Psychopathie

Psychische Störungen - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zur antisozialen Persönlichkeitsstörung Psychopathie.

Definition

Unter einer Psychopathie versteht man in der forensischen Psychologie und Psychiatrie eine besonders schwere Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung. Besonders kennzeichnet einen Psychopathen, dass ihm weitesgehend oder sogar gänzlich die Fähigkeit zur Empathie abgeht. Ebenso kann er keine soziale Verantwortung übernehmen und ein Gewissen fehlt ihm auch.

Psychopathie ist eine schwere Persönlichkeitsstörung. Die Betroffenen haben wenig oder kein Vermögen empathisch, sozial verantwortlich und moralisch gewissenhaft zu handeln. Psychopathie wird zu den antisozialen/dissozialen Persönlichkeitsstörungen gezählt, übertrifft diese im Ausmaß jedoch noch.

Symptome / Zeichen

Nach Robert Hare zeigen sich einige Zeichen / Punkte bei vielen Psychopathen immer wieder, wobei sie in zwei Dimensionen (nach der Psychopathie-Checkliste) eingeordnet werden können.

Ausnutzendes Verhalten

Impulsives Verhalten

Hinzu kommen folgende Anzeichen:

Nachtschwärmer sind eher Psychopathen

Menschen, die lange nachts aufbleiben, haben wahrscheinlich eher antisoziale Persönlichkeitseigenschaften wie Narzissmus, Machiavellismus und psychopathische Tendenzen, nach einer Studie der University of Western Sydney.

Dunkle Triade

Dr. Peter Jonason von der UWS School of Social Sciences and Psychology erfasste bei 250 Menschen, ob sie eher ein Morgen- oder Abendmensch sind. Er wollte feststellen, ob dies mit der 'Dunklen Triade' der Persönlichkeitseigenschaften (eben Narzissmus, Machiavellismus und Psychopathie) verbunden werden könnte.

Antisoziale Tendenzen

Die Ergebnisse zeigen, dass Studenten, die erst in der Abenddämmerung wach werden, größere antisoziale Tendenzen aufweisen, als jene, die früher ins Bett gingen. "Diejenigen, die eine hohe Punktezahl bei den dunklen Drei erzielten, sind, wie viele andere Jäger (wie Löwen und Skorpione), Nachtschwärmer", sagt er. "Menschen, die einer Strategie des 'schnellen Lebens' nachgehen, wie sie Ausdruck der Dunklen Triade ist, fühlen sich wohler in wenig beleuchteten Umgebungen, in denen Andere verminderte kognitive Funktionen haben und eher schlafen."

Evolutionäre Grundlage

Dr. Jonason sagt, dass es eine evolutionäre Basis für die Verbindung zwischen antisozialen Verhaltens und der Vorliebe gibt, spät nachts wach zu sein. "Es ist wahrscheinlich ein ko-evolutionäres Wettrüsten zwischen Betrügern und denjenigen, die sie entdecken und bestrafen wollen, und die Dunkle-Triade-Persönlichkeitsmerkmale können spezielle Anpassungen darstellen, um nicht entdeckt zu werden", sagt er.

"Die Merkmale der Nacht - schlecht beleuchtete Umgebung, in der Andere schlafen - können ungezwungenen Gelegenheitssex und Risikobereitschaft erhöhen, womit die Eigenschaften der dunklen Triade verknüpft sind."

"Tatsächlich, gibt es bei den meisten Verbrechen und der sexuellen Aktivität den Höchststand in der Nacht."

Dr. Jonason fügt hinzu, dass sehr viel mehr Arbeit erforderlich ist, aber diese Ergebnisse stellen einen wichtigen Schritt bei den verhaltensökologischen und evolutionären psychologischen Mustern der dunklen Triade dar, wie auch bei den 'dunkleren' Aspekten der menschlichen Natur und Persönlichkeit.

© PSYLEX.de - Quelle: University of Western Sydney, August 2013

Schmaler Grat zwischen Fantasie und Realität bei Psychopathen

15.10.2014 Eine Studie der kanadischen Trent University Oshawa sagt, dass Personen mit psychopathischen Eigenschaften eine Vorliebe für nicht-romantische, unverbindliche sexuelle Fantasien mit anonymen Partnern haben.

Psycho
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

Die Forscher bemerkten, dass psychopathisches Sexualverhalten eher durch eine Vorliebe für sexuelle Aktivitäten außerhalb einer liebevollen, engagierten Beziehung verursacht wird, statt 'nur' aufgrund einer Unfähigkeit, solche Beziehungen einzugehen.

Personen mit abweichenden sexuellen Vorlieben und einer normalen Ausprägung von Empathie, Freundlichkeit und Selbstbeherrschung haben viele Strategien, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen, wie Verhandlungen, Kompromisse und Einschränkung; Personen mit einer hohen Ausprägung psychopathischer Merkmale wenden sich eher sexuell aggressiven Strategien zu, um Genugtuung zu gelangen.

Die meisten Menschen haben sexuelle Fantasien, und das ist normal und gesund. Psychopathen bzw. Menschen mit psychopathischen Charakterzügen jedoch berichten nicht nur eher über besonders ausgefallene sexuelle Fantasien, sondern auch mit höherer Wahrscheinlichkeit, dass sie diese auch ausleben", sagte Beth Visser, Autorin der in Journal of Personality veröffentlichten Studie.

© PSYLEX.de - Quelle: Trent University Oshawa / Journal of Personality, September 2014

Computerspiel kann Verhalten von Psychopathen ändern

06.01.2015 Psychopathen empfinden normalerweise keine Furcht und versagen bei der Einschätzung der Emotionen von anderen oder ihren eigenen Handlungen. Eigenschaften, die eine Behandlung äußerst erschwerden.

Eine aktuelle Studie der Universitäten von Yale und Wisconsin-Madison zeigen jedoch, dass es möglich ist Psychopathen beizubringen, Emotionen und andere Informationen zu berücksichtigen, wenn sie Entscheidungen treffen. Die Ergebnisse könnten die Basis für eine Behandlung dieser Gruppe gefährlicher Gefangenen bilden - von denen 70% erneut Verbrechen begehen, nachdem sie aus dem Gefängnis entlassen werden.

Kennzeichen

Kennzeichen von Psychopathen sind ein Mangel an emotionalem Affekt, unerbittliche Täuschungen und Lügen, und gefühllose Missachtung anderer Menschen, bemerkt Yale Psychologin Arielle Baskin-Sommers. (Weitere unter Symptome)

Sie sind auch die schlechtesten Multi-Tasker der Welt und tendieren dazu, Informationen anderer - wie Schmerzen und Leiden - nicht zu verarbeiten, wenn sie ihre Straftaten begehen, sagt sie.

Psychopathen ignorieren wichtige Informationen, die ihr antisoziales Verhalten stoppen würden. Zum Beispiel denken sie nicht über mögliche Bestrafungen nach, wenn sie von einer anderen Aktivität abgelenkt werden oder wenn sie sich auf ein bestimmtes Ziel konzentrieren, führt sie weiter aus.

Behandlung durch Computerspiel

Baskin-Sommers und ihre Kollegen entwickelten ein Behandlungsprotokoll, in dem Psychopathen Computerspiele spielten. Diese sollten sie darin trainieren, Reize wahrzunehmen, die nicht mit ihrem Ziel in Verbindung standen.

Die Psychopathen der Studie lernten wichtige Hinweise zu erkennen und zeigten Verbesserungen in ihrem Verhalten und ihrer Fähigkeit, emotionale Reaktionen zu zeigen.

Baskin-Sommers weist jedoch darauf hin, dass diese Computertherapie-Programme sich ausdrücklich an die neurobiologischen Funktionsstörungen von Psychopathen richten und nicht bei anderen Tätern hilfreich sein werden.

Andere Formen antisozialen Verhaltens

Die Studie zeigte, dass diese Computerspiele das Verhalten von nicht-psychopathischen Gefangenen mit anderen Formen antisozialen Verhaltens verschlechterten. Wurden die nicht-psychopathischen Insassen mit Spielen behandelt, die spezifisch auf deren Dysfunktionen des Gehirns zielten, verbesserte sich auch deren Verhalten.

Behandlungsformen für Personen mit antisozialem Verhalten - wie Psychopathen - sind beklagenswert unzulänglich, sagt Baskin-Sommers. "Wir hoffen, dass unsere Befunde zu effizienteren Interventionen für die renitentesten Gefangenen führen werden."

© PSYLEX.de - Quellen: Universität Yale, Universität Wisconsin-Madison; Dezember 2014

Verhalten

Fehlt Psychopathen Verständnis für soziale Verträge?

Ein beeinträchtigtes Verständnis wie Sozialverträge funktionieren und warum Menschen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, kann erklären, warum Psychopathen betrügen und Risiken eingehen, obwohl sie Recht von Unrecht unterscheiden können, erklärt eine neue Studie.

Unterschied zwischen Recht und Unrecht

Obwohl weniger als 1 Prozent der Menschen in den Vereinigten Staaten Psychopathen sind, machen sie 20 Prozent der Gefängnispopulation aus, wegen ihrer Tendenz sich impulsiv, zerstörerisch und schädlich zu verhalten, bemerkten die Forscher der Universität von New Mexico.

Vorherige Studien haben gezeigt, dass Psychopathen den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennen und normale Reaktionen zeigen, wenn ihnen ein Beispiel für ein moralisches Dilemma gezeigt wird. Diese Studie prüfte eine andere Art der Herangehensweise: das Nachdenken über Vorsichtsmaßnahmen und Sozialkontrakte.

Vorsichtsmaßnahmen und Sozialverträge

Die Forscher überreichten 67 Gefangenen - einige Psychopathen, andere nicht - eine Reihe von Fragen mit Problemen basierend auf drei Arten von Regeln:

  1. beschreibende Regeln (zum Beispiel "wenn eine Person aus Kalifornien ist, dann ist diese Person geduldig");
  2. Sozialkontrakte ("wenn Sie sich mein Motorrad leihen, dann Sie müssen es waschen"); und
  3. Vorsichtsmaßnahmen ("wenn Sie mit Tuberkulosepatienten arbeiten, dann müssen Sie eine Chirurgen-Maske tragen").

Die nicht-psychopathischen Gefangenen antworteten wie Nicht-Gefangene auf allen drei Gebieten. Während sich die Psychopathen ziemlich gut bei direkten logischen Überlegungen machten, schnitten sie schlechter als Nicht-Psychopathen bei Problemen ab, die Sozialverträge und Vorsichtsmaßnahmen einschlossen.

Die Studie wurde in der Oktoberausgabe der Zeitschrift Psychological Science herausgegeben.

Andere Auffassung bezüglich bestimmter Verhaltensweisen

Diese Arbeit besagt, dass Psychopathen das Verhalten des 'Betrügens' nicht auf normale Weise begreifen, so dass sie nicht realisieren können, wenn sie andere Leute betrügen oder wenn andere Leute schlecht auf Betrug reagieren, sagte Studienmitautorin Elsa Ermer in einer Psychological Science Pressemitteilung.

Sie fügte hinzu, dass die Unfähigkeit der Psychopathen, über Vorsichtsmaßnahmen nachzudenken, erklärt, warum sie Risiken eingehen und impulsive Taten begehen, die sie in Schwierigkeiten bringen. Es scheint, dass sie Schwierigkeiten haben zu verstehen, wann sie negative Konsequenzen eines Risikos durch Vorsichtsmaßnahmen vermeiden können, sagte Ermer.

Quelle: Psychological Science, Nov. 2010

Gewalttätige Psychopathen verstehen Bestrafung nicht

29.01.2015 Gewalttätige Psychopathen scheinen Anomalien in den Teilen des Gehirns zu haben, die durch Strafe lernen, laut einer Studie der Universität Montreal.

Das Wissen über diese Gehirnabnormitäten könnte Kindern helfen, die durch ihre Gehirnstruktur ein erhöhtes Psychopathierisiko haben.

gefängnis bestrafung
Bild: Dieter G (pixabay)

Mit Hilfe von Magnetresonanztomographie sah sich ein Forscherteam die Gehirne von 50 Männern an:

Probleme bei Verhaltensänderung

Während ihr Gehirn gescannt wurde, wurden die Männer (mit einem Bildertest) auf ihre Fähigkeit getestet, ihr Verhalten und ihre Entscheidungen basierend auf den Rückmeldungen des Spiels zu ändern. Die psychopathischen Männer hatten es sehr viel schwerer damit, ihr Verhalten zu ändern, und sie brauchten bedeutend länger, um sich anzupassen, als das Spiel seine Regeln änderte.

Die Gehirnscans der Psychopathen sahen anders als die der nicht-psychopathischen Kriminellen als auch der nicht-kriminellen Kontrollpersonen:
Es zeigten sich deutliche Anomalien bei ihrer weißen als auch grauen Substanz. Die Abweichungen wurden in Bereichen des Gehirns beobachtet, wo Emotionen wie Schuld, Scham und moralische Überlegungen verarbeitet werden.
Einige dieser Abnormitäten sind mit einem Mangel an Empathie verbunden laut der in der Zeitschrift Lancet Psychiatry veröffentlichten Studie.

Rehabilitation und Prävention

Frühere Studien über Psychopathen haben zeigen können, dass Rehabilitationsbemühungen oft scheitern, weshalb sich die Forscher die zugrundeliegenden Mechanismen anschauen wollten.

Die Studienautoren schreiben, dass viele Merkmale der Psychopathie sehr früh im Leben auftauchen, und wenn früh genug begonnen wird, können Interventionen die Gehirnstruktur ändern. Die Forscher hoffen, dass ihre Befunde zur Entwicklung von Programmen für Eltern führen können, die früh Gefühllosigkeit und wiederholte Gewalttätigkeiten bei ihren Kindern beobachten.

Da die meisten Gewaltverbrechen von Männern mit diesen sich früh abzeichnenden, stabilen Mustern antisozialen und aggressiven Verhaltens begangen werden, haben Eingriffe, die sich an die spezifischen zugrundeliegenden Gehirnmechanismen richten und Änderungen im Verhalten bewirken, das Potential, Gewaltverbrechensraten deutlich zu reduzieren, schreiben die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Montreal, The Lancet Psychiatry, 2015; 2 (2): 153 DOI: 10.1016/S2215-0366(14)00071-6; Jan. 2015

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