Hypochondrie: Kognitive Verhaltenstherapie ist wirksam

Psychologie-Lexikon - Somatoforme Störungen

Verhaltenstherapie vs. Standardbehandlung bei Hypochondrie

21.10.2013 Kognitive Verhaltenstherapie kann exzessiven Hypochondern bei der Reduzierung ihrer Angst helfen, laut einer Studie des Imperial College in London.

Peter Tyrer und Kollegen teilten 444 Menschen mit exzessiver Hypochondrie im Alter von 16 bis 75 Jahren (zufällig) zwei Gruppen zu; eine erhielt kognitive Verhaltenstherapie, die andere die übliche Standardbehandlung.

Die Behandlung wurde in Ambulanzen von 'Nicht-Experten' durchgeführt. Diese waren in nur zwei Workshops in kognitiver Verhaltenstherapie ausgebildet worden und standen dann unter der Aufsicht von erfahrenen Therapeuten. Die Forscher verglichen die Unterschiede zwischen den Gruppen über zwei Jahre bei generalisierter Angst, Depression, soziale Funktionen, Lebensqualität und Kosten der Behandlung.

Verhaltenstherapie reduzierte Hypochondriesymptome

Nach einem Jahr konnten die Forscher feststellen, dass die Patienten, die kognitive Verhaltenstherapie bekamen, eine deutliche Verbesserung hinsichtlich der Symptome ihrer Hypochondrie zeigten, verglichen mit der Standardgruppe.

Hypochondrie: Kognitive Verhaltenstherapie ist wirksam
Honoré Daumier - Der eingebildete Kranke

Es erreichten mehr Personen einen normalen Angstlevel (13,9% versus 7,3%; Verhältnis 2.15). Auch nach zwei Jahren konnte dieser Unterschied hinsichtlich der Verbesserungen bei generalisierter Angst und Depression noch festgestellt werden. Jedoch konnten keine Unterschiede in den sozialen Funktionen oder bei der gesundheitsgebundenen Lebensqualität festgestellt werden. Es gab keine bedeutenden Unterschiede in den Gesamtkosten nach zwei Jahren.

Hypochondrie bislang nicht heilbar

Laut Professor Tyrer, gab es bislang "keine Befunde, die zeigten, dass Hypochondrie in medizinischen Einrichtungen erfolgreich behandelt werden konnte. Unsere Ergebnisse zeigen, dass unsere (leicht modifizierte) Form von kognitiver Verhaltenstherapie relativ günstig von (allgemeinen) Krankenschwestern mit minimalem Training gute Resultate liefern und leicht in Krankenhauseinrichtungen eingesetzt werden kann".

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Imperial College, Okt. 2013

Mehr zu: Hypochondrie, Generalisierte Angst, Depression, Kognitive Verhaltenstherapie.

Konfrontationstherapie übers Internet bei Hypochondern wirkungsvoll

Eine neue Studie des Karolinska Institutet konnte zeigen, dass konfrontationsbasierende kognitive Verhaltenstherapie über das Internet eine wirkungsvollere Behandlung bei Hypochondrie ist als eine aktive psychologische Behandlung mit Entspannung- und Stressbewältigungstechniken.

Zum ersten Mal haben Forscher des Fachbereichs klinische Neurobiologie am Karolinska Institutet Konfrontationstherapie mit aktiver psychologischer Behandlung basierend auf Entspannung und Stressbewältigung verglichen. Beide Behandlungen liefen 12 Wochen und die 158 Teilnehmer hatten übers Internet (vorrangig per E-Mail) Zugang zu den Therapeuten.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Teilnehmer beide Behandlungsformen als gleichermaßen zuverlässig/glaubwürdig einschätzten. Beide Behandlungen linderten eindeutig die Hypochondrie der Patienten, aber die konfrontationsbasierende Verhaltenstherapie minderte die Angst stärker als die Entspannungs- und Stressbehandlung.

Die Ergebnisse beinhalten auch ein neues Verständnis darüber, was bei der Behandlung von Hypochondrie wichtig ist, schreiben die Wissenschaftler. Die Studie hat auch eine klinische Bedeutung, da eine Therapie übers Internet den Zugang zu Evidenz-basierender psychologischer Behandlung bei Hypochondrie steigern kann.

"Es können so mehr (hypochondrische) Patienten behandelt werden, da die Behandlungszeit pro Patienten deutlich niedriger ausfällt als bei einer traditionellen Behandlung. Internetbehandlung ist unabhängig von räumlicher Nähe, und dies bedeutet einen leichteren Zugang zu einer adäquaten Behandlung, auch wenn es in der Nähe keine Psychologen oder ambulante Psychiatrie gibt", sagte Psychologe und Autor der Studie Erik Hedman.

© PSYLEX.de - Quelle: Karolinska Institutet, August 2014

Kognitive Verhaltenstherapie zeigt nachhaltige Wirkung bei Hypochondern

23.06.2020 Menschen, die unter Hypochondrie (Gesundheitsangst) leiden, verwenden sehr viel Zeit und Energie darauf, zu überprüfen, ob sie ein schwer erkrankt sind - oder nicht.

Dies hat oft negative Auswirkungen auf ihr soziales Leben, ihre Arbeit und ihr Familienleben, so dass ihre Lebensqualität stark eingeschränkt ist.

Forscher der Universität Bergen haben herausgefunden, dass nur 16 Stunden Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) noch 10 Jahre nach der Behandlung sehr positive Auswirkungen auf Hypochonder haben können.

In der Studie analysierten Kari-Elise Veddegjærde und Kollegen die Daten von 50 Patienten, die schon seit langer Zeit unter Hypochondrie litten. Jeder erhielt 16 Stunden kognitive Verhaltenstherapie vom norwegischen Therapeuten Ingvard Wilhelmsen von der Universität Bergen.

Die Patienten gaben Auskunft zu ihrer Lebensqualität während und nach der Behandlung. Bei der Datenauswertung wurden auch andere Therapien und ihre Medikamenteneinnahme berücksichtigt.

Die Patienten zeigten über alle Endpunkte hinweg signifikante Verbesserungen, einschließlich der Schwere der Hypochondrie, der Somatisierung, der Symptome von Angst und Depression, der Lebensqualität und der Somatisierung nach Abschluss der Behandlung.

Der Behandlungsnutzen war 10 Jahre später noch deutlich, schreiben die Studienautoren. Allerdings gab es in der Studie keine Kontrollgruppe.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: BJPsych Open (2020). DOI: 10.1192/bjo.2020.22

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