Essstörung * News, Forschung, Infos

Essstörungen / Essgestörtes Verhalten

Psychische Störungen – Gestörtes Essverhalten

Übersicht und Definition

Die Essstörung (ES) ist eine psychische Störung, die es nur in den westlichen Industrienationen gibt, in denen die Gesellschaft den kranken Wahn verbreitet: Schlankheit / Schlanksein ist mit Schönheit und Gesundheit gleich zu setzen.

Daher beschäftigen sich bei uns viele mit Ernährung und Diäten. Die Industrie, Mitverursacher dieses Wahns, verdient kräftig und mehrfach daran. Die Verbreitung dieser Störung in der Bevölkerung ist in den letzten beiden Jahrzehnten stark gewachsen. Das Zentrum für Essstörungen in Frankfurt/M. gibt an, dass 20 % der Essgestörten ihre Suche nach ihrer „Traumfigur“ mit dem Tod bezahlen.

Essgestörtes Verhalten geht den ES normalerweise voraus und beinhaltet subklinische ES mit Merkmalen wie z.B. gezügelte Nahrungsaufnahme, öfter einer bestimmten Diät folgen, Mahlzeiten auslassen etc.

Weitere Punkte / Themen zu essgestörtem Verhalten

Typen bzw. Einteilung

Die Essstörungen können in mehrere Kategorien gegliedert werden; es zeigen sich verschiedene Erkrankungsbilder und Syndrome bzw. Symptome:


  1. Anorexia Nervosa (Magersucht)
  2. Binge Eating
  3. Bulimia Nervosa (Bulimie oder Bulimarexie genannt)
  4. Chew and Spit (Kauen und Ausspucken)
  5. Drunkorexie
  6. Esssucht bzw. zwanghaftes Essen
  7. Selektives Essverhalten (z.B. Orthorexie)

Übergewicht oder Adipositas wird nach DSM IV (derzeit) nicht als psychische Störung kategorisiert.

Essstörungen und Autoimmunerkrankungen

Essstörungen
Bild: Vidmir Raic (pixabay)

11.09.2014 Finnische Forscher haben festgestellt, dass Personen mit Essstörungen wie Anorexie, Bulimie und Binge Eating ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einiger Autoimmunkrankheiten haben.

Sie entdeckten, dass einige Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ I und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (wie Crohn Krankheit) häufiger bei Personen mit Essstörungen auftraten.

In der in PLOS ONE herausgegebenen Studie untersuchten die Wissenschaftler die Krankheitshäufigkeit (Prävalenz) und die Zahl der Neuerkrankten von Autoimmunerkrankungen in einer großen finnischen Patienten-Kohorte mit Anorexia nervosa, Bulimia nervosa und Binge-Eating-Störung.

Die Forscher verglichen über 2.300 Patienten, die an der Essstörungsklinik des Helsinki Universitätskrankenhauses behandelt wurden, mit Kontrollpersonen. Die Teilnehmer wurden hinsichtlich Alter, Geschlecht und Wohnsitz abgestimmt, während die Daten von 30 Autoimmunkrankheiten vom Krankenhausentlassungsregister festgehalten wurden.

Die Wissenschaftler entdeckten, dass 8,9% der Patienten mit Essstörungen mit einer oder mehreren Autoimmunerkrankungen diagnostiziert worden waren.

„Von den Kontrollpersonen waren lediglich 5,4% betroffen“, sagte Anu Raevuori von der Helsinki Universität.

Diabetes Typ I und Morbus Crohn

Die Zunahme an endokrinologischen Krankheiten wurde von Diabetes Typ I dominiert, wohingegen Morbus Crohn die häufigste gastroenterologische Krankheit war.

Die höhere Prävalenz von Autoimmunerkrankungen unter den essgestörten Patienten wurde nicht durch endokrinologische und gastroenterologische Krankheiten ausschließlich verursacht.

Das heißt, wenn diese zwei Kategorien ausgeschlossen wurden, zeigte sich die Zunahme bei der Prävalenz sowohl vor dem Beginn der Essstörungsbehandlung als auch am Ende.

Die Autoren schlossen, dass es eine Verbindung zwischen immunvermittelten Mechanismen und der Entwicklung von Essstörungen gibt.

„Es werden weitere Studien benötigt, um das Risiko für Autoimmunerkrankungen und immunologische Mechanismen bei Personen mit Essstörungen und ihren Familienmitgliedern zu erforschen“, sagte Raevuori.

© PSYLEX.de – Quelle: Universität Helsinki / PLOS ONE, September 2014

Folgen: perinatale Probleme

27.10.2014 Essstörungen der Mutter waren mit ungünstig verlaufenden Schwangerschaften, geburtlichen und perinatalen Gesundheitsfolgen verbunden, laut einer in American Journal of Obstetrics & Gynecology veröffentlichten finnischen Studie.

Milla S. Linna und Kollegen von der Universität Helsinki untersuchten Schwangerschaft, Geburt und perinatale gesundheitliche Folgen und Komplikationen bei essgestören Frauen. Die Daten (Einzelgeburten) stammten von Frauen mit Anorexia nervosa (302 Geburten), Bulimia nervosa (724 Geburten), Binge-Eating-Störung (52 Geburten) und gesunden Frauen (6.319 Geburten).

Die Forscher stellten fest, dass Frauen mit Anorexie oder Bulimie Säuglinge mit einem niedrigeren Geburtsgewicht gebaren, während das Gegenteil bei Frauen mit Binge-Eating-Störung zutraf.

Anorexie

Bei anorektischen Frauen wurden Zusammenhänge beobachtet mit

  • Anämie,
  • langsamen fötalem Wachstum,
  • vorzeitigen Kontraktionen,
  • kurzer Dauer der ersten Phase der Geburt,
  • Frühgeburten,
  • kleinem Wuchs für Gestationsalter,
  • niedrigem Geburtsgewicht und
  • perinatalen Tod.

Bulimie

Bulimische Mütter hatten eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für

  • vorzeitige Kontraktionen,
  • Wiederbelebungsversuche der Neugeborenen und
  • einen sehr niedrigen Apgar-Score (Punkteskala, mit der sich der klinische Zustand Neugeborener standardisiert beurteilen lässt).

Binge-Eating-Störung

Frauen mit Binge-Eating-Störung zeigten positive Korrelationen (Zusammenhänge) mit

  • mütterlicher Hypertonie (Bluthochdruck),
  • langer Dauer der ersten und zweiten Geburtsphase und
  • großen (für das gestationale Alter) Säuglingen.

„Wir empfehlen, eine enge Überwachung von schwangeren Frauen mit einer gegenwärtigen oder in der Vergangenheit aufgetretenen Essstörung“, schreiben die Autoren. „Volle Aufmerksamkeit sollte den Neugeborenen dieser Mütter geschenkt werden.“

© PSYLEX.de – Quelle: American Journal of Obstetrics & Gynecology, Oktober 2014

Essstörungen in Jugend können anhaltende sozioökonomische Folgen für Frauen haben

essverhalten folgen

22.04.2015 In einer kürzlich in der Zeitschrift International Journal of Eating Disorders erschienenen Studie hatten Frauen mit Essstörungen im spätem Jugendalter wahrscheinlicher ein niedrigeres Bildungsniveau und ein geringeres persönliches Einkommen im frühen Erwachsenenalter. Sie besaßen auch weniger wahrscheinlich ein Haus. Diese Zusammenhänge zeigten sich nicht bei Männern.

Ein gestörtes Essverhalten kann manche Menschen vom Weg abkommen lassen, wodurch sie nicht mehr dieselben Chancen im Leben oder beruflichen Erfolg im Erwachsenenalter haben werden.

„Obwohl die negativen körperlichen und psychischen Folgen von Essstörungen gut dokumentiert worden sind, ist weniger über die Entwicklung von Personen mit Essstörungen im Erwachsenenalter bekannt – besonders trifft dies auf deren soziales Wohlergehen zu“, sagte Autorin Jennifer Tabler von der University of Utah.

© PSYLEX.de – Quellenangabe: University of Utah, International Journal of Eating Disorders; März 2015

Stimulation durch virtuelle Nahrung

Eine neue Studie entdeckte, dass Personen mit Essstörungen ähnliche emotionale Reaktionen haben, wenn virtuelle Nahrung überreicht wird, wie sie sie bei wirklicher Nahrung haben.

Virtuelle Nahrung löst Essstörungsstress aus

In der Untersuchung verglichen Wissenschaftler die Reaktionen von Menschen mit Anorexie und Bulimie und einer Kontrollgruppe auf virtuelle und wirkliche Snacks.

Die Forschung ist in der freien Zeitschrift von BioMed Central’s Annals of General Psychiatry veröffentlicht worden.

Der Befund, dass virtuell gezeigte Nahrung eine emotionale Reaktion verursacht, kann neue Wege für Evalutation und Therapie von Essstörungen öffnen.

Alessandra Gorini vom Istituto Auxologico Italiano, Milan, Italien arbeitete mit einem internationalen Team von Forschern zusammen, um die Wirkungen der Exposition zu wirklicher Nahrung, virtueller Nahrung und Fotos von Nahrung bei Patienten zu vergleichen, die von Essstörungen betroffen sind.

Sie sagte, obwohl unsere Daten vorläufig sind, zeigen sie, dass virtuelle Stimuli so wirksam wie wirkliche und wirksamer als statische Bilder sind beim Generieren von emotionalen Reaktionen bei Essgestörten.

Die Studie zur virtuellen Nahrung

Den 10 anorektischen, 10 bulimischen und 10 Kontrollteilnehmern (alles Frauen) wurden anfangs eine Reihe von sechs auf einen Tisch vor ihnen gestellten Nahrungsmittel mit sehr hoher Kalorienzahl gezeigt. Herzfrequenz und Hautleitungswert als auch psychologischer Stress wurden während der Exposition gemessen.

Dies wurde dann wiederholt mit einem Diavortrag derselben Nahrung und einer virtuellen Reise in einen computererzeugten Diner, wo sie mit der virtuellen Version der gleichen sechs Nahrungsmittel interagieren konnten.

Das Stressniveau der Teilnehmer war statistisch identisch, ob sie sich nun in der Realitätssimulation oder der wirklichen Exposition befanden.

Über die Ergebnisse sagte Gorini: Da reale und virtuelle Exposition ein vergleichbares Stressniveau erzeugten, höher als das der statischen Bilder, können wir schließlich sehen, wie VR verwendet werden kann, um die emotionalen Reaktionen bei den Patienten, hervorgerufen durch spezifische Stimuli, auf verschiedene psychische Störungen hin zu screenen, zu beurteilen und zu behandeln“.
Quelle: BioMed Central, Juli 2010

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