Flagellomanie

Psychologie-Lexikon - Manien

Definition

Definition: Eine Flagellomanie bezeichnet die krankhafte Obsession zu schlagen oder geschlagen zu werden. Der Begriff kommt aus dem Lateinischem: flagellum Geißel. Dieser Trieb wird bei den Flagellomanikern zur geschlechtlichen Erregung bzw Triebbefriedigung ausgeübt. Passiver Flagellantismus im Masochismus, aktiver Flagellantismus beim Sadismus.

Meyers Großes Konversations-Lexikon, 1906: Flagellomanie (Flagellantismus), die Sucht, den Geschlechtsgenuß durch Austeilung oder Erduldung von Schlägen zu steigern, wohl gar zu ersetzen. Sie findet sich bereits im Altertum und trat im Mittelalter und bis in die Neuzeit in ständiger Verbindung mit religiösen Gebräuchen, wie den Geißelfahrten (s. Flagellanten), der >Disziplin« der Mönche und Nonnen etc. auf, indem sich dem mystischen Element das physisch-sinnliche zugesellte.

Seit dem 17. Jahrh. war sie besonders in England, dem klassischen Lande der Flagellomanie, verbreitet und findet in der neuesten Zeit auch in Frankreich und Deutschland (z. T. verkappt unter dem Namen Massage) immer mehr Anhänger.

Die Wurzeln der Flagellomanie berühren sehr verschiedene Gebiete. Der Schmerz als ein Element des Genusses, die merkwürdigen Beziehungen zwischen religiösen und sexuellen Gefühlen, ästhetischer Genuß (Venus Kallipygos), Erzeugung raschern Kreislaufes des Blutes, reflektorische Erregung der Genitalsphäre (Flagellomanie als Heilmittel bei Schwäche, Unfruchtbarkeit), vor allem auch sadistische und masochistische Veranlagungen wirken mit zur Erklärung der Flagellomanie.

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