Lebensmittelallergien, Nahrungsmittelallergien (Psyche)

Psychosomatik, Somatoforme Störungen, Persönlichkeitspsychologie

News und Forschungsartikel, die sich mit den Auswirkungen von Lebensmittelallergien auf die Psyche bzw. umgekehrt beschäftigen.

Verbindung zwischen Nahrungsmittelallergien und Ängstlichkeit bei Kindern

30.06.2017 Eine in der Zeitschrift Journal of Pediatrics publizierte Studie untersuchte die Verbindungen zwischen Nahrungsmittelallergien und Symptomen psychischer Probleme (Angststörungen und Depressivität) bei Heranwachsenden.

Lebensmittelallergien kommen bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger vor, deshalb untersuchten Forscher der Columbia Universität und des Albert Einstein College of Medicine 80 pädiatrische Patienten im Alter zwischen 4 und 12 Jahren, 8 Jahre alt im Durchschnitt, mit und ohne Lebensmittelallergie und ihre Erziehungsberechtigten aus städtischen pädiatrischen Ambulanzen in der Bronx, New York.

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Sie kontrollierten die Kinder auf eine Asthma-Diagnose, da psychische Erkrankungen wie Angst- und Stimmungsstörungen bei Jugendlichen mit Asthma häufiger auftreten und besonders bei Kindern aus einem sozioökonomisch benachteiligten Umfeld häufig auftreten.

Von den Kindern mit einer Nahrungsmittelallergie berichteten 57 Prozent über Symptome von Angststörungen im Vergleich zu 48 Prozent der Kinder ohne Lebensmittelallergie.

Etwa 48 Prozent der Kinder - mit und ohne eine solche Allergie - zeigten Symptome einer Depression.

Angstverstärkende Störung

Der Umgang mit diesen Allergien kann sowohl in Bezug auf die richtigen Lebensmittel, Zubereitung der Mahlzeiten und die Kosten für Epinephrin Auto-Injektoren zeit- und kostenaufwendig sein, sagte Studienautorin Dr. Renee Goodwin.

Diese Anforderungen können zu einer stärker ausgeprägten Angst bei denjenigen mit geringeren finanziellen Ressourcen führen und die Psyche stark belasten, und so die Angstsymptome bei Kindern und ihren betreuenden Personen erhöhen.

Soziale Ablehnung und Ängste

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Nahrungsmittelallergie besonders mit verstärkter sozialer Angst (s.a. soziale Phobie) und Angst vor sozialer Ablehnung und Demütigung verbunden ist, schreiben die Wissenschaftler.

Es gibt eine Reihe von möglichen Erklärungen für die Beziehung zwischen der Diagnose einer Lebensmittelallergie und verstärkten sozialen Angstsymptomen, die in dieser Stichprobe pädiatrischer Teilnehmer gefunden wurde, sagte Dr. Goodwin.

Potentiell lebensbedrohende Probleme können Angst hervorrufen, und einige Kinder können größere soziale Ängste entwickeln, weil sie 'anders' als die Kinder ihres Alters sind - abhängig vom Alter und wie die Erwachsenen mit der Allergie gegen Lebensmittel umgehen.

Keine Verbindung mit Depression?

Eine mögliche Erklärung für das Fehlen der Verbindung zwischen Nahrungsmittelallergie und Depressivität bei Kindern könnte an dem jungen Alter der Teilnehmer sein, schreiben die Forscher.

Sie empfehlen deshalb Studien, die die Beziehungen zwischen älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Allergien auf Nahrungsmittel untersuchen sollten, die dann auf dem Höhepunkt des Risikos für Depressionen sind, vor allem, weil frühe Ängstlichkeit mit einem erhöhten Risiko für den anschließenden Beginn einer Depression verbunden ist, sagte Dr. Jonathan Feldman.

Angesichts der hohen Prävalenz dieser Allergien und des starken Zusammenhangs zwischen Lebensmittelallergien und sozialer Angst bei Kindern sind auch zukünftige Untersuchungen zur Beziehung zwischen diesen Allergien und der psychischen Gesundheit wichtig, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Columbia Universität, Journal of Pediatrics - dx.doi.org/10.1016/j.jpeds.2017.04.055; Juni 2017

Persönlichkeit beeinflusst das Leben mit Lebensmittelallergien

02.03.2018 Eine im Fachblatt Medical Journal Frontiers in Psychology veröffentlichte Studie untersuchte, ob die Psyche - insbesondere die Persönlichkeitsmerkmale - einen Einfluss auf den Umgang mit Lebensmittelallergien haben.

Dr. Tamlin Conner vom Fachbereich Psychologie der Universität Otago, Neuseeland und Kollegen werteten die Daten von 108 erwachsenen Teilnehmern einer 2-wöchigen Online-Befragung aus. Erhoben wurden die alltäglichen Probleme im Umgang mit den Lebensmitteln, die Stresswerte und die Stimmung.

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Die Annahme der Psychologen war, dass die Big 5 der Persönlichkeitseigenschaften (Verträglichkeit, Extraversion, Offenheit gegenüber neuen Erfahrungen, Neurotizismus und Gewissenhaftigkeit) einen Einfluss darauf haben, wie Menschen mit Nahrungsmittelallergien auf die täglichen Probleme reagieren. Sie nahmen an, dass insbesondere Neurotizismus einen negativen Einfluss haben könnte.

Tatsächlich fanden die Forscher ihre Erwartungen hinsichtlich der Big-5-Charakterzüge und dem Umgang mit den alltäglichen Problemen einer Lebensmittelallergie nicht erfüllt.

Neurotizismus / Offenheit

Neurotizismus war nicht mit häufigeren Allergieproblemen oder einem grösseren Stress oder einer schlechteren Stimmung an den Tagen mit mehr Allergieproblemen verbunden.

Stattdessen prognostizierte eine größere Offenheit für neue Erfahrungen eine Reihe von Problemen, darunter

Gewissenhaftigkeit

Gewissenhafte Menschen hatten weniger Verlegenheitsgefühle bzw. waren selbstbewusster in Bezug auf ihre Nahrungsmittelallergie, aber sie hatten mehr Probleme auswärts zu essen, und ihre positive Stimmung war durch Allergieprobleme stärker beeinträchtigt als dies bei ihren weniger gewissenhaften Kollegen der Fall war.

Extraversion und Verträglichkeit

Extraversion und Verträglichkeit spielten eine untergeordnete Rolle.

Persönlichkeitstests könnten Menschen identifizieren, die Schwierigkeiten haben, mit Nahrungsmittelallergien zu leben - wie z.B. Personen, die offener für Erfahrungen sind, schreiben die Psychologinnen.

"Es scheint, dass die Anforderungen an den Umgang mit Lebensmittelallergien (Routine, Vorsicht und Konsum der bekannten Lebensmittel) in direktem Konflikt mit einer offenen Persönlichkeit stehen. Dem liegt zugrunde, dass offene Persönlichkeiten nach Erkundung, Vielfalt und neuen Erfahrungen streben", sagt Studienautorin Conner.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Otago; Medical Journal Frontiers in Psychology - https://doi.org/10.3389/fpsyg.2018.00029

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