Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS):
Schlafentzug bei Trauma

Psychische Störungen - Traumata

Schlafentzug kann Risiko von PTBS reduzieren

Schlafentzug in den ersten Stunden nach einem besonders stressenden Ereignis kann das Risiko von posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS) reduzieren, laut einer neuen Studie mit Ratten.

Forscher entdeckten nach einer Reihe von Versuchen, dass der Entzug von etwa sechs Stunden Schlaf, direkt nach einem traumatischen Ereignis, die Entwicklung von PTBS Reaktionen reduzieren kann.

Die Schlussfolgerung: Schlafentzug, die ersten Stunden nach dem Trauma, könnte eine wichtige und rasche Intervention sein, eine PTBS gar nicht erst entstehen zu lassen, sagen die Forscher.

Etwa 20 Prozent der Menschen, die ein schwerwiegendes traumatisches Ereignis erlebt haben, wie einen Autounfall, einen Terroranschlag oder Krieg können nicht mehr ihr normales Leben weiterführen.

In den Versuchen zeigten Ratten, die man nicht schlafen ließ, nachdem sie einem Trauma ausgesetzt worden waren, ein Verhalten, das darauf schliessen ließ, dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnten. Sie waren dem Geruch eines Raubtieres ausgesetzt worden.

Schlaf lässt erinnern

Eine Kontrollgruppe der Ratten, die nach dem Trauma schlafen durfte, erinnerte sich weiterhin, wie ihr posttraumatisches Verhalten zeigte.

"Wie bei Menschen, die schwerwiegenden traumatischen Erlebnissen ausgesetzt waren, zeigten 15 bis 20 Prozent der Tiere posttraumatische Belastungsstörungen", sagte Cohen. "Wir glauben, dass dies ein Durchbruch in der biomedizinischen Forschung sein dürfte".

Eine Pilotstudie mit Menschen wird gegenwärtig geplant, fügte er hinzu.

Die neue Studie wurde in der internationalen wissenschaftlichen Zeitschrift, Neuropsychopharmacology, herausgegeben.

Quelle: Neuropsychopharmacology. Juli 2012

Schlafentzug kann Erinnerungen an traumatisches Erlebnis verringern

Schlafdeprivation (Schlafentzug) kann Menschen daran hindern, ihre Erinnerungen an ein erfahrenes Trauma im Schlaf zu konsolidieren (festigen), und so das Erleben von sogenannten Flashbacks reduzieren laut einer neuen Studie der Universität Oxford.

Intrusive Erinnerungen

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Bild: Gerd Altmann

Die im Wellcome Trust-funded Sleep and Circadian Neuroscience Institute (SCNi) durchgeführte und der Zeitschrift Sleep veröffentlichte Studie untersuchte, welche Auswirkungen emotional aufwühlende Videoclips bei Freiwilligen hatten, die nach dem Anschauen der Clips unterschiedlich lang schliefen.

Die Forscher wollten sehen, welche Wirkung Schlafentzug auf die Entwicklung von intrusiven Erinnerungen hat - die in einem klinischen Setting Flashbacks genannt werden (Wiedererinnern und Wiedererleben von psychotraumatischen Ereignissen).

Schlafentzug vs. normaler Schlaf

Nach dem Zeigen des Film mit traumatischen Szenen - als Analogon zu einem Trauma - schliefen die Teilnehmer entweder verkürzt im Schlaflabor oder sie gingen nach Hause, um dort normal zu schlafen.

Jeder Teilnehmer führte ein Tagebuch, worin alle intrusiven Erinnerungen an den Film aufgezeichnet wurden.

Die Teilnehmer, die im Labor weniger geschlafen hatten, berichteten über deutlich weniger Flashbacks als diejenigen, die normal zu Hause schliefen.

Manchmal ist Erinnern nicht hilfreich

Beide Gruppen erfuhren in den ersten beiden Tagen mehr intrusive Gedanken, die dann in den folgenden Tagen abnahmen, sagte Dr Katharina Wulff vom SCNi. Wir wissen, dass Schlaf die Merkfähigkeit einschließlich des emotionalen Gedächtnisses verbessert, aber manchmal ist das Erinnern nicht hilfreich, erklärte sie.

Es ist immer noch üblich, Patienten nach einem traumatischen Ereignis Beruhigungsmittel zu geben, damit sie besser schlafen können, obwohl dies bei sehr traumatisierten Menschen der falsche Ansatz ist, sagte Koautorin Dr Kate Porcheret.

Wir brauchen unbedingt weitere Studien, um herauszufinden, wie unsere Reaktionen auf psychologische Traumata durch Schlaf bzw. Schlafentzug beeinflusst werden, schloss sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University of Oxford, Sleep; Juni 2015

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