Esssucht verbunden mit impulsiver Persönlichkeit

Psychische Störungen - Gestörtes Essverhalten

29.12.2013 Menschen mit einer impulsiven Persönlichkeit haben eher eine Esssucht, laut einer neuen Studie von Forschern der Universität Georgia, USA.

Die Studie zeigt auch, dass Menschen mit einer stärkeren Ausprägung ihrer Esssucht auch eher einen höheren Body-Mass-Index (BMI) haben.

Dopaminausschüttung beim Essen

Weiterhin fand sie heraus, dass Menschen mit einem impulsiven Verhalten zwar nicht notwenig übergewichtig sind, aber ihre Impulsivität in Verbindung mit einer zwanghaften Beziehung zu Nahrung stand, und als ein Ergebnis mit einem weniger gesunden Gewicht.

Esssucht wird von einigen mit Drogensucht verglichen. Studien haben eine Verbindung aufgezeigt zwischen der Dopaminfreisetzung beim Essen von schmackhafter Nahrung und der Dopaminfreisetzung, die auftritt, wenn Menschen suchterzeugende Substanzen konsumieren.

Impulsives Verhalten beinhaltet mehrere Persönlichkeitseigenschaften. Zwei davon - bekannt als negativer Handlungsdruck und Mangel an Ausdauer - konnten während der Studie besonders stark mit Esssucht und einem hohen BMI verbunden werden.

Negativer Handlungsdruck

Negativer Handlungsdruck wird durch die Tendenz charakterisiert, sich impulsiv zu verhalten, wenn negative Emotionen erfahren werden. Dies bedeutet für einige, dass sie Alkohol oder andere Drogen zu sich nehmen. Für andere könnte es bedeuten, mehr zu essen, um sich besser zu fühlen.

Mangel an Geduld

Ungeduld oder Mangel an Ausdauer/Beharrlichkeit ist, wenn eine Person Schwierigkeiten hat, eine schwere oder langweilige Aufgabe zu beenden. Menschen mit einem Mangel an Beharrlichkeit könnten es als schwer empfinden, esssüchtiges Verhalten zu ändern oder zu stoppen, was ebenfalls Übergewicht bzw. einen adipösen BMI verursachen könnte.

Impulsivität und zwanghaftes Essen

Impulsivität könnte ein Grund sein, warum einige Menschen auf eine zwanghafte bzw. süchtige Weise essen, trotz der Motivation Gewicht abzunehmen, sagt Dr. Ashley Gearhardt - klinische Psychologin, die dabei half, die Yale Food Addiction Scale zu entwickeln.

"Einer der Schlüsselindikatoren für Sucht ist Impulsivität", sagte Gearhardt, nun Dozentin an der Universität Michigan.

"Wir nahmen an, wenn Esssucht wirklich mit drin hängt, dann sollte unser Meßinstrument [die Yale Food Addiction Skala] mit impulsivem Handeln verbunden sein."

Esssüchtige wie Drogensüchtige therapieren

Der klinische Psychologe Dr. James MacKillop, dessen Laboratorium an der Studie beteiligt war, glaubt, dass Therapien, die Drogensucht-Verhalten behandeln, auch Menschen mit Esssucht helfen könnten.

"Die meisten Programme zur Gewichtsabnahme konzentrieren sich auf die offensichtlichsten Dinge: Diät und Sport", sagte MacKillop. "Es scheint aber, dass das Erlernen von Coping-Strategien hinsichtlich des Cravings (also des Verlangen) und der akuten Begierde zu essen, den Betroffenen große Hilfe bieten könnten, mit ihrer Esssucht besser fertigzuwerden."

Quelle: Appetite/Universität Georgia, Dez. 2013

Update - Neue Studie - Erstellt am 17.05.2014

Esssucht durch Impulsivität?

Haben Sie sich selbst schon vorgenommen, nur eine Handvoll Kartoffelchips aus der Tüte nehmen zu wollen, und sich dann Minuten später dabei ertappt, alles aufgegessen zu haben?

Eine vor kurzem in Neuropsychopharmacology veröffentlichte Studie zeigt, dass diese Form impulsiven Verhaltens nicht leicht zu kontrollieren ist - und sie könnte ein Risikofaktor für die Entwicklung von Esssucht und Essstörungen sein - infolge von zellularen Aktivitäten im Belohnungszentrum des Gehirns.

Folge oder Ursache?

Frühere Forschungen haben gezeigt, dass Menschen mit Essstörungen und Adipositas impulsiver zu sein scheinen (z.B.: mit etwas 'herauszuplatzen', das sie später bedauern, gesagt zu haben; oder mit einer Aktivität zu beginnen, ohne die Folgen durchdacht zu haben). Jedoch war es unklar, ob die Impulsivität vor dem dysfunktionalen Essverhalten existierte oder sich als Folge davon entwickelte.

Forscher von der Boston University School of Medicine (BUSM) und der University of Cambridge in England versuchten diese Frage zu beantworten, indem sie die Unfähigkeit bei Versuchsmodellen (Ratten) maßen, eine impulsive Reaktion zu verweigern. Diese waren einer Ernährung mit hohem Zuckerkonsum für eine Stunde pro Tag ausgesetzt worden.

Impulsivere Versuchsteilnehmer entwickelten sehr rasch Binge-Eating, zeigten ein verstärktes Craving (Verlangen) und den Verlust der Kontrolle hinsichtlich der Junk-Diät (wurde als Unfähigkeit gemessen, die negativen Folgen richtig zu beurteilen, die mit der Aufnahme der Zuckernahrung verbunden waren).

Umgekehrt demonstrierten die weniger impulsiven Versuchstiere, die Fähigkeit, angemessen das impulsive Verhalten kontrollieren zu können, und sie zeigten kein anormales Essverhalten, wenn sie der süßlichen Kost ausgesetzt waren.

Biologische Mechanismen

Interessanterweise zeigten die impulsiven Tiere eine erhöhte Expression von Delta-FosB im Nucleus accumbens (ein Bereich des Gehirns, der an Belohnungsempfinden und impulsivem Verhalten beteiligt ist), was einen potentiellen biologischen Zusammenhang bei diesem Essverhalten anzeigt.

"Während Impulsivität unsere Vorfahren bei Nahrungsknappheit unterstützt haben könnte, kalorienreiche Nahrung auszuwählen, schlagen unsere Studienergebnisse vor, dass in unserer heutigen kalorienreichen Umgebung, die Impulsivität eine pathologische Überernährung fördert", sagte Pietro Cottone von der BUSM.

"Unsere Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass es ähnliche Mechanismen gibt, die sowohl bei Drogensucht als auch Esssucht involviert sind", sagte Clara Velazquez-Sanchez, leitende Autorin der Studie.

Quelle: Boston University School of Medicine (BUSM), University of Cambridge, Mai 2014

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