Infektionen durch posttraumatischen Stress

Psychotraumata - Psychosomatik

Psychosomatik: Stressbedingte Störungen sind mit einem späteren Risiko für schwere Infektionen verbunden

28.10.2019 Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und andere Stress- bzw. psychotraumatische Störungen sind mit einem späteren Risiko lebensbedrohlicher Infektionen wie Meningitis und Sepsis verbunden laut einer in BMJ veröffentlichten Studie.

In einer früheren ähnlichen Studie fanden die Autoren einen Zusammenhang zwischen stressbedingten psychischen Störungen und dem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Schlechtere Immunabwehr

Trauriger Mann
Bild: George Hodan

Die Belege deuten auch darauf hin, dass psychischer Stress die Anfälligkeit für Infektionen durch eine verminderte Immunabwehr erhöhen könnte, aber die Daten über schwere lebensbedrohliche Infektionen wie Sepsis und Meningitis sind begrenzt.

Um diese Wissenslücke zu schließen, hat ein internationales Forscherteam um Huan Song von der Universität Island anhand schwedischer Bevölkerungs- und Gesundheitsregister untersucht, ob schwere psychiatrische Reaktionen auf Traumata und andere Schicksalsschläge mit einem späteren Risiko für lebensbedrohliche Infektionen verbunden sind.

Sie verglichen die Infektionsraten von 144.919 Patienten, bei denen eine stressbedingte Erkrankung (PTBS, akute Stressreaktion, Anpassungsstörung und andere Stressreaktionen) diagnostiziert wurde, mit 184.612 nicht betroffenen Vollgeschwistern dieser Patienten und weiteren 1.449.190 nicht betroffenen Individuen aus der allgemeinen Bevölkerung.

Erhöhte Infektionsanfälligkeit

Zu den Infektionen gehörten Sepsis, Endokarditis (Infektion der Herzinnenhaut), Meningitis oder andere Infektionen des zentralen Nervensystems. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose einer stressbedingten Erkrankung betrug 37 Jahre, und die Teilnehmer wurden durchschnittlich acht Jahre lang beobachtet.

Während der Nachbeobachtung lagen neue Fälle von lebensbedrohlichen Infektionen pro 1.000 Personenjahre bei 2,9 bei Patienten mit einer stressbedingten Erkrankung vor - verglichen mit 1,7 bei nicht betroffenen Geschwistern und 1,3 bei nicht betroffenen Personen aus der Allgemeinbevölkerung.

Jüngeres Alter und Drogenabhängigkeit

Nach der Kontrolle der Familiengeschichte und anderer körperlicher oder psychiatrischer Erkrankungen konnten stressbedingte Störungen mit allen untersuchten Infektionen in Verbindung gebracht werden, wobei das höchste relative Risiko für Meningitis (63% erhöhtes Risiko) und Endokarditis (57% erhöhtes Risiko) im Vergleich zu nicht betroffenen Geschwistern bestand.

Ein jüngeres Alter bei Diagnose und Vorhandensein anderer psychiatrischer Erkrankungen, insbesondere von Drogenabhängigkeit, war mit einer weiteren Erhöhung des Risikos verknüpft, während der Einsatz von selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) Antidepressiva im ersten Jahr nach der Diagnose eine schützende Wirkung zu haben schien.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: The BMJ, DOI: 10.1136/bmj.l5784

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