Psychische Störungen, Krankheiten
und körperliche Erkrankungen

Klinische Psychologie - psychische Krankheitsbilder

Psyche krank - Körper krank

Erwachsene mit psychischen Krankheiten haben mit höherer Wahrscheinlichkeit bestimmte chronische körperliche Gesundheitsprobleme als diejenigen ohne eine psychische Erkrankung laut einem US-Regierungsbericht.

Psychische Störungen an höhere Raten physischer Probleme gekoppelt

Der Bericht besagt, dass Erwachsene im Alter von 18 Jahren und älter, die im vorangegangenen Jahr eine psychische Krankheit hatten auch eher an einer körperlichen Krankheit wie Asthma, Bluthochdruck, Diabetes, Herzkrankheiten oder Schlaganfälle erkrankt waren.

Prävalenzen

Zum Beispiel hatten 22 Prozent der Erwachsenen mit einer psychischen Störung im vorangegangenen Jahr Bluthochdruck, und fast 16 Prozent hatten Asthma. Die Raten bei Erwachsenen ohne psychische Krankheit betrugen etwa 18 % bzw. 11 %, sagte der U.S. Substance Abuse and Mental Health Services Administration (SAMHSA) Bericht.

Personen mit Major Depression im vorangegangenen Jahr hatten höhere Prävalenzen als diejenigen ohne depressive Störung bei folgenden chronischen Gesundheitsproblemen:

Menschen mit psychischen Störungen hatten nach dem Bericht höhere Raten an Aufnahmen in Notfallambulanzen und Einweisungen ins Krankenhaus. Die Rate der Notfallaufnahmen lag bei fast 48 % für psychisch Erkrankte im vorangegangenen Jahr und bei 31 Prozent bei diejenigen ohne eine schwere psychische Krankheit.

Die Rate für Krankenhauseinweisungen lag bei mehr als 20 % für jene mit einer ernsten psychischen Störung im vorangegangenen Jahr und bei weniger als 12 Prozent bei jenen ohne eine ernste psychische Erkrankung.

Behaviorale Gesundheit

Die behaviorale Gesundheit (damit ist der gesundheitliche Lebensstil des Individuums gemeint) ist für die Gesundheit wesentlich. Dies ist eine Schlüssel-Nachricht der SAMHSA und wird durch diese Daten unterstrichen, sagte die SAMHSA Administratorin Pamela Hyde in einer Agenturpressemitteilung.

Die Gesundheit und Wellness von Personen, Familien und Gemeinschaften zu fördern, bedeutet, die Bedürfnisse der behavioralen Gesundheit mit derselben Verpflichtung und Kraft wie jeden anderen physischen Gesundheitszustand zu behandeln, sagte Hyde. Gemeinschaften, Familien und Personen können keine Gesundheit erreichen, ohne dass die behaviorale Gesundheit angesprochen wird.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: SAMHSA, April 2012

Körperliche und psychische Erkrankungen treten oft zusammen auf

24.11.2016 Eine in Plos One publizierte Studie der Universitäten Basel und Bochum untersuchte, in welcher zeitlichen Beziehung physische und psychische Krankheiten bei Heranwachsenden auftreten und welche Muster sich dabei zeigen.

Dazu untersuchten Dr. Marion Tegethoff und Prof. Gunther Meinlschmidt vom Fachbereich für Psychologie die Daten von 6.483 Heranwachsenen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren aus einer repräsentativen Stichprobe aus den Vereinigten Staaten.

Bei der Analyse der Daten stellten die Wissenschaftler fest, dass einige körperliche Erkrankungen häufiger auftraten, wenn bereits bestimmte psychische Krankheiten vorgelegen haben.
Auch traten einige mentale Störungen häufiger auf, wenn bestimmte physische Krankheiten vorlagen.

Die Forscher fanden folgende Zusammenhänge:

"Wir fanden nun als Erste, dass Epilepsie ein erhöhtes Risiko für Essstörungen nach sich zieht - ein Phänomen, das bislang nur an wenigen Patienten beschrieben wurde. Dies deutet darauf hin, dass Ansätze der Epilepsiebehandlung auch im Kontext von Essstörungen Potenzial haben könnten", sagte Tegethoff.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Basel, Ruhr-Universität Bochum, Plos One - doi: 10.1371/journal.pone.0165196; Nov. 2016

Verbindung zwischen chronischen körperlichen Krankheiten in der Kindheit und späteren psychischen Erkrankungen

05.05.2017 Eine neue im Fachblatt Journal of Child Psychology and Psychiatry veröffentlichte Studie untersuchte die Auswirkungen von chronischen körperlichen Krankheiten bei Kindern auf das Risiko für psychiche Störungen später im Leben.

arzt
Bild: Darko Stojanovic

Die Wissenschaftler von der Universität Sussex und dem University College London überprüften systematisch die Belege von 34 medizinischen Studien mit insgesamt 45.358 Teilnehmern auf Verbindungen zwischen acht chronischen physischen Krankheiten in der Kindheit - wie Arthritis, Asthma und Krebs - und emotionalen Problemen (insbesondere den psychischen Störungen Depression und Angststörungen) im späteren Leben.

Untersuchte körperliche Erkrankungen

Es zeigte sich, dass die Betroffenen aller 8 chronischen körperlichen Erkrankungen

ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Depression oder Angststörung hatten, für emotionale Probleme, die über Kindheit und Jugend bis ins Erwachsenenleben andauerten.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass auf psychische Erkrankungen abzielende Präventions- und Behandlungsstrategien, die speziell körperlich chronisch Erkrankte in der Jugend unterstützen, Probleme der psychischen Verfassung angehen sollten, bevor sie sich zu schweren langfristigen Krankheiten entwickeln, sagte die Psychologin Dr. Darya Gaysina.

Krebs und Depression

Die Befunde zeigten insbesondere einen Zusammenhang zwischen Krebs und Depression im Erwachsenenalter.

Obwohl die Studien zu den anderen chronischen körperlichen Krankheiten weniger zahlreich waren, bestand der Zusammenhang zwischen diesen und späteren psychischen Erkrankungen auch, nachdem die starke Verbindung zwischen Krebs und Depression herausgenommen wurde.

Es ist also nicht nur Krebs, der mit emotionalen Problemen im Erwachsenenalter verbunden ist, sagte Gaysina.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Sussex, University College London, Journal of Child Psychology and Psychiatry - DOI: 10.1111/jcpp.12727; Mai 2017

Multimorbidität aus psychischen Störungen und körperlichen Erkrankungen erhöhen Aufnahmen in Notfallstationen

04.07.2019 Psychische Störungen und körperliche Erkrankungen wirken zusammen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für häufigere Aufenthalte in der Notaufnahme laut einer im Canadian Medical Association Journal publizierten Studie.

Myles Gaulin von der Université Laval in Québec und Kollegen untersuchten die Wechselwirkung zwischen psychischen Störungen und körperlicher Multimorbidität im Hinblick auf häufige Besuche in der Notaufnahme bei Erwachsenen in Quebec. Die Multimorbidität wurde als die Anzahl der körperlichen Erkrankungen bewertet, und psychische Störungen wurden als schwerwiegend (z.B. bipolare oder psychotische Störung), häufigere oder nicht vorhanden eingestuft.

Aufenthalte in der Notaufnahme

Die Forscher fanden heraus, dass bei Menschen mit psychischen Störungen jede weitere körperliche Erkrankung mit einem stärkeren Anstieg des absoluten Risikos häufigerer Besuche in der Notaufnahme zusammenhing.

Bei keiner bis vier oder mehr körperlichen Erkrankungen stieg das absolute Risiko für Personen mit schweren psychischen Störungen (16,2 Prozent) stärker an als bei häufigeren (15,3 Prozent) oder gar keinen Störungen (11,4 Prozent).

Für Menschen ohne psychische Krankheiten und vier oder mehr körperlichen Erkrankungen war das Risiko für häufige Besuche in der Notaufnahme 6,2-fach höher als für Menschen ohne körperliche Beschwerden. Die entsprechenden Quotenverhältnisse lagen bei 4,75 und 3,7 für Personen mit häufigen oder schweren psychischen Erkrankungen, schreiben die Studienautoren.

Diese potenzielle Synergie zwischen körperlicher Multimorbidität und psychischen Erkrankungen erhöht die Gesamtauswirkung auf die öffentliche Gesundheit erheblich, sagte ein Koautor in einer Erklärung.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Canadian Medical Association Journal July 02, 2019 191 (26) E724-E732; DOI: https://doi.org/10.1503/cmaj.181712

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