Pathologisches Spielen, Spielsucht, Wettsucht

Psychische Störungen: Impulskontrollverluststörungen

Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick (Definition, Statistik, Symptome, Diagnose) über Pathologisches Glücksspiel / Spielen - Spielsucht; ICD-Code: 312.31 (F63.0).

Was ist pathologisches Glücksspiel - Definition

Definition: Pathologisches Spielen - Spielsucht ist eine Impulskontrollverlust-Störung und kann, da der Betroffene immer wieder um immer höhere Geldbeträge spielt, Familien in den finanziellen Ruin treiben. Ein Spieler hat auch nach hohen Verlusten den Drang zum Weiterspielen, um den Verlust wieder wettzumachen. Aber auch bei einem Gewinn spielt er weiter, um diesen noch zu erhöhen, solange seine Glückssträhne anhält.
Wenn er kein Geld mehr hat, macht er Schulden, da er der festen Überzeugung ist, irgendwann die Verluste ausgleichen zu können, und kann dadurch auch in die Hände von Kredithaien kommen.

Statistik Spielsucht

Es gibt mindestens 30 000 Menschen in Deutschland, die an pathologischer Spielsucht leiden (gemessen an schwerwiegenden Folgen wie: Trennung vom Partner, Suizidversuche, finanzieller Ruin, Verurteilung wegen Diebstahl oder Betrug). Die Dunkelziffer derer, die an Spielsucht leiden ist höher. Die häufigsten Glückspielarten: Geldspielautomaten, Casinospiele (z.B. Roulette), Kartenspiele, Würfelspiele (z.B. Black Jack, Poker, 17 und 4), Pferdewetten, Börsenspiele.

Pathologisches Glücksspiel, Symptome - Diagnose

Nach dem DSM IV:

Warum Spielen zur Sucht werden kann: ein verändertes Belohnungssystem

27.10.2014 Anscheinend reagiert das natürliche Opioid-System im Gehirn von pathologischen Spielern anders, was erklären könnte, warum Spielen zu einer Sucht werden kann, berichteten Forscher auf dem Kongress des European College of Neuropsychopharmacology in Berlin.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher 14 pathologische Spieler und 15 gesunde Freiwillige mit Positronenemissionstomographie (PET) - einem bildgebenden Verfahren, um das Niveau der Opioid-Rezeptoren im Gehirn zu messen.

Opioid-Rezeptoren

Diese Rezeptoren erlauben die Zell-zu-Zell-Kommunikation; sie sind wie ein Schloss, wobei der Neurotransmitter oder eine Chemikalie (wie endogene Opioide - Endorphine genannt) wie ein Schlüssel agiert, erklären die Forscher.

Die Forscher fanden keine Unterschiede der Rezeptorzahl zwischen krankhaften Spielern und Nicht-Spielern.

Dies ist anders als bei Alkoholikern, Heroin- oder Kokainabhängigen, bei denen es zu einem Anstieg der Opioid-Rezeptoren kommt, laut den Forschern aus London and Cambridge.

Weniger Endorphine und weniger Euphorie

Den freiwilligen Probanden wurde dann eine Endorphin freisetzende Amphetamintablette verabreicht. Endorphine sind natürliche Opiate. Die PET wurde dann wiederholt. Der Scan zeigte, dass die Körper der pathologischen Spieler weniger Endorphine als die der Nicht-Spieler freisetzten, berichteten die Wissenschaftler. Die Spieler berichteten auch über weniger Euphorie beim Endorphinschub als die gesunden Freiwilligen.

Synapse und Rezeptoren
Synaptischer Spalt (Symbolbild)

"Von unserer Arbeit können wir zwei Dinge lernen", sagte die leitende Forscherin Dr. Inge Mick.

  1. Erstens: Das Gehirn von Spielsüchtigen reagiert anders auf diese Stimulation als das Gehirn von gesunden Freiwilligen.
  2. Und zweitens: Krankhafte Spieler scheinen nicht dasselbe euphorische Gefühl (Kick) wie gesunde Freiwillige zu bekommen. Dies könnte erklären, warum Spielen zur Sucht werden kann.

"Aufgrund unserer vorherigen Arbeit mit anderen Süchten (wie Alkoholismus), erwarteten wir, dass Spielsüchtige eine erhöhte Anzahl an Opium-Rezeptoren hätten, was unsere Studie aber nicht bestätigen konnte. Wir fanden aber die erwartete abgestumpfte Veranderung bei den endogenen Opioiden bei der Amphetamingabe", sagte sie.

"Diese Befunde weisen auf die Beteiligung des Opioid-Systems bei pathologischem Spiel, und dass sich diese Sucht von anderen Abhängigkeiten nach Substanzen wie z.B. Alkohol, zu unterscheiden scheint. Wir hoffen, dass uns dies auf lange Sicht dabei helfen kann, neue Ansätze zur Behandlung von Spielsucht zu entwickeln."

© PSYLEX.de - Quelle: European College of Neuropsychopharmacology, Oktober 2014

Spielsucht mit Zwangsverhalten verbunden

09.03.2015 Eine neue Studie zeigt, dass pathologisches Spielen und Zwangsverhalten (also Zwangsstörungen) sowohl genetisch als auch verhaltensgebunden eine gemeinsame Basis haben.

Obwohl seit langem physiologische Zusammenhänge und Verhaltensähnlichkeiten zwischen Spielsucht und Drogenmissbrauch bekannt sind, ist der Zusammenhang zwischen pathologischem Spiel und Zwangsneurosen erst vor kurzem festgestellt worden.

Forscher der Universitäten Yale und Saint Louis nehmen an, dass die neuen Befunde helfen könnten, nicht nur effektive Behandlungen zu entwickeln, sondern auch um Biomarker zu identifizieren, die den Erkrankungen zugrundeliegen.

Die Studie hat herausgefunden, dass Personen mit schwerer Zwangsstörung - oder jene, die spezifische Formen dieses Verhaltens zeigen: wie Angst vor Bazillen oder ein gesteigerter Wunsch nach Ordnung - auch mit höherer Wahrscheinlichkeit den diagnostischen Kriterien für pathologisches Spielen entsprechen.

Biologische, genetische Grundlage

Spiel
Bild: Joachim Kirchner (pixabay)

"Diese Überlappung zwischen Spielsucht und Zwangsstörungen erscheint genetischer Natur zu sein", sagte Studienautor Dr. Marc Potenza in der Zeitschrift JAMA Psychiatry.

"Diese weitverbreitete biologische Basis der Störungen könnte die Entwicklung von Behandlungsformen für Personen mit koauftretenden Spielproblemen und zwanghaftem Verhalten lenken."

Potenza, Gründer und Direktor der Klinik für pathologisches Spielen in Yale sagte, dass sich die Psychiatrie seit langem damit quält zu bestimmen, wie zwanghaftes Spielen klassifiziert werden sollte.

Klassifikation

In den älteren diagnostischen Richtlinien für Ärzte wird pathologisches Spielen als eine Impulskontrollverlust-Störung klassifiziert, aber in gegenwärtigen Klassifikationssystemen wird die Spielsucht als Abhängigkeit/Sucht eingeordnet.

"Ich denke, dass der gegenwärtige Beleg in Verbindung mit bereits publizierten Daten nahelegt, dass zwanghaftes Spielen Ähnlichkeiten mit beiden teilt: der Sucht/Abhängigkeit und dem zwanghaften Verhalten", sagte Potenza.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Yale, Universität Saint Louis, JAMA Psychiatry; März 2015

Spielsüchtige sind mit hoher Wahrscheinlichkeit auch depressiv

01.06.2015 Zwanghafte und gewohnheitsmäßige Spieler haben mit einer extrem hohen Wahrscheinlichkeit auch eine Depression laut einer im Journal of Gambling Studies veröffentlichten Studie.

Eine von Frédéric Dussault von der Université du Québec in Montreal durchgeführte Studie zeigte, dass 73 Prozent der Männer mit Spielproblemen unter Depressivität litten.

Für die Studie erfassten und analysierten die Forscher Daten von beinahe 1.162 Jungen aus Kindergärten in wirtschaftlich benachteiligten Gebieten in Montreal. Im Laufe der Jahre wurden Informationen über den sozialen / familiären Hintergrund gesammelt, in dem die Jungen aufwuchsen. Auch wurden Impulsivität und die Beziehungsqualität zu ihren Eltern und Freunden erfasst. Die gegenwärtige Studie enthält Daten von 888 Teilnehmern, die auch im Alter von 17, 23 und 28 Jahren zu Spielproblemen und Depressivität befragt wurden.

gluecksspiel würfel
Bild: Michael Schwarzenberger

Depressive Störungen

Von den an der Studie teilnehmenden jungen Männern hatten nur 3 Prozent chronische Spielprobleme im Alter zwischen 17 und 28. Dies entspricht in etwa der Prävalenz von Spielsucht unter Erwachsenen (1-3%).

Doch die meisten dieser spielsüchtigen jungen Männer (73 Prozent) litten auch unter depressiven Problemen. Diese Probleme entwickeln sich zusammen und werden im Laufe der Zeit noch schwerwiegender.

Dieser Befund unterstützt die Annahme, dass "reine" Spieler ohne damit verbundene psychische Probleme eher eine Ausnahme statt die Regel sind, zumindest während des späten Jugend- bis frühen Erwachsenenalters. Die Wahrscheinlichkeit ist auch sehr viel höher, dass sehr impulsive Jungen zunehmend depressiv werden und ein problematisches Spielproblem haben laut der Studie.

Entwicklung

Das problematische Spielverhalten nimmt auch nicht unbedingt mit der Zeit ab, wenn die jungen Männer auf die 28 Jahre zugehen. Nach Dussault kann dies davon abhängen, dass Glücksspiel, im Gegensatz zu delinquenten Verhaltensweisen wie Gewalt oder Diebstahl, legal ist, wenn man das Erwachsenenalter erreicht hat.

Auch der Einfluss der Freunde, die andere zu Straftaten verleiten, verringert sich häufig, wenn die jungen Menschen älter werden.
"Pathologisches Spielen ist eher ein persönliches Problem - ähnlich einer Sucht: einmal davon erfasst, ist es schwierig, wieder davon loszukommen", sagte Dussault.

Auf der Grundlage dieser Befunde schlägt Dussault vor, dass Spielsucht zusammen mit Depression behandelt werden sollte.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Université du Québec, Journal of Gambling Studies; Juni 2015

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