Brustkrebs und PTBS

Psychische Störungen - Traumata

Brustkrebs-Diagnose kann PTBS-Symptome verursachen

23% entwickeln Symptome

02.03.2013 Eine neue Studie berichtet, dass fast 1/4 der Frauen (23 %), die eine Brustkrebs-Diagnose erhielt, bald danach Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung zeigten.

Forscher am Herbert Irving Comprehensive Cancer Center (HICCC) am Medical Center der NewYork-Presbyterian/Columbia Universität, sagten, die Studie sei eine der ersten, die die Symptome von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) nach einer Diagnose mit Brustkrebs erfasst.

"Wir analysierten Interviewantworten von 1.139 Frauen mit jüngst diagnostiziertem Brustkrebs, Stadium I bis III", sagte Alfred I. Neugut, M.D., Ph.D.

Jüngere Frauen anfälliger

Posttraumatische Belastungsstörung nach Brustkrebs-Diagnose
Brustkrebs-Häufigkeit nach Quadranten

"In den ersten zwei bis drei Monaten nach der Diagnose entsprach nahezu ein Viertel von ihnen den Kriterien für PTBS, obwohl die Symptome über die nächsten drei Monate abnahmen. Jüngere Frauen entwickelten wahrscheinlicher Symptome einer PTBS, und die Daten sagen, dass asiatische und schwarze Frauen ein 50 Prozent höheres Risiko als Weiße haben".

Jede Teilnehmerin wurde dreimal übers Telefon interviewt. Das erste war zwei bis drei Monate nach der Diagnose und vor dem dritten Zyklus einer Chemotherapie, wenn die Patientin eine Chemotherapie erhielt. Das zweite Interview war vier Monate nach der Diagnose, und das dritte war sechs Monate nach der Diagnose.

Indentifizieren der Risikofaktoren

"Wenn wir potenzielle Risikofaktoren für PTBS identifizieren können, nachdem Frauen mit Brustkrebs diagnostiziert werden, könnten wir eine frühe Prävention und Intervention anbieten, um PTBS Symptome zu reduzieren. Dieser Ansatz könnte auch eine indirekte Wirkung auf die beobachtete Rassenungleichheit bei Brustkrebsüberlebenden haben".

Zusammenhang mit Prostatakrebs und Lymphomen?

Das Forscherteam glaubt, dass diese Befunde für Patienten mit anderen Krebsdiagnosen auch gelten können.

Neugut bemerkte, dass in früheren Forschungsstudien Symptome von posttraumatischer Belastungsstörung nach Prostatakrebs- und Lymphomdiagnosen berichtet wurden.

Quelle: Journal of the National Cancer Institute, März 2013

Langfristige posttraumatische Symptome durch Mammakarzinom-Diagnose

10.03.2016 Eine in der Zeitschrift Psycho-Oncology veröffentlichte Studie der Ludwig-Maximilians-Universität München hat feststellen können, dass die Brustkrebsdiagnose bei den meisten betroffen Frauen zu Symptomen von PTBS führt.

Das Forscherteam begleitete mehr als 160 Brustkrebspatientinnen über einen Zeitraum von 12 Monaten und verglich die Daten mit 60 nicht mit Krebs diagnostizierten Frauen. In dieser Zeit wurden alle teilnehmenden Frauen an drei verschiedenen Zeitpunkten auf posttraumatische Symptome untersucht.

mammographie

Es waren nur Frauen mit nicht-metastasiertem Mammakarzinom über diagnostische Interviews befragt worden, und Frauen mit psychischen Vorerkrankungen wurden ausgeschlossen, so dass die Daten die Situation eher 'beschönigen'.

Die Forscher stellten fest, dass 82,5% aller Brustkrebspatientinnen vor Behandlungsbeginn Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung - wie z.B. ständiges (zwanghaftes) Grübeln über die Erkrankung, emotionale Leere, leichte Reizbarkeit mit Wutanfällen und Schreckhaftigkeit zeigten.

Eine voll ausgebildete PTBS hatten ein Jahr später nur 2% dieser Frauen, doch immer noch litten 57,3% unter Posttrauma-Symptomen.

40% der Teilnehmerinnen hielten die Erfahrung der Brustkrebsdiagnose im Vergleich zu vorherigen anderen traumatischen Erfahrungen auch für die schlimmere, sagte Studienautorin Dr. Kerstin Hermelink.

Welche Faktoren nehmen Einfluss?

Laut Hermelink scheint die Operationsart (Chemotherapie oder nicht) keine Rolle dabei zu spielen, ob eine Patientin Symptome entwickelte oder nach einem Jahr noch zeigte.

Einen positiven Einfluss hatte aber wohl die Bildung der Patientin: "Offenbar ist Bildung ein Marker für Ressourcen, die es erlauben, sich schneller von der psychischen Belastung durch eine Krebsdiagnose wieder zu erholen", sagte sie.

Sie wies auch darauf hin, dass die neue Version des DSM lebensbedrohliche Erkrankungen nicht mehr als mögliche Trigger für PTBS aufführt. Das hält Hermelink für falsch: "Ärzte sollten sich bewusst sein, dass nach einer Brustkrebs-Diagnose ein Großteil der Patientinnen posttraumatische Belastungssymptome entwickelt und eine entsprechende Unterstützung benötigt."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Ludwig-Maximilians-Universität München, Psycho-Oncology; März 2016

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