Skin-Picking-Störung, Dermatillomanie

Impulskontrollverlust-Störungen

Skin-Picking-Disorder oder Dermatillomanie (oder auch Exkoriationsstörung, Skin-Picking-Störung) ist eine Impulskontrollverlust-Störung bzw. Zwangsstörung (die Definition bzw. Klassifikation ist da derzeit nicht eindeutig - ICD-10 und DSM-IV: Impulskontrollverlust-Störung; DSM-V: der Zwangsstörung verwandte Störungen), bei der der Betroffene sich zwanghaft puhlend, zupfend, kratzend, quetschend mit der eigenen Haut beschäftigt.

Langeweile und Frustration können Skin-Picking und anderes Zwangsverhalten auslösen

25.03.2015 Personen, die leicht gelangweilt, frustriert oder ungeduldig werden, neigen eher dazu, Skin-Picking und anderes auf den eigenen Körper gerichtetes und sich wiederholendes Verhalten zu entwickeln.

Distress aber auch Befriedigung

"Chronisches Haareziehen, Skin-Picking-Störung (auch Dermatillomanie genannt), Nägelkauen und verschiedene andere Verhaltensweisen sind als körperfokusiertes, sich wiederholendes Zwangsverhalten bekannt. Obwohl dieses Verhalten schweren Distress (grosse Leiden) hervorrufen, scheint es auch einen Trieb zu befriedigen und eine Form von Belohnung zu bieten", sagt Forscher Kieron O'Connor von dem Institut universitaire en santé mentale de Montréal und der University of Montreal. Chronisches Haareziehen bzw. Haarausreissen ist auch bekannt als Trichotillomanie.

Perfektionismus

"Wir glauben, dass Menschen mit diesen wiederholenden Verhaltensweisen wahrscheinlich sehr perfektionistisch sind (s. auch Perfektionismus). Damit meinen wir, dass sie unfähig sind, zu entspannen und Aufgaben mit einem 'normalen' Tempo zu erledigen."

"Sie sind deshalb für Frustration, Ungeduld und Unzufriedenheit anfällig, wenn sie ihre Ziele nicht erreichen. Sie erleben auch ein höheres Niveau an Langeweile."

O'Connor und seine Kollegen kamen zu diesen Schlüssen durch die Arbeit mit 48 Studienteilnehmern. Die Hälfte litt unter diesem Zwangsverhalten (bzw. Impulskontrollverlust), die andere Hälfte nicht (Kontrollteilnehmer).

Stress, Entspannung, Frustration und Langeweile

Die Teilnehmer wurden auf ihre Emotionen Langeweile, Ärger, Schuldgefühle, Reizbarkeit und Angst beurteilt und vier experimentellen Situationen individuell ausgesetzt. Jede sollte eine andere Emotion provozieren: Stress, Entspannung, Frustration und Langeweile.

Die ersten beiden wurden durch Videos (Flugzeugabsturz und Wellen am Strand) hervorgerufen; Frustration durch eine angeblich leichte Aufgabe, die sich als sehr schwer herausstellte und Langeweile, indem der Teilnehmer für sechs Minuten in einem Zimmer allein gelassen wurde.

Starker Drang

Personen mit Skin-Picking-Störung oder mit einem anderen sich wiederholenden, körperfokussierten Verhalten berichteten, dass ein starker Drang sie sich mit diesem Verhalten in den Phasen der Langeweile und Frustration (aber nicht in der Entspannungssituation) beschäftigen ließ.

"Diese Ergebnisse unterstützen unsere Hypothese teilweise darin, dass Teilnehmer sich eher mit diesem Zwangsverhalten beschäftigen, wenn sie sich langweilen, frustriert sind und sich unzufrieden fühlten, als wenn sie sich entspannten. Auch zeigten sie dieses Verhalten insbesondere, wenn sie unter Stress standen.

Das bedeutet: Dies ist nicht einfach nur ein Ausdruck 'nervösen' Verhaltens bzw. von Gewohnheiten, sagte Autorin Sarah Roberts im Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Montreal, Journal of Behavior Therapy and Experimental Psychiatry; März 2015

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