der Aston University.

Wenn Nahrung als Belohnung eingesetzt wird

Diese Kinder essen mit größerer Wahrscheinlichkeit später in der Kindheit [und sicherlich auch im Erwachsenenalter] 'emotional'.

Dies sind die Befunde einer Studie mit Eltern und ihren Kindern, die von Dr. Claire Farrow von der Aston Universität und ihren Kollegen der Universitäten Loughborough und Birmingham durchgeführt wurde.

Die Studie erfasste bei den Eltern den Umgang mit Essen und Ernährungsmethoden als deren Kinder drei bis fünf Jahre alt waren. Die Forscher untersuchten dann bei den Kindern im Alter von 5-7, ob die frühen 'Fütterungsmethoden' die Entwicklung des emotionalen Essens bei den Kindern beeinflussten. Die Forscher bewerteten, wie wahrscheinlich die Kinder Snacks aßen oder mit Spielsachen spielten, wenn sie leicht gestresst aber nicht hungrig waren.

Essen als Belohnung, Bestrafung

Die Ergebnisse zeigten, dass Kinder mit viel größerer Wahrscheinlichkeit emotional aßen, wenn ihre Eltern Essen eher als eine Belohnung eingesetzt hatten und die Nahrungsmittel offen kontrollierten als die Kinder jünger waren.

Psychologie-Dozentin Farrow sagte, dass es häufig einen natürlichen Instinkt bei Eltern gäbe, kleine Kinder davor zu schützen, 'schlechte' Nahrungsmittel zu essen: hoch an Fett, Zucker oder Salz.

Stattdessen werden häufig diese Nahrungsmitteltypen als Belohnung oder Bestrafung eingesetzt.

"Die Belege unserer anfänglichen Forschung zeigen, dass wir damit unseren Kindern beibringen, diese Nahrungsmittel zu benutzen, um mit ihren unterschiedlichen Emotionen fertig zu werden. Und dadurch lernen sie, emotional zu essen - auch später im Leben."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Aston University; April 2016

Emotionales 'Füttern' durch die Eltern fördert emotionales Essen in späteren Jahren

27.04.2017 Emotionales Essen (auch Stressessen genannt) - essen, wenn man traurig oder aufgeregt ist, unter Stress steht, oder als Reaktion auf eine andere negative Stimmung - ist häufiger bei Kindern und Jugendlichen anzutreffen, aber wodurch entsteht es?

Forscher der Norwegian University of Science and Technology, Fachbereich Psychologie, und einiger englischer Universitäten untersuchten, welchen Einfluss die Eltern bei der Entstehung dieses Verhaltens haben, das zu Übergewicht und Essstörungen führen kann.


Bild: Esther Merbt

801 vierjährige norwegische Kinder und deren Eltern (meist die Mütter) nahmen an der Studie teil.

Die Eltern wurden zum Essverhalten, zum emotionalen Essen und Temperament ihrer Kinder (wie leicht sie sich aufregten, wie gut sie ihre Emotionen regulieren konnten etc.) und zu ihrem eigenen emotionalen Essverhalten befragt. Im Alter von 6, 8 und 10 Jahren wurden die Kinder erneut aufgesucht.

Bidirektionale Verbindung

Die Befunde zeigten, dass kleine Kinder häufiger im Alter von 8 und 10 Jahren emotinal aßen, wenn deren Eltern ihnen im Alter von 4 und 6 Jahren Essen zur Emotionsregulation anboten, sagt die Psychologin und Studienautorin Silje Steinsbekk im Fachblatt Child Development.

Und: Eltern, deren Kinder eher mit Essen getröstet werden konnten, boten ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit Essen an, um sie zu besänftigen / zu trösten (d.h. um sie 'emotional zu füttern').

So fördert die emotionale Fütterung die Entstehung / Entwicklung von emotionalem Essen, und emotionales Essen fördert die emotionale Fütterung. Die Ergebnisse blieben auch nach Berücksichtigung von Körpermassenindex der Kindern und dem Ausmaß der Fütterung und des Essens zu Beginn bestehen.

Die Befunde zeigten auch ein größeres Ausmaß an negativer Affektivität (d. h., leichter wütend oder böse werden) im Alter von 4 Jahren, erhöhte das Risiko der Kinder für emotionales Essen und Füttern mit 6 Jahren. Und das trug zur bidirektionalen Beziehung zwischen emotionaler Fütterung und emotionalem Essen bei, schlossen die Psychologen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Norwegian University of Science and Technology, Child Development - http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cdev.12756/full; April 2017

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