Psychische Störungen, Krankheiten, Erkrankungen:
Krebs

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Psychische Erkrankungen verbunden mit Krebs und Verletzungsrisiko

Menschen mit schweren psychischen Krankheiten, wie Schizophrenie und bipolare Störung, haben ein 2,6-mal höheres Risiko für die Entwicklung von Krebs laut einer neuen Studie.

Die Befunde bringen Fragen darüber hervor, ob Menschen mit schwerwiegenden psychischen Störungen die adäquate Krebsvorsorge erhalten, um ihnen zu helfen, Krebsrisikofaktoren wie Rauchen zu vermeiden, sagten die Forscher.

"Das gesteigerte Risiko ist definitiv da, aber wir sind nicht ganz sicher warum", sagt Studienleiterin Dr. Gail Daumit, außerordentliche Professorin für Medizin und Psychiatrie der medizinischen Fakultät an der Johns Hopkins Universität in einer Pressemitteilung. "Werden diese Leute ausreichend untersucht? Werden sie behandelt?"

Die Studie

Die Forscher analysierten Daten von mehr als 3.300 Maryland-Medicaid-Nutznießern mit Schizophrenie und bipolarer Störung, um zu bestimmen, wie viele mit Krebs zwischen 1994 und 2004 diagnostiziert wurden.

Verglichen mit Menschen in der allgemeinen Bevölkerung entwickelten Schizophrenie-Patienten mehr als 4,5 mal wahrscheinlicher Lungenkrebs, 3,5-mal wahrscheinlicher Darmkrebs, und fast dreimal wahrscheinlicher Brustkrebs, sagten die Forscher.

Patienten mit bipolarer Störung hatten ein ebenso hohes Risiko für die drei Krebs-Arten laut Juli-Ausgabe der Zeitschrift Psychiatric Services.

Erklärungsversuche

Personen mit psychischen Krankheiten rauchen mit höherer Wahrscheinlichkeit, was ihr Risiko für Lungenkrebs erklären könnte, sagte Daumit.

Sie bemerkte auch, dass Frauen mit Schizophrenie und bipolarer Störung weniger wahrscheinlich Kinder haben, und dass angenommen wird, dass Gebären das Brustkrebsrisiko reduziert. Außerdem können einige Psychopharmaka, die verwendet werden, um psychische Krankheiten zu behandeln, das Niveau des Hormons Prolaktin steigern; dieses wird mit Brustkrebs in Zusammenhang gebracht.

Das gesteigerte Risiko für Darm-Krebs könnte durch Lebensstil-Faktoren wie Rauchen, Bewegungsmangel und eine Kost mit wenig Früchten und Gemüse verursacht werden, sagte Daumit.

Während die Studie eine Verbindung zwischen psychischer Erkrankung und Krebsrisiko aufdeckt, belegt sie aber nicht, ob das eine das andere verursacht.

Verletzungsrisiko

In einer separat letzten Monat herausgegebenen Studie, stellte Daumit fest, dass Menschen mit ernsten psychischen Krankheiten fast zweimal so wahrscheinlich Notfall- oder stationäre Behandlungen in Bezug auf Verletzungen in Anspruch nehmen wie die allgemeine Bevölkerung und etwa 4,5-mal wahrscheinlicher an ihren Verletzungen stirbt.

Die Studie wurde online in der Zeitschrift Injury Prevention herausgegeben.

Etwa 5 Prozent der Bevölkerung hat eine schwere Form von psychischer Krankheit, und diese Menschen haben ein zwei- bis dreimal höheres Risiko vorzeitig zu sterben, bemerkte Daumit.
Quelle: Injury Prevention. August 2012

Psychische Störungen bei Krebspatienten

14.10.2014 Ergebnisse einer großen Studie mehrerer Krebs-Zentren in Deutschland zeigen, dass knapp 32% der Menschen mit Krebs ein klinisch relevantes psychisches Problem, wie eine Angst-, depressive und/oder Anpassungsstörung durchmachen.

Krebs und Psyche
Bild: PDPics (pixabay)

Die Wissenschaftler mehrerer deutscher Universitäten haben 5.889 Krebspatienten (4.020 im Alter zwischen 18 und 75 Jahren antworteten) nach ihren psychischen Problemen in den vier Wochen vor dem Interview befragt.

Da die psychische Gesundheit bei der Genesung eine wichtige Rolle spielt, ist es umso wichtiger, dass die Patienten auch psychologische Hilfe erhalten, wenn sie sie benötigen. Und laut der Studie benötigt fast jeder dritte Krebspatient psychologische Betreuung (31,8%).

Die Befunde:

Häufigkeit psychischer Erkrankungen bei den Krebspatienten

Die psychischen Störungen bzw. Erkrankungen in ihrer Auftretenshäufigkeit:

Häufigkeiten bezogen auf die Art der Krebserkrankung

Die höchste Prävalenz für psychische Störungen wurde bei Patienten mit

Die Ergebnisse zeigen, wie häufig psychische Probleme / Störungen bei Krebspatienten auftreten können. Sie betonen auch die Wichtigkeit, dass Angehörige der Gesundheitsberufe und Patienten über die spezifischen Verbindungen zwischen den Krebsarten und der psychischen Verfassung informiert werden. Die Befunde weisen auf den hohen Bedarf nach psychoonkologischen Interventionen, schreiben die Forscher im Journal of Clinical Oncology.

© PSYLEX.de - Quelle: Journal of Clinical Oncology, Oktober 2014

Häufigkeit, Prävalenz

26.09.2016 Eine in Psychotherapy and Psychosomatics veröffentlichte Studie deutscher Universitäten und Kliniken untersuchte die Häufigkeiten von psychischen Erkrankungen bei Patienten mit Diagnose Krebs.

Psychische Probleme sind bei Krebs üblich. Um die psychoonkologischen Interventionen und Dienste auf die besonderen Bedürfnisse von Patienten mit verschiedenen Krebserkrankungen anzupassen, ist es notwendig zu wissen, inwieweit psychologische Probleme den Kriterien von psychischen Erkrankungen entsprechen.


Bild: George Hodan

Der Zweck dieser Studie war die 12-monatigen und Lebenszeit-Prävalenz-Raten psychischer Störungen bei Krebs-Patienten zu bewerten. Eine repräsentative Stichprobe von Patienten mit verschiedenen Krebsformen und Stadien (n = 2.141) im ambulanten, stationären und im Rehabilitationsbereich wurde über das Composite International Diagnostic Interview für mentale Störungen angepasst an Krebspatienten (CIDI-O) befragt.

12-monatige Prävalenz

Die Ergebnisse zeigen, dass die gesamte 12-monatige Prävalenz für jedwede psychische Störung 39,4 % betrug.

Im Einzelnen betrugen die 12-monatigen Häufigkeiten:

Lebenszeit-Prävalenz

Die lebenslange Prävalenz oder Lebenszeitprävalenz für alle psychischen Erkrankungen zusammen betrug 56,3 %.

Im Einzelnen:

Die Studienautoren schließen, dass mentale Störungen bei Krebspatienten sehr oft auftreten, was auf die Notwendigkeit einer kontinuierlichen psychoonkologischen Unterstützung bei stationär und ambulant behandelten Patienten weist. (Weitere Studie zu den Häufigkeiten)

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Psychotherapy and Psychosomatics - DOI: 10.1159/000446991; Sept. 2016

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