Posttraumatische Belastungsstörung und Krebs

PTBS: Risikofaktor für Krebs?

14.05.2015 In der bislang größten Studie untersuchte ein Forscherteam der Boston University Posttraumatische Belastungsstörung als Risikofaktor für Krebs.

Kein Zusammenhang zwischen stressenden Lebensereignissen und Krebsinzidenz

Die in der Zeitschrift European Journal of Epidemiology präsentierte Studie stimmt mit anderen populationsbasierten Studien überein, die generell keinen Zusammenhang zwischen stressenden Lebensereignissen und der Krebsinzidenz (Anzahl der Neuerkrankungen) fanden.

Es wurden nicht nur die Ergebnisse der anderen Studien bestätigt, die große Bevölkerungsstichprobe erlaubte auch wichtige geschichtete Analysen, die keine starken Belege für eine Verbindung selbst unter ausgewählten Gruppen der Bevölkerung zeigten.

Ein möglicher Zusammenhang zwischen Stress und Krebs wird seit mehr als 70 Jahre in der wissenschaftlichen Literatur erörtert. Trotz plausibler Theorien, die diese Verbindung unterstützen würden, waren die Befunde aus klinischen Forschungsarbeiten bislang im besten Falle widersprüchlich.

Die Bostoner Forscher verglichen die Raten verschiedenen Krebsdiagnosen bei Personen mit PTBS mit der genormten Krebsrate der allgemeinen Bevölkerung derselben Zeitperiode.

Sie benutzten die Daten der dänischen nationalen medizinischen und sozialen Melderegister; die Daten waren somit ausgesprochen zuverlässig. Sie stellten fest, dass PTBS nicht mit einem erhöhten Risiko für Krebs verbunden war.

Plausibel aber nicht zutreffend

"Die Allgemeinheit mag die Vorstellung haben, dass Stress zum Auftreten von Krebs beiträgt. Und angesichts der Verbreitung von PTBS und Krebs und deren Lasten für die Individuen und die Gesellschaft könnten alle feststellbaren Verbindungen deutliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben", erklärte Autor Jaimie L. Gradus. "Diese Studie zeigt jedoch keinen Hinweis darauf, dass schwerwiegende chronische Stressstörungen wie PTBS mit der Inzidenz von Krebs verbunden sind.

Laut den Forschern ermöglichten die große Probe (dänische Bevölkerung; PTBS-Diagnosen = 4.131) und die lange Studiendauer (1995 bis 2011), Verbindungen zu überprüfen, die zuvor nicht untersucht wurden. Sie waren in der Lage, seltene Krebsergebnisse und Verbindungen wichtiger Subgruppen anzusehen; es wurden jedoch keine Zusammenhänge gefunden.

Überprüft wurden

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Boston University, European Journal of Epidemiology; Mai 2015

PTBS nach der Krebs-Diagnose

20.11.2017 Eine kürzlich durchgeführte Studie ergab, dass etwa ein Fünftel der Patienten mit Krebs mehrere Monate nach der Diagnose eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zeigten, und viele dieser Patienten litten auch noch Jahre später unter dieser psychischen Störung.

Die Ergebnisse demonstrieren die Notwendigkeit einer frühzeitigen Erkennung, sorgfältigen Überwachung und Behandlung von posttraumatischen Stressstörungen nach der Krebsdiagnose, schreiben die Wissenschaftler.

Nach der Diagnose einer Krebserkrankung

Obgleich PTBS hauptsächlich dafür bekannt ist, sich bei Personen nach einem traumatischen Ereignis wie einem schweren Unfall oder einer Naturkatastrophe zu entwickeln, kann die Störung auch bei Krebspatienten auftreten.

krebs Posttraumatische Belastungsstörung
Bild: PDPics (pixabay)

Dr. Caryn Mei Hsien Chan von der National University of Malaysia und ihre Kollegen untersuchten 469 Erwachsene mit verschiedenen Krebsformen innerhalb eines Monats nach der Diagnose in einem onkologischen Referenzzentrum. Die Patienten wurden sechs Monate und vier Jahre danach noch einmal untersucht.

Häufiges komorbides Auftreten

Die klinischen Auswertungen ergaben eine PTBS-Häufigkeit von 21,7% nach sechs Monaten, wobei die Rate nach 4 Jahren auf 6,1% zurückging.

Obwohl die Gesamtraten für PTBS mit der Zeit abnahmen, stellte sich heraus, dass etwa ein Drittel der Patienten, die anfänglich mit posttraumatischer Belastungsstörung diagnostiziert worden waren, vier Jahre später anhaltende oder sich verschlimmernde Symptome aufwiesen.

Psychische Einstellung

Viele Krebspatienten glauben, dass sie eine 'Kriegermentalität' annehmen müssen und bleiben von der Diagnose bis zur Behandlung positiv und optimistisch, um eine bessere Chance zu haben, ihren Krebs zu besiegen.

Für diese Patienten ist die Suche nach Hilfe für die emotionalen Probleme, mit denen sie konfrontiert sind, vergleichbar mit dem Eingeständnis von Schwäche, sagte Dr. Chan.

Es sollte ein größeres Bewusstsein dafür geben, dass nichts falsch daran ist, Hilfe bei der Bewältigung der emotionalen Umwälzungen zu bekommen - insbesondere bei Depressionen, Angstzuständen und PTBS nach Krebs.

Angst vor Rückkehr des Krebses und möglichen Folgen

Dr. Chan betonte auch, dass viele Patienten in der Angst leben, dass ihr Krebs zurückkommen kann, und mit jedem Knoten oder jeder Beule, Schmerz oder Qualen, Müdigkeit oder Fieber vermuten sie dann auch oft, dass der Krebs wieder da ist.

Auch können Patienten Besuche bei ihrem Onkologen oder anderen Ärzten auslassen, um das Auslösen von Erinnerungen an frühere Krebserfahrungen zu vermeiden. Dies kann Hilfe und Behandlung bei neuen Symptomen oder sogar eine Verweigerung der Behandlung bei nicht miteinander verbundenen Erkrankungen nach sich ziehen, sagte sie.

Unterstützung bei Brustkrebs

Die Studie der Forscher fand auch, dass, verglichen mit Patienten mit anderen Krebsformen, Patientinnen mit Brustkrebs eine 3,7-fach geringere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von PTBS nach sechs Monaten hatten, jedoch nicht nach vier Jahren.

Dies könnte nach Meinung der Forscher daran leigen, dass es am medizinischen Zentrum, wo die Studie stattfand, ein spezielles Programm zur Unterstützung und Beratung vor allem für Brustkrebspatientinnen innerhalb des ersten Jahres nach der Krebsdiagnose gab.

"Wir brauchen psychologische Evaluierungs- und Unterstützungsdienste für Krebspatienten im Anfangsstadium und in der Folgephase, denn psychisches Wohlbefinden und psychische Gesundheit - und damit verbunden die Lebensqualität - sind genauso wichtig wie die körperliche Gesundheit", sagte Dr. Chan im Fachblatt CANCER.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: National University of Malaysia; CANCER - DOI: 10.1002/cncr.30980; Nov. 2017

PTBS kann bei Krebspatienten die Symptom-Belastung erhöhen

27.06.2018 Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) unter hospitalisierten Patienten mit Krebs sind mit einer größeren psychischen und körperlichen Symptombelastung verbunden laut einer in Cancer veröffentlichten Forschung.

Dr. Ryan D. Nipp vom Massachusetts General Hospital Cancer Center in Boston und Kollegen untersuchten die Beziehungen zwischen PTBS-Symptomen, der physischen und psychischen Symptombelastung und dem Risiko für Krankenhauswiederaufnahmen bei 954 Krebs-Patienten, die von August 2015 bis April 2017 für einen ungeplanten Krankenhausaufenthalt aufgenommen wurden.

Höhere PTBS-Werte

Die Forscher fanden heraus, dass 13,3 Prozent der Patienten positiv auf PTBS-Symptome untersucht wurden. Die 90-Tage-Krankenhauswiederaufnahmequote lag bei 38,9 Prozent.

Höhere PTBS-Werte wurden bei Patienten mit jüngerem Alter, weiblichem Geschlecht, größeren Komorbiditäten und Urogenitalkrebs beobachtet.

Symptombelastung

Es gab einen Zusammenhang zwischen den PTBS-Symptomen der Patienten und den körperlichen Symptomen, der gesamten Symptombelastung, Depression und Angstsymptomen.

PTBS-Symptome waren mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit für Krankenhauswiederaufnahmen verbunden (Hazard Ratio 0,81).

Interventionen zur Behandlung der PTBS-Symptome von Patienten sind notwendig und sollten ihre körperliche und psychische Symptombelastung berücksichtigen, schreiben die Autoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Cancer - https://doi.org/10.1002/cncr.31576

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