Psychologische Tests können Gewaltbereitschaft von Psychopathen nicht beurteilen

Psychische Störungen - Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen

29.10.2013 Britische Forscher haben in einer Studie herausgefunden, dass Tests nicht die Wahrscheinlichkeit vorhersagen können, mit der inhaftierte Psychopathen zukünftig Gewalt ausüben werden.

Vorzeitige Entlassung durch Test

Um die Öffentlichkeit zu schützen, werden psychologische Profis oft darum gebeten, die Wahrscheinlichkeit zu beurteilen, mit der inhaftierte Personen straffällig sein werden. Die Ergebnisse spielen eine Rolle bei der Entscheidung, ob diese Personen vorzeitig entlassen werden können oder nicht.

Doch diese psychologischen Tests und die Interpretation ihrer Ergebnisse wurden bisher noch nicht durch zuverlässige wissenschaftliche Studien überprüft.

In dieser neuen Studie aus Großbritannien führten Jeremy Coid, Simone Ullrich and Constantinos Kallis Interviews mit 1.396 Gefangenen in England und Wales durch und ließen sie sechs bis zwölf Monate vor ihrer Entlassung spezielle psychologische Tests ausfüllen. Dann wurden die Testresultate hinsichtlich der Prognosen mit den offiziell festgehaltenen Straftaten verglichen.

Vorhersagekraft

Psychologische Tests können Gewaltbereitschaft von Psychopathen nicht beurteilen
© Christian Hilscher/psylex.de

Die den Insassen vorgelegten Tests waren dafür vorgesehen, psychische Beeinträchtigungen zu entdecken. Wenn diese vorhanden waren (und von den Tests hinsichtlich der Wiederholungsgefahr erfasst werden konnten), sollten zukünftige kriminelle Tendenzen vorhergesagt werden können.

Der Test, der beurteilen sollte, ob eine Person ein Psychopath ist, zeigte (hierfür) eine hohe Zuverlässigkeit, und wird auch für die Vorhersage eingesetzt, ob eine Person zukünftig gewalttätig werden könnte.

Bei der Analyse der Ergebnisse stellten die Forscher fest, dass die Tests ganz gut bei der Vorhersage des Verhaltens von Personen sind, die nicht wahrnehmbar psychisch gestört sind - sie zeigten zu 75 % eine richtige Vorhersage, ob der Getestete wieder wegen Gewalttätigkeiten zukünftig einsitzen würde.

Gewaltbereitschaft von Psychopathen

Die Tests waren weniger genau bei Menschen mit psychischen Erkrankungen wie z.B. Schizophrenie: hier lag die Erfolgsquote nur bei 60 Prozent.

Bei Gefangenen mit antisozialen Persönlichkeitsstörungen lag der prädiktive Wert der Tests bei durchschnittlich 53,2 Prozent Vorhersagegenauigkeit.

Die Wahrscheinlichkeit für Vorhersagen, ob eine als Psychopath diagnostizierte Person wieder gegen das Gesetz verstoßen würde, lag unter traurigen 50 %. Man könnte genausogut eine Münze werfen, sagten die Forscher. Sie schlagen deshalb vor, dass die Justiz aufhören sollte, solche psychologischen Tests einzusetzen, wenn sie Entscheidungen hinsichtlich frühzeitiger Entlassungen bei diesen Gefangenen treffen.

Quellen: Queen Mary University of London, The London School of Medicine and Dentistry, Wolfson Institute of Preventive Medicine, Forensic Psychiatry Research Unit, London Okt. 2013

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