Psychopathen als Führungskräfte

Arbeitspsychologie - Führungspsychologie - Persönlichkeitsstörungen

Männer in der Führung profitieren von psychopathischem Verhalten, Frauen werden bestraft

16.10.2018 Der scheinbar endlose Strom von Unternehmensskandalen in den letzten Jahrzehnten deutet darauf hin, dass bei den Führungskräften in den Unternehmen etwas faul ist. Viele geben den Psychopathen die Schuld, die charakteristisch oberflächlich charmant sind, aber kein Mitgefühl, keine Angst und kein Gefühl der Schuld bzw. Schuldgefühle haben.

chef lässt sich tragen
Bild: Gerd Altmann

Bis zu einem gewissen Grad können psychopathische Tendenzen gut für Führungsangestellte sein. Schließlich brauchen wir oft Führungskräfte, die die schwierigen Entscheidungen treffen können. Die falsche Kombination dieser Eigenschaften kann jedoch fatale Folgen haben. An einem bestimmten Punkt können diese Individuen vom Durchsetzungsvermögen zum Tyrannen neigen.

Um die Auswirkungen psychopathischer Tendenzen unter Führungskräften zu untersuchen, haben Karen Landay und Peter Harms von der University of Alabama in Tuscaloosa, und Marcus Credé vom Fachbereich Psychologie der Iowa State Universität die bisher gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnisse systematisch mittels Meta-Analyse erhoben. Die Autoren analysierten auch die Ergebnisse mehrerer früherer Studien neu.

Helfen psychopathische Tendenzen Führungspositionen zu erreichen?

In ihrer kürzlich im Journal of Applied Psychology veröffentlichten Arbeit fanden die Forscher 92 unabhängige Stichproben mit Daten über die psychopathischen Tendenzen von Menschen und

  1. ob sie Führungsaufgaben in Unternehmen innehielten und
  2. wie ihre Leistung als Führungspersönlichkeit von ihnen selbst oder anderen bewertet wurde.

Die Ergebnisse zeigten, dass Personen mit psychopathischen Tendenzen etwas wahrscheinlicher Führungspositionen innehielten, aber weniger wahrscheinlich als effektive leitendende Persönlichkeiten angesehen wurden. Dies galt insbesondere, wenn die Bewertungen von ihren Untergebenen kamen.

Wichtige Unterschiede zwischen Männern und Frauen

Nachfolgende Analysen zeigten eine kritische Geschlechterdifferenz innerhalb dieser Ergebnisse auf. Männer mit psychopathischen Tendenzen wurden eher zu Führern und wurden als effektivere Führungspersönlichkeiten eingestuft. Frauen, die psychopathische Tendenzen aufwiesen, wurden jedoch weniger wahrscheinlich als Führungskräfte ausgewählt und als weniger effektive Führungskraft eingestuft.

Die Gesamtergebnisse zeigten auch kleine kurvilineare Effekte. Im Vergleich zu Menschen mit niedrigen oder hohen psychopathischen Tendenzen wurden Personen mit mittleren Niveaus eher als effektive Führungskräfte eingestuft.

Zusammengenommen unterstützen die Ergebnisse nicht die Vorstellung, dass Unternehmensleiter dazu neigen, wesentlich höhere psychopathische Tendenzen zu haben. Obwohl höhere psychopathische Tendenzen einen kleinen Vorteil beim Erreichen von Führungspositionen bieten können, fanden die Forscher keine Hinweise darauf, dass die meisten oder sogar viele Unternehmensführer Psychopathen sind.

Von größerer potenzieller Bedeutung ist die Geschlechterdifferenz, die in stereotyper Weise auftrat. Psychopathisches Handeln schien einen Vorteil für Männer, aber einen Nachteil für Frauen zu bieten, schreiben die Autoren.

Zwei wichtige Auswirkungen

Dies hat zwei wichtige Auswirkungen.

  1. Erstens tragen diese Ergebnisse zu den wachsenden Erkenntnissen bei, dass schlechtes Verhalten von Männern am Arbeitsplatz zu oft toleriert oder ignoriert wird, und dass dies langfristige nachteilige Auswirkungen auf Unternehmen haben kann.
  2. Zweitens wird der Rat an Frauen am Arbeitsplatz, sich "männlicher" zu verhalten, um voranzukommen, wahrscheinlich nach hinten losgehen, schließen die Psychologen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Applied Psychology. http://dx.doi.org/10.1037/apl0000357

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