Psychose und das Gedächtnis

Psychische Störungen

Das Arbeitsgedächtnis bei psychotischen Störungen

15.07.2019 Das Arbeitsgedächtnis - die Fähigkeit, Informationen z.B. für Entscheidungsfindung und Verhaltensanweisungen zwischenzuspeichern - ist bei psychotischen Störungen beeinträchtigt laut einer in Neuropsychopharmacology veröffentlichten Forschungsarbeit.

Dysfunktion des präfrontalen Cortex


Bild: Gerd Altmann

Es wird allgemein angenommen, dass eine Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses durch eine Dysfunktion des präfrontalen Cortex verursacht wird. Es ist jedoch wenig darüber bekannt, wie Subprozesse, die am Arbeitsgedächtnis beteiligt sind, wie Kodierung und Gedächtniserhaltung, und die neuronalen Systeme, die diese Subprozesse unterstützen, bei einer Psychose beeinflusst werden.

Um diese Fragen zu beantworten, setzten Anna Huang und Kollegen funktionelle MRT ein, um festzustellen, ob Personen mit Schizophrenie und bipolarer Störung ähnliche Anomalien in den Gehirnfunktionen während der Kodierung, Speicherung und bei ablaufenden Teilprozessen des Arbeitsgedächtnisses aufweisen.

Beeinträchtigungen bei Kodierung und Gedächtnisaufrechterhaltung

Die Befunde deuten auf Beeinträchtigungen bei Kodierung und Speicherung sowohl bei Schizophrenie als auch bei der psychotischen bipolaren Störung im posterioren parietalen Cortex (PPC) und in den frontalen Augenfeldern (FEF) hin, die mit der Arbeitsgedächtnisleistung und den allgemeinen neuropsychologischen Funktionen verbunden waren.

Zusätzlich war die verschlüsselungsabhängige Aktivierung im PPC mit der allgemeinen neuropsychologischen Funktion unabhängig von der zugehörigen Gruppe verbunden. Lediglich die kodierungsbedingte Aktivierung im rechten ventralen Striatum unterschied sich zwischen Schizophrenie und psychotischer bipolarer Störung; Teilnehmer mit Schizophrenie zeigten eine signifikant geringere Aktivierung als gesunde Studienteilnehmer und Teilnehmer mit psychotischer bipolarer Störung.

Die Ergebnisse legen nahe, dass Interventionen, die auf die Aktivierung im PPC abzielen, das Arbeitsgedächtnis und die allgemeinen kognitiven Fähigkeiten bei psychotischen Störungen verbessern könnten, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Neuropsychopharmacology (2019). DOI: 10.1038/s41386-019-0434-4

Das relationale Gedächtnis bei der Psychose im Frühstadium

17.09.2019 Das relationale Gedächtnis - die Fähigkeit, kontextuelle Beziehungen zwischen einzelnen Elementen herzustellen - ist bei chronischer Schizophrenie beeinträchtigt und wurde mit einer Hippocampus-Dysfunktion in Verbindung gebracht.

Ob es in der Frühstadium-Psychose eine Beeinträchtigung des relationalen Gedächtnisses gibt und ob es sich mit der Erkrankung verschlechtert, ist aber bislang unklar.

Suzanne Avery von der Vanderbilt Universität und ihre Kollegen untersuchten die Augenbewegungen als implizites Maß für das relationale Gedächtnis bei Psychosepatienten im Frühstadium und gesunden Pendants.

Die Teilnehmer betrachteten Gesichts-Szenen-Paare und sollten sich daran erinnern, welches Gesicht mit jeder Hintergrundszene gepaart war. Den Teilnehmern wurden dann Hintergrundszenen mit drei überlagerten Gesichtern gezeigt und sie sollten herauszufinden, welches Gesicht zuvor verbunden war, indem sie ihre Augen auf das passende Gesicht fokussierten.

Defizit beim relationen Gedächtnis

Die in Schizophrenia Research veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass die gesunden Kontrollteilnehmer genauer zuvor gesehene Paare identifizierten und noch nicht gesehene Paarungen ausschlossen.

Die präferentielle Betrachtung des passenden Gesichts dauerte bei Psychose-Patienten im Frühstadium länger und erreichte nie die gleiche Qualität wie bei gesunden Kontrollpersonen.

Die Patienten zeigten also Defizite bei der expliziten Erkennung als auch abnormale Augenbewegungsmuster während des Gedächtnisabrufs.

Die Ergebnisse deuten auf ein teilweises, aber nicht vollständiges relationales Gedächtnisdefizit bei Psychosepatienten im frühen Stadium hin, schließen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Schizophrenia Research - DOI: 10.1016/j.schres.2019.07.060

Weitere News aus der Forschung

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter