Persönlichkeitsstörung

Psychische Störungen - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Psychische Erkrankungen: Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick zu den Persönlichkeitsstörungen. Diese Infos sollen die verschiedenen Krankheitsbilder besser verständlich machen. Infos zur Psychologie der Persönlichkeit sind unter Persönlichkeitspsychologie zu finden.

Was ist eine Persönlichkeitsstörung? - Definition

Definition

Persönlichkeitsstörungen (PS) sind psychische Störungen, die durch eine spezifische Kombination andauernder pathologischer dysfunktionaler Wahrnehmens-, Beziehungs- und Denkmuster sich auszeichnen, wobei diese unflexibel, unangepaßt, situativ generalisiert sind und wesentlich die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen oder/und subjektive Leiden verursachen.

Jeder Mensch hat bestimmte Eigenschaften und verhält sich in bestimmten Situationen auch in einer ganz bestimmten Art und Weise. Der eine ist eher zurückhaltend, meidet neue, unbekannte Situationen, geht nicht gerne aus, hat Hobbys, die man alleine betreiben kann und für die man nicht aus dem Haus gehen muss. Der andere liebt Partys, bleibt bis zum Morgengrauen, genießt es, im Mittelpunkt zu stehen, unterstreicht das noch mit auffälliger Kleidung und kann nicht lange alleine sein.

Das ist weder ungewöhnlich noch krankhaft oder behandlungsbedürftig (aber es ist möglich, dass es "überschwappt" / behandlungsbedürftig wird).

Anders sieht die Sache aus, wenn der Betroffene gerne anders handeln würde, dies aber nicht mehr kann, oder wenn andere Personen unter diesem Verhalten leiden.

Menschen mit einer PS sind nicht prinzipiell anders als andere Menschen. Ganz normale Eigenschaften sind bei ihnen lediglich so überspitzt und starr, dass daraus Leiden entsteht. Leiden bei ihnen oder bei ihnen nahestehenden Personen.

Kriterium für die Diagnose

Das ist auch das Kriterium für die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen: diese rigiden Persönlichkeitseigenschaften führen zu einem deutlichen Leiden für den Betroffenen oder für andere Personen, meist verbunden mit deutlichen Einbußen an beruflicher oder sozialer Leistungsfähigkeit. Außerdem muss das unpassende Verhalten über einen längeren Zeitraum auftreten und nicht nur auf kurze Phasen beschränkt sein, sowie in vielen verschiedenen Situationen gleichermaßen auftreten.

Unterteilung

Die einzelnen spezifischen PS werden folgendermaßen untergliedert, wobei sie sich teilweise überlappen:

Ursachen

Anlage- und Umweltfaktoren

Als Ursache für das Entstehen einer Persönlichkeitsstörung wird eine Wechselwirkung aus Anlage- und Umweltfaktoren angenommen. Ein bestimmtes angeborenes Temperament kann in der einen sozialen Umgebung vorteilhaft sein, während es in einer anderen Umgebung eher Probleme bereitet. In einer Familie, die im öffentlichen Licht steht, wird ein schüchternes, zurückhaltendes Kind eher negative Erfahrungen sammeln.

Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten, hohe Erwartungen der Eltern und Kritik ziehen zusätzliche negative Lernerfahrungen mit sich. Die Vermeidung von öffentlichen Situationen und damit auch von Kritik führt zur momentanen Entlastung, wodurch ein solches Vermeidungsverhalten verstärkt wird und gegenteilige positive Lernerfahrungen fehlen.

Ein temperamentvolles Mädchen wird in einer kleinen Zweizimmerwohnung in der Großstadt negativ auffallen, da es seinen Bewegungsdrang nicht ausleben kann. Das gleiche Kind würde aber auf einem Bauernhof inmitten von lauter lebhaften Brüdern für seine Eigenschaften eher bewundert werden und somit positive Bestätigung finden.

Annahme eines genetischen Faktor

Bei der dissozialen Persönlichkeitsstörung wird zum Beispiel angenommen, dass es einen genetischen Faktor gibt, da diese Störung gehäuft vorkommt, wenn der leibliche Vater kriminell ist (nicht aber, wenn der Adoptivvater kriminell ist). Angeborene, als negativ eingeschätzte Eigenschaften wie Aggressivität und Impulsivität werden durch eine problematische Umwelt mit Arbeitslosigkeit, Trennung der Eltern, Armut, inkosistentem Erziehungsstil, zu durchlässigen Grenzen und mangelnder Aufsicht verstärkt (Risikofaktoren; zu unterteilen in prädisponierende, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren).

Schutzfaktoren

Andererseits gibt es auch sogenannte Schutzfaktoren wie positive Beziehungen zu einem Elternteil oder zu anderen Verwandten, durchgehende Betreuungsmöglichkeiten, ein unterstützendes soziales Netzwerk, konsequenter und liebevoller Erziehungsstil. Bei Vorhandensein können sie die Entwicklung einer Persönlichkeitsstörung verhindern bzw. die Problematik abschwächen.

Verlauf

Psychische Erkrankungen: Auf dieser Seite finden Sie Infos dazu, wie Persönlichkeitsstörungen verlaufen und mit welchen psychischen Störungen sie oft auftreten.

Zum Verlauf gibt es nur wenige Studien. Im Allgemeinen wird von einer Besserung der Symptomatik in höherem Alter ausgegangen.

In Phasen größerer psychischer Belastung finden sich gehäuft problematische Verhaltensweisen.

Während einer Therapie kann ein solches Problemverhalten sowie die Auslöser dazu erkannt und bessere Bewältigungsmöglichkeiten gefunden werden. Folgeprobleme wie Arbeitslosigkeit, Armut, Beziehungsabbrüche und Suchtverhalten können somit verhindert oder wenigstens abgeschwächt werden.

Komorbidität

Bei Menschen mit Persönlichkeitsstörungen kommen gehäuft weitere Störungen hinzu: vor allem Angststörungen (siehe auch Angststörungen), Depressionen, Alkohol- und Substanzmissbrauch, körperliche Beschwerden.

Oft wird aus diesen Gründen ein Therapeut aufgesucht und das Vorhandensein einer PS erst später erkannt.

Fehldiagnose: Persönlichkeitsstörung statt PTBS

Armee fehldiagnostiziert Hunderte mit Persönlichkeitsstörungen

Ein neuer Associated Press Artikel meldet, dass die US-Armee Hunderte Soldaten mit einer Persönlichkeitsstörung statt mit posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) fehldiagnostiziert haben könnte.

Soldaten, die eine Diagnose einer Persönlichkeitsstörung bekommen, müssen oft damit rechnen, entlassen zu werden, und sie stellen dann fest, dass ihr Zugang zu Militär- und Krankenversicherungsleistungen zur gleichen Zeit beschnitten wird. Beinahe 1.000 Soldaten pro Jahr wurden in den USA zwischen 2005 und 2007 deswegen entlassen, weil sie eine Persönlichkeitsstörung hatten.

PTBS würde mehr Kosten verursachen

Soldaten, die eine Diagnose mit posttraumatischer Belastungsstörung erhalten, erhalten auch eine Behandlung, während sie immer noch Teil der Armee sind, und immer noch alle Militär- und alle Krankenversicherungsleistungen eines aktiven Dienstsoldaten empfangen können.

Anwälte der Veteranen sagen, dass diese Praxis, obwohl angeblich von der Armee gestoppt seit es an die Öffentlichkeit kam, immer noch auftritt. Hunderte Soldaten erhalten immer noch Persönlichkeitsstörung-Diagnosen, die ihren Zugang zu erforderlicher Gesundheitsbetreuung und Behandlung beschneiden laut den Anwälten.

"Wir haben wirklich eine Verpflichtung, dies zu stoppen und uns zu vergewissern, dass Truppen nicht fehldiagnostiziert werden", sagte Dr. Barbara Van Dahlen der Associated Press. Dr. Van Dahlen ist klinische Psychologin, deren gemeinnützige "Give an Hour", Truppenteile mit freiwilligen psychologischen Profis zusammenbringt.

Armee leugnet weitere Fehldiagnosen

Es ist nicht klar, was Associated Press veranlasste, eine neue Geschichte über dieses Thema herauszugeben, da sie keinen neuen Bericht oder Daten im Artikel anführten. Armee-Offizielle leugnen, dass es weitere Fälle von Fehldiagnosen von PTBS gibt, oder dass die Rate der Diagnosen von Persönlichkeitsstörung sich geändert haben, seit diese Praxis zuerst ans Licht kam und im Jahr 2008 beendet wurde.

Bevor ein Soldat in den Streitkräften akzeptiert wird, werden sie routinemäßig ärztlich untersucht und es wird die psychische Verfassung überprüft und untersucht, um sicherzustellen, dass sie fit genug sind, um Soldaten zu werden.

Manchmal jedoch entdeckt die Armee offenbar, dass einige Personen vorher vorhandene Persönlichkeitsstörungen hatten, die erst nach einer Rückkehr von aktiven Kampfoperationen offensichtlich werden, laut Associated Press Artikel.

Jedoch, außer einer einzelnen Geschichte über einen Soldaten, der diese Behandlung erfuhr, gab es keine andere Quelle oder Daten, die von Associated Press im Artikel zur Verfügung gestellt wurde, und die die Behauptungen des Reporters erhärteten.

Diese Geschichte kam zuerst ans Licht im April 2010 durch den investigativen Artikel 'The Nation called Disposable Soldiers'.

Quelle: Associated Press, August 2010

Langfristige Auswirkungen auf psychische Verfassung und soziale Beziehungen

06.07.2016 Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung (PS) haben dauerhafte Beziehungsprobleme. Die Erkrankung ist eine der häufigsten bei den psychischen Störungen und betrifft etwa 5% der Menschen im Vereinigten Königreich (in Deutschland sind es 5-10%) und bis zu 40 Prozent der erwachsenen Patienten mit einer psychischen Erkrankung (Deutschland etwa 50%).

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Bild: Gerd Altmann

Der grösste Teil der Forschung im Feld hat in klinischen Settings stattgefunden, und wenig ist bekannt über die gesundheitlichen Auswirkungen der PS in der allgemeinen Bevölkerung.

Langzeitstudie über Krankheitsbelastungen

Eine im Fachblatt The Lancet Psychiatry herausgegebene Studie der Universitäten Bristol und Melbourne untersuchte die mit PS verbundenen Krankheitsbelastungen.

Studienautor Dr. Paul Moran und Kollegen haben die Daten einer australischen Probe benutzt, bei der Gesundheits- und soziale Daten von Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung 11 Jahre, nachdem sie ursprünglich wegen Persönlichkeitsproblemen oder einer PS erfasst wurden, ausgewertet wurden.

Soziale Probleme, Substanz-Missbrauch, schlechte psychische Verfassung

Im Alter von 24 Jahren war die PS bereits mit sozialen Benachteiligungen, Substanz-Missbrauch und einer schlechten psychischen Verfassung verbunden.

Elf Jahre später war die Präsenz einer Persönlichkeitspathologie mit Angststörungen und Depression, sowie der Abwesenheit von langfristigen Beziehungen verbunden, sagte Moran. Am bemerkenswertesten ist, sagte er, diese Verbindungen kamen nicht durch präexistierende psychische Gesundheitsprobleme, Substanzmissbrauch oder soziale Probleme zustande.

Anfällig für Begleiterkrankungen

Menschen mit PS scheinen eine ausgesprochen anfällige Gruppe für zukünftige psychische und Beziehungsprobleme zu sein, sagte er. Es gibt keinen Zweifel, dass zukünftige Anstrengungen zur Erfassung der Populationsgesundheit erfolgreicher sein könnten, wenn sie die Persönlichkeitspathologie in Betracht zögen.

Außerdem gibt es ein dringendes Bedürfnis nach früheren Interventionen, sowie für innovative Strategien, die sich an die substanziellen Krankheitsbelastungen richten, die von Menschen mit einer Persönlichkeitsstörung erfahren werden, schloss er.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Bristol, The Lancet Psychiatry - DOI: 10.1016/S2215-0366(16)30029-3; Juli 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

re: Fehldiagnosen

02.08.2015 Kommentar von Christian Alexander T.:

Persönlichkeitsstörungen sind denke ich so Diagnosen, die eher zur Erklärung von Fehlverhalten als zur Behandlung der Betroffenen gestellt werden.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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