Übergewicht (Psyche, Psychosomatik)

Psychosomatik / Somatopsychologie

'Fat-Shaming' verbunden mit Gewichtszunahme, nicht -abnahme

18.09.2014 'Fat-Shaming' (übersetzt etwa: Diskriminierung anderer wegen ihres Übergewichts) ermutigt übergewichtige Erwachsene nicht zum Abnehmen; tatsächlich nehmen so diskriminierte Menschen eher noch zu, laut einer Forschungsstudie des University College London (UCL).

In einer vierjährigen Studie mit 2.944 britischen Erwachsenen nahmen diejenigen, die wegen ihres Gewichts beleidigt, beschimpft oder verunglimpft wurden, etwa ein Kilogramm zu, während jene, die nicht unter 'Fat-Shaming' zu leiden hatten, im Schnitt 0,7 kg abnahmen.

"Unsere Studie zeigt eindeutig, dass die Diskriminierung wegen des Körpergewichts Teil des Problems und nicht die Lösung ist", sagte die leitende Studienautorin und klinische Psychologin Jane Wardle, Direktorin des Cancer Research UK Health Behaviour Centre am UCL.

"Vorurteile wegen des Gewichts sind nicht nur in der Öffentlichkeit verbreitet, sondern auch unter Medizinern, und viele übergewichtige Patienten berichten, dass sie wegen ihres Gewichts von Ärzten respektlos behandelt werden. Alle, Ärzte eingeschlossen, sollten aufhören, Menschen Vorwürfe aufgrund deren Gewichts zu machen oder sie zu diskrimieren. Stattdessen sollten sie Unterstützung anbieten, und gegebenenfalls Behandlung."

Fat-Shaming

Die in Obesity veröffentlichte Forschungsstudie untersuchte die häufig anzutreffende Meinung, dass die Diskriminierung oder 'Fat Shaming" übergewichtige Erwachsene dazu bringt, Gewicht abzunehmen.

Die Forscher fragten die Teilnehmer (im Alter von 50 und älter), ob sie täglich Diskriminierungen aufgrund ihres Gewichts erlebten: respektlos behandelt, in Läden schlechter bedient und belästigt wurden.

Von den 2.944 befragten Teilnehmern berichteten fünf Prozent über Diskriminierung aufgrund ihres Übergewichts. Dies erstreckte sich von weniger als ein Prozent bei jenen in der Kategorie "Normalgewicht" bis zu 36 Prozent in der Kategorie "morbid fettleibig".

Es gab keine größeren Unterschiede zwischen Männern und Frauen hinsichtlich der Diskrimierungen.

"Frühere Studien haben herausgefunden, dass Personen, die Fat-Shaming bzw Diskriminierungen erlebten, Trost im Essen suchen (Frustessen). Durch die Diskriminierung erzeugter Stress kann den Appetit besonders nach ungesunder, energiehaltiger Nahrung steigern. Diskriminierung aufgrund des Übergewichts kann die Betroffenen auch dazu bringen, sich unsicherer hinsichtlich körperlicher Aktivitäten zu fühlen, und sie deshalb zu vermeiden."

© PSYLEX.de - Quelle: University College London / Obesity, Sept. 2014

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