Psychosomatische Kur Erfahrungen

Psychotherapieformen - Behandlungsmethoden

Antrag für psychosomatische Kur

13.03.2018 Kommentar von Lolly:

Ich hatte lange Gespräche mit meinen Lieben über meinen " Geisteszustand" :D Alle raten mir eine psychosomatische Kur zu beantragen, selbst Arbeitskollegen von mir haben das schon mal zur Sprache gebracht! Ich weiss nicht ob mir das gut tun würde...sind da nicht auch eher richtige Härtefälle? Ich bin so unerfahren diesbezüglich. meine Ma hat mal so eine Kur gemacht und ihr hat es sehr gut getan. Ich würde angeblich mal was anderes sehen und mal Abwechslung haben. Ist es leicht so einen Antrag durchzubekommen?

20.03.2018 Kommentar von rims:

Hallo Lolly :)

Was meinst du denn mit Härtefälle :D Leute mit akuten Psychosen, Suchtproblemen und Suizidale werden da meist nicht aufgenommen. Und Patienten die das Haus nicht mehr verlassen können, trauen sich in der Regel auch in keine Klinik. Aber sind das Härtefälle

Mein letzter Kuraufenthalt war zwar nicht der Bringer, aber grundsätzlich bin ich dafür.

Man ist mal aus seinem Umfeld draussen, man kann mal etwas für sich und seinen Körper tun, ohne dass man weit laufen muss :D

Unterm Strich nehmen die meisten Patienten aber Rüstzeug mit nach Hause und können dort ambulant besser weiterarbeiten.

Was mir vielfach aufgefallen ist in der Gruppentherapie: Angst war immer nur ein Problem der Betroffenen, da gab es noch jede Menge "Persönlichkeitszeugs" was ein zufriedenes Leben erschwerte und sowas kristallisiert sich meist erst im Umgang mit mehreren heraus und fällt ambulant gar nicht auf.

Verlieren kann man jedenfalls nicht viel. Ein guter Antrag geht in der Regel auch durch.

Ich würde mir auf jeden Fall selbst eine psychosomatische Klinik aussuchen und die dann beim Kostenträger durchsetzen. Es wird ja bei hypochondrischen Ängsten angenommen, dass die Aufmerksamkeit auf körperliche Symtome gerichtet wird um den Blick auf tiefergehende Konflikte zu vernebeln.

23.03.2018 Kommentar von Vera:

Hallo Lolly, wenn ich nicht solche Angst vor krankenhausähnlichen Einrichtungen aller Art hätte, für mich ein Problem wäre, nicht jederzeit wegzukönnen, sondern über Wochen zusammen mit anderen etwas machen zu müssen/dürfen, womöglich noch mit jemand anders das Zimmer zu teilen, und ich nicht ein wenig Schiss um meinen Job hätte, dann wäre ich bestimmt, zumindest, bevor ich jetzt meine VT angefangen hätte, in eine solche psychosomatische Kur gegangen.

Und es hätte mir zu gewissen Zeiten, wo ich mich sehr zuhause einigelte, draußen nur noch mit Mühe das Nötigste machte und gerade so zum Teilzeitjob ging, um den Anschein eines normalen Tagesablaufes aufrechtzuerhalten, sicher sehr gut getan.

Derzeit stellt sich, wie gesagt, die Frage für mich nicht, aber, wenn ich du wäre, die Möglichkeit hätte und selber gerne wollte, dann würde ich die Option Kur doch wahrnehmen.

Ich denke, dass der Antrag durchgeht, ist oft nicht so sehr das Problem, ja ich habe gehört, dass die KKs oft eher eine Kur genehmigen als noch eine weiter Therapieverlängerung.

Und ehrlich gesagt, muss ich hier auch gestehen, dass ich damals mich teilweise auch so sehr gegen eine Kur gesträubt habe, denn vor einigen Jahren, als meine Angstkrankheit ganz ganz heftig wurde, ich aus meinem Job herausfiel... wollten das sowohl mein damaliger Arzt, als auch mein Therapeut: nur wollten sie eben für mich nicht nur einige Wochen, sondern gleich ein halbes Jahr oder so, weil sie meinten, dass meine Angst auch wohl eine längere Vorgeschichte habe und das seine Zeit brauche...die Länge der Zeit hat mir total Angst gemacht und ich habe abgelehnt...

weil auch meine Angehörigen sehr gegen eine solche Kur waren, wohl in dem Irrglauben, dass es sich da um eine Art "Klapse" handeln würde...

Heute würde ich mich wahrscheinlich nicht mehr in der Art negativ beeinflussen lassen, sondern denken, wenn ihr nach der Kur nichts mehr mit mir zu tun haben wollt oder mich wegen der Kur anders seht, dann ist das euer Problem und nicht meines.

Und ich habe von anderen gehört, die schonmal auf Kur waren: das es da, wenn man seine Klinik sorgfältig gewählt hat, ziemlich gut sein soll, man wieder mehr zu sich selber finden kann, eine gute Gemeinschaft vorfinden kann und gute Therapeuten und man ein paar große Schritte im Kampf gegen die Angst weiterkommen kann.

Gruß
Vera

12.04.2018 Erfahrung von rims:

im Volksmund sagt man ja gerne, dass Kurkliniken Hotels mit psychologischer Betreuung sind :) Man muss sich aber auch im klaren sein, dass man seine Freizeit nach Therapieende und am WE ( sofern man nicht nach Hause fährt ) selbst gestalten muss. Das macht vielen Leuten Schwierigkeiten und dann drömmeln sie mit ihren Ängsten auf dem Zimmer rum. Nochmal kurz zu den Härtefällen: in fast jeder Klinik werden auch Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung und Ess-Störungen aufgenommen und wenn die anfangen sich selbst zu verletzen oder im Übermass kotzen, dann werden sie oftmals in die nächste Psychiatrie überwiesen, weil der Schutz nicht mehr ausreicht. Das könnte in der Tat etwas ungwohnt sein, damit konfrontiert zu werden .

22.07.2018 Erfahrung von gelika:

Hallo,

letztlich kannst du dies nur selber beantworten/entscheiden.

In der Regel wird gesagt, wenn du für dich selbst oder für Andere eine Gefahr darstellst ist eine stationäre psychosomatische Therapie sinnvoll.

Letztlich kann es dich auch sehr "runterziehen"; also gut überlegen.

Es sollte m.E. nicht als Urlaub o.ä. angesehen werden und wichtig wäre, daß du Einzelgepräche hast; lernst, deinem Körper zu vertrauen etc. In der Richtung kann dir der Hausarzt, ein Therapeut bzw. deine Krankenkasse was zu sagen.

Ansonsten halte ich persönlich eine ambulante Therapie für effektiver. Wie heißt es so schön: der beste Kllinikaufenhalt geht einmal zu Ende und die Probleme sind dadurch nicht aufgehoben .

12.07.2018 Erfahrung von bms:

Es ist ja so, dass man ein gewisses Behandlungsangebot ambulant gar nicht bekommt. In einer psychosomatischen Kur kannst du professionell ein Entspannungsverfahren lernen, Atemtechniken lernen, kannst mittels Sport deine Belastbarkeit erhöhren und und und. In die Klink geht man also dann, wenn es ambulant nicht mehr ausreicht oder der Therapeut hängt und ergänzende Ansätze braucht. (Desto gruseliger man eine Klinik findet, desto wirksamer ist sie vermutlich.

In die Psychiatrie gehst du als Angstpatient auch in der Regel nicht, weil du eigen- oder fremdgefährdet bist, sondern du machst Krisenintervention, wenn du es aufgrund von Ängsten zuhause nicht mehr aushältst und kurzfristig irgendwo hinmusst.

01.09.2018 Erfahrung von lampi:

Hallo,

ich würde die Therapie beantragen. Du kannst so viel mit nach Hause nehmen an unterschiedlichen Therapie- und Entspannungsformen, dass du zu Hause gezielter nach Hilfe suchen kannst. Und du kannst mal los lassen üben, ohne Angst, den Anforderungen deiner Umwelt nicht gerecht zu werden! Mir selbst hat es sehr geholfen und ich würde diese Entscheidung noch mal treffen.

Du wirst feststellen, dass es viele Menschen gibt, denen es schlechter geht, aber auch dass es Menschen gibt, denen es besser geht als dir. Die ersten Tage hatte ich furchtbar Mitleid und es hat mich runtergezogen. Aber dann hab ich gemerkt, dass ich kein schlechtes Gewissen haben brauche, weils mir besser geht. Ich bin nicht die anderen, und nicht für die verantwortlich. Das war für mich ein großer Schritt in die richtige Richtung!

11.11.2018 Erfahrung von rena:

Hallo gelika, ich denke, da verwechselst du was: Psychiatrische Kliniken und psychosomatische Kliniken sind zwei paar verschiedene Stiefel, wobei auch bei ersteren nochmal differeniert werden muss, ob du für dich oder andere eine Gefahr darstellst, dann kommst du auf die geschlossene Abteilung, wenn nicht, dann auf die offene. Und auch die geschlossenen Abteilungen sollen heute oft besser als ihr Ruf sein.

Das was du da geschrieben hast, entspricht irgendwie dem Vorurteil, das durch die uninformierte Bevölkerung geistert und das nicht zuletzt sehr zur Stigmatisierung von Leuten, die den Entschluss getroffen haben, eine psychosomatische Kur zu beantragen oder sich freiwillig, weil sie merken, dass sie mit ihrem Latein am Ende sind, in den Schutz einer psychiatrischen Klinik begeben. also, wenn es akut brennt. Psychosomatische Kliniken nehmen in der Regel keine Akutfälle.

12.01.2019 Erfahrung von gelika:

Hallo,

denke das du alt genug bist und den Unterschied zwischen Psychiatrie und psychosomatischer Klinik kennst ?!

Kenne 2 Leute denen eine psychosomatische Klinik nicht wirklich bzw. garnicht geholfen hat!

17.03.2019 Erfahrung von Lilly:

Ich habe auch eine 6-wöchige psychosomatische Kur hinter mir. Ich kann natürlich hier auch nicht pauschal sagen "machen" oder "nicht machen". Ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten: Ich denke, es ist wichtig, sich zu überlegen, mit welchen Erwartungen man hingeht. Wenn man eine Angststörung hat, die in der Lebensgeschichte begründet ist, ist es vielleicht zu viel erwartet, dass nach 6 Wochen alles anders ist und man sich nie wieder fürchtet. Aber nichts ist unmöglich!

Bei mir war es so, dass ich mich während der 6 Wochen extrem wohlgefühlt habe. Ich bin sehr gut wieder runtergekommen (mir ging es vorher gar nicht gut, konnte vor Angst kaum noch essen, habe wieder mit Sport angefangen. Man war mal unter "Gleichgesinnten", nicht immer das Alien unter den "Normalos".

"Geheilt" wurde ich nicht, aber die Kur bzw. die dort gesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen haben eine Menge in meinem Leben losgetreten: Ich habe angefangen, mich *endlich* von meinen Eltern und ihrem ungesunden Einfluss abzunabeln, ich habe mich von meinem Mann getrennt... ich habe den Sprung ins kalte Wasser endlich gewagt (und auch die Zeit danach mit extremen Ängsten durchgestanden). Ich habe eine Selbsthilfegruppe gegründet, um auch im normalen Leben Kontakt mit Leuten zu haben, die ähnliche Probleme haben. Ich habe meine Prüfungsangst überwunden.

Ich persönlich würde es immer wieder machen. Und wenn es nur deswegen wäre, dass ich dort ganz liebe Freundinnen gefunden habe, die ich nicht mehr missen möchte :-)

16.06.2019 Erfahrung von rim:

Hallo gelika,

wenn man kurz vor der Reha schon keine Lust mehr hat - so wie ich und hier zu lesen - dann bringt das sicherlich nicht viel. Du hast selbst keine Erfahrung mit psychosomatischen Kliniken und wenn ich das als massgeblich nehmen würde, was ich von anderen weiss, dann bringt langfristig gar nix etwas.

ich bin wegen Depris gegangen und wieder auf die Station für posttraumatische Belastungsstörungen wollte und das war ja im Vorfeld schon nicht sehr intelligent.

Andersrum darf man nicht vergessen, dass ich dort mein Neuroleptikum ausgeschlichen habe, was ich mich ambulant nie getraut hätte, also diesen Erfolg kann ich verbuchen, obwohl ich selbst gern über den Aufenthalt ablästere. Und ich habe gesehen dass ich für 7 Wochen aus meinem Umfeld rausgerissen werden kann ohne Ängste zu schieben. Auch eine beruhigende Erfahrung :)

22.06.2019 Erfahrung von ira:

Hi, ich war schon oft in Klinken und sei es nur weil ich Tapetenwechsel brauchte und neue Impulse haben wollte. Ich finde es ist eine optimale Ergänzung zur ambulanten Therapie, weil dem Therapeuten einiges an Arbeit abgenommen wird und er kann sich mehr auf das wesentliche beschränken. Mein Therapeut meinte mal, er würde mich am liebsten zu einer Entspannungsgruppe schicken und zu einer ambulanten Gruppentherapie und das hätte ich ambulant nie geregelt bekommen.

Härtefälle sind für mich Angstpatienten denen der Schutzraum in einer psychosomatischen Kurklinik nicht ausreicht und die massive Angstprobleme bekommen soabld sie auf sich selbst gestellt sind. Da sind zwar Nachtschwestern und ein Bereitschaftsarzt, aber die müssen sich um 200 und mehr Patienten kümmern. Das ist vielen zu heavy also gehen sie gar nicht erst oder kommen an und gehen dann eben wieder. Ich würde sagen mit einer geringfügigen Grundstabilität ist man besser beraten.

Es bleibt zudem jedem selbst überlassen inwieweit er sich in Therapie reinhängt und was er erreichen möchte. Manche brauchen mehr Erholung und andere stellen danach ihr ganzes Leben auf den Kopf.

Wesentlich ist für mich das Behandlungskonzept. In reinen VT-Klinken ist nach meiner Erfahrung das Therapieangebot straffer und es wird erwartet, dass man an den vorgeschlagenen Therapien teilnimmt und muss sogar mit Entlassungskonsequenzen rechnen, wenn man sich darauf nicht einlassen kann. Andere Kliniken überlassen dir die Therapiezusammenstellung selbst bis auf das Pflichtprogramm wie Einzelgespräche und Angstbewältigungsgruppen.

01.07.2019 Erfahrung von gelika:

Hallo,

ich war vor dem eigentlichen Klinikaufenthalt in einer psychosomatischen Klinik; allerdings war ich in einem Zustand wo dies nicht viel gebracht hätte; von daher der Aufenthalt in der Psychiatrie.

Wie ich schon öfters schrieb, wäre es in meiner damaligen Situaiton nicht anders gegegangen! Was gemacht wurde, mir eine Oberdröhnung an Medis zu geben.

Es war wohl o.k. und im Nachgang zu schreiben was ohne Medis gelaufen wäre, wäre spekulativ.

Für was auch immer wir uns entscheiden; ob Fachklinik, psychosomatische Klinik, Medis, Tagesklinik etc. siehst es selber, daß dein Alltag zu Hause stattfindet; wo auch die Probleme/Alltag zu bewältigen sind.

12.07.2019 Erfahrung von herz:

Hallo

Nun möchte auch ich mal etwas dazu sagen.

Ich war des öfteres in Kliniken gewesen während meiner Laufbahn als Angst und panikpatientin. Das aller erstemal war das noch in Bremen gewesen gleich zu Beginn . Dort hatte man mich für offiziell für 2 Wochen in eine Psychosomatischen klinik geschickt. Wie ich dann da angekommen bin, und die Türen zu waren sollten es 3 Monate werden. Davon habe ich 2 Monate durchgehalten, die mir aber absolut nichts gebracht haben

Danach war ich dann nur so in Thera behandlung.

dann war ich in einer Tagesklinik was mir überhauptnichts gebracht hat. Im gegenteil es wurde alles nur noch schlimmer, so das ich in die Psychosomatishe Klinik in Frankfurt gekommen bin. Das war das letzte...ich spreche hier nur von mir und nicht von anderen denn jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht.

Jedenfalls kam ich dan nicht klar und bin dann nach 2 1/2 Monaten auf einer sehr "nette" Art vom Arzt entlassen worden.

Es wurde von Tag zu Tag schlimmer, so das ich im keinen Ausweg mehr gesehen habe als ein Suizidversuch. Der ging daneben also folgten in Gedanken noch ein paar andere. Die Gedanken haben mich dann so verrückt gemacht das ich mit meiner Hausärztin darüber gesprochen habe. Nach langen Gesprcähen und vorallem vielen sind wir beide dnn zu dem Entschluß gekommen das ich in die Klinik gehe um die Medis umzustellen. Tja ich habe zugesagt und so bin ich in die Klinik gefahren.

Da ich ja diese negativ Gedanken hatte, wurde ich auf die geschlossene gebracht. Im ersten Moment habe ich die krise bekommen, aber danach war mir alles egal ich wollte nur noch meine Ruhe haben.

Ich war dann 5 1/2 wochen auf der geschlossenen Station gewesen und ehrlich gesagt möchte ich diese Zeit nicht missen.

Danach bin ich dann in die Tagesklinik gekommen wo ich ja schon einmal ar. Toll dachte ich fängt der Mist nun an.

Kurz und gut...die Tagesklinik hat mir persönlich sehr viel gebracht.

Ich hatte diesesmal eine total andere einstellung gehabt und das war mein Glück, denn so konnte ich diesesmal eine Menge mehr annehmen und verstehen.

Bei jedem Aufenthalt...egal wo...spielt die Einstellung eine große Rolle.

Diese Erfahrung habe ich in all den jahren gemacht

Da leider kein Personal mehr vorhanden war, sind wir ..bis auf 4 Patienten...alle entlassen worden.

Hätte ich die Möglichkeit gehabt, wäre ich heute noch in der Tagesklinik.

Dort habe ich sehr sehr viel gelernt, was ic auch im Alltag dann umsetzen konnte.

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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