Schizophrenie: Marihuana, Cannabis

Psychische Krankheiten - Schizophrene Störungen

Marihuana verschlimmert Schizophrenie

Marihuanagebrauch scheint Schizophrenie-Symptome zu verschlechtern.

Neue Forschungen zeigen, dass wenn mit Schizophrenie diagnostizierte Personen Marihuana verwenden, sie ein gesteigertes 'High' erfahren, aber die Psychose-Symptome der Schizophrenie können sich innerhalb von Stunden verschlechtern.

Symptome

Schizophrenie ist eine psychische Krankheit, bei der Patienten Symptome, wie:

Bis zu 1% Prozent der Bevölkerung wird mit Schizophrenie diagnostiziert. Es gibt keine bekannte einzelne Ursache, aber sowohl Genetik als auch chemische und strukturelle Veränderungen im Gehirn können zur Entwicklung der Krankheit beitragen. Die Behandlung schließt Psychopharmaka und Therapie ein.

Dr. Cecile Henquet, Expertin in sowohl der Studien zu Marihuana-Gebrauch als auch Psychosen vom Maasstrict University Medical Center in den Niederlanden und ein Team von Forschern, verglichen eine 42-Personen-Gruppe von Schizophrenen, die täglich Cannabis einnahmen, mit 38 Personen ohne psychische Störung. Die Studienteilnehmer wurden zwölfmal pro Tag an sechs Tagen gefragt, was sie taten, und wie sie sich fühlten.

Dr. Henquets Ergebnisse sind in der Juniausgabe des British Journal of Psychiatrys herausgegeben worden.

Mehr Halluzinationen, Psychosen

Sofort nach dem Verwenden des Marihuanas erfuhren die schizophrenen Patienten eine verbesserte Stimmung und ein wohltuendes Gefühl, fühlten sich bedeutend besser als die gesunden Teilnehmer. Jedoch hatten die schizophrenen Patienten mehrere Stunden später

Es wird vermutet, dass die für die verschlechterten Symptome verantwortliche chemische Substanz Delta-9-tetrahydrocannabinol ist, weithin als THC bekannt.
Vorherige Forschungen haben gezeigt, dass Konsum von Marihuana durch Personen mit einem Risiko für psychische Krankheiten,

auslösen kann.

Schlechteres Gedächtnis, Reaktion auf Psychopharmaka

Schizophrene Konsumenten von Cannabis sprachen auch auf Psychopharmaka schlechter an und hatten ein schlechteres Gedächtnis.

Im Jahr 2005 gab Dr. Henquets Team einen Bericht im British Medical Journal heraus, in welchem 2.437 Personen im Alter zwischen 14 und 24 vier Jahre untersucht wurden. Der Zweck der Studie war zu bestimmen, ob die Personen, die Risikofaktoren für eine Psychose hatten, wahrscheinlicher psychotische Symptome erfahren beim Konsum von Marihuana. Obwohl der Konsum von Cannabis Psychosen bei gesunden Personen verursachen kann, hatten Personen mit einem Risikofaktor tatsächlich mehr psychotische Symptome nach der Verwendung von Marihuana.

Zusätzliche Forschungen von Henquet zeigten, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle bei dieser Neigung spielen.

Selbstmedikation gegen die Symptome

Viele Forscher haben postuliert, dass schizophrene Patienten hohe Raten von Marihuana-Konsum in Folge einer 'Selbstmedikation' gegen Symptome, wie depressive Stimmung, ungeordnetes Denken, Halluzination und Wahnvorstellungen zeigen. Henquets letzte Befunde bestätigen diese Theorie dadurch, dass Patienten mit Schizophrenie eine unmittelbare Verbesserung bezüglich der Stimmung erfahren, die ausgeprägter als bei gesunden Personen ist. Auf diese Weise liefert der Konsum von Marihuana ein starkes unmittelbares Wohlgefühl.

Teufelskreislauf zwischen Symptomen, Depressivität und Marihuana

Leider erscheinen innerhalb von Stunden Symptome, wie depressive Stimmung, und führen zu einem Teufelskreislauf des Missbrauchs und veranlassen die Patienten, mehr Marihuana zu nehmen.

Henquets Befunde erhellen diesen Zyklus des Missbrauchs und können Therapeuten Einblick in die Gründe / Ursachen geben, warum schizophrene Patienten hohe Raten bei dem Konsum von Marihuana haben. Es kann sein, dass neue therapeutische Eingriffe nicht nur Patienten raten, die negativen Folgen des Drogengebrauchs zu berücksichtigen, sondern auch die positiven Wirkungen zu bestätigen. Patienten können dann die Nutzen aber auch die 'Kosten' des Marihuana-Gebrauchs besser einschätzen.

Quelle: British Journal of Psychiatrys, Juni 2010

Marihuana verursacht nicht Schizophrenie

13.12.2013 Eine Studie der Harvard Medical School hat herausgefunden, dass das Rauchen von Marihuana nicht Ursache für Schizophrenie sein dürfte; frühere Studien sahen eine solche Verbindung.

"Die Ergebnisse der aktuellen Studie sagen, dass die zugrundeliegende Ursache für Schizophrenie im erhöhten familiären Risiko zu suchen ist, egal ob man Cannabis zu sich nimmt oder nicht.

Marihuana verursacht keine Schizophrenie
Getrocknete, weibliche Blüten - Jamaikanisches Ganja

Die Forscher untersuchten 282 Personen, die sie in vier Gruppen einteilten:

  1. Kontrollteilnehmer ohne psychotische Krankheit, ohne Cannabis- oder Verwendung anderer Drogen in ihrem Leben;
  2. Kontrollteilnehmer ohne psychotische Erkrankung, aber mit einer Geschichte starken Cannabiskonsums in der Jugend (doch kein Konsum anderer Drogen);
  3. Schizophrene Patienten, die nicht Marihuana oder andere Drogen einnahmen und weniger als 10 Jahre erkrankt waren;
  4. Schizophrene Patienten mit starkem Marihuanakonsum (aber keine anderen Drogen) in ihrer Jugend und vor dem Beginn der ersten Psychose.

Ursachen eher im familiären Risiko

Es wurden die Informationen der Verwandten ersten, zweiten und dritten Grades, sowie über jeden Verwandten, der jemals eine psychiatrische Erkrankung hatte, zusammengetragen. Die Studie sammelte Informationen zum Cannabiskonsum, und zur Familiengeschichte hinsichtlich Schizophrenie, bipolare Störung, Depression und Drogenmissbrauch.

Nach der Analyse der Erkrankungsrisiken und des Auftretens in den Familien, ergaben die Befunde, dass das Familienrisiko und nicht der Cannabiskonsum, für ein erhöhtes Schizophrenie-Risiko verantwortlich ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Harvard Universität Medical School, Dez. 2013

Cannabis und Schwere der Schizophrenie

15.04.2013 Eine neue Studie ergab, dass Cannabis-konsumierende Schizophrenie-Patienten längere Krankenhausaufenthalte und eine höhere Rate von Krankenhaus-Wiederaufnahmen vorweisen.

Schwerere Form der Schizophrenie

Sie zeigten oft auch einen schwereren Typ von Schizophrenie, laut Peter Allebeck, Professor für Sozialmedizin am Karolinska Institut in Stockholm, Schweden.

Für die Studie wurden die medizinischen Unterlagen und psychologischen Interviews von 50.087 männlichen schwedischen Armeerekruten (im Alter von 18 bis 19 Jahre) untersucht.

Am Ausgangsniveau gab es keine statistisch bedeutenden Differenzen zwischen Cannabis-Benutzern und Nichtbenutzern in Bezug auf psychiatrische Diagnosen.

Von den 50.087 Teilnehmern konsumierten 5.391 Cannabis. Bei den Nachtests waren 350 Patienten mit Schizophrenie diagnostiziert worden, und von diesen verwendeten 58 Cannabis.

Cannabis und Schwere der Schizophrenie
Cannabis Pflanze

Krankenhausaufenthalt

Die Aufenthaltsdauer während der ersten Krankenhausaufnahme war bei Cannabis-Konsumenten fast zweimal so lang wie für Nicht-Konsumenten (59 Tage vs 30 Tage). Ein Drittel der Benutzer (34 Prozent) waren für mehr als 90 Tage im Krankenhaus. Wobei nur 20 Prozent der Nichtbenutzer so lange hospitalisiert waren.

Cannabisbenutzer hatten einen Median von 10 Wiedereinweisungen verglichen mit 4 bei Nichtbenutzern. Fast ein Drittel der Cannabisbenutzer hatten mehr als 20 Wiedereinweisungen 29 Prozent vs 10 Prozent bei Nichtbenutzern.

Diejenigen, die Schizophrenie nach dem Cannabis-Konsum zeigten, hatten einen Median von 547 Krankenhausaufenthaltstagen verglichen mit 184 bei Nichtbenutzern.

Risiko wird durch Cannabis erhöht

Das Risiko für eine Wiederaufnahme lag nach der ersten Einweisung wegen Schizophrenie ebenfalls bei ungefähr dem dreifachen für die Cannabis-User, sagte Allebeck.

Schizophrenie verursacht oder beigetragen durch Cannabis ist schwerwiegender als Schizophrenie im Allgemeinen ist, schloss er.

Patienten mit Cannabis-Geschichte scheinen schwerwiegendere und beharrlichere Schizophrenie zu haben, wie sich bei Dauer der ersten Aufnahme, gesamter Dauer der Krankenhaustage, Anzahl der Wiederaufnahmen zeigt.
Und dies sind natürlich harte Maße hinsichtlich Schweregrad und Prognose.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Karolinska Institut in Stockholm, April 2013

Studie entdeckt kausale Verbindungen

20.12.2016 Menschen mit einem größeren Risiko für die Entwicklung von Schizophrenie rauchen auch eher Marihuana laut einer Studie der Universität Bristol. Aber die Forscher fanden auch eine kausale Verbindung zwischen dem Probieren der Droge und einem erhöhten Risiko für die Erkrankung.

Form von Selbstmedikation

Die aktuelle Studie zeigt zwar, dass Cannabis ein unterstützender Faktor für das Auftreten von Schizophrenie ist, doch die Wissenschaftler fanden überraschenderweise heraus, dass es stärkere Belege für das Gegenteil gibt: Die Droge wird wohl eher als eine Form von Selbstmedikation benutzt (ähnlich wie der Konsum von Nikotin bzw. das Rauchen).

Die Belege können keine genaue Effektgröße nennen, sie legen aber nahe, dass die Verbindung tatsächlich kausaler Natur ist, und weniger auf gemeinsamen oder zugrundeliegenden Risikofaktoren basiert, sagte Studienautorin Dr. Suzi Gage.

Mendelsche Randomisierung

Die Studie untersuchte mit Hilfe von Techniken der Mendelschen Randomisierung Daten von genomweiten Zusammenhangsstudien. Die Mendelsche Randomisierung (MR) ist eine Form von instrumenteller variabler Analyse, die genetische Varianten berücksichtigt, die entweder das Cannabis-Risiko oder die Wahrscheinlichkeit einer sich entwickelnden Schizophrenie voraussagen.

MR wurde als eine Alternative zur traditionellen beobachtenden Epidemiologie verwendet, um andere Varianten zu erfassen, die verantwortlich für eine Verbindung sein könnten, vorausgesetzt, dass Marihuana-rauchende Personen sich in verschiedener Weise von nicht-rauchenden unterscheiden.

Kausalität

Dr. Gage erläuterte in der Zeitschrift Psychological Medicine: Auch wenn das Forscherteam stärkere Belege dafür fand, dass das Schizophrenie-Risiko den Cannabis-Konsum vorraussagte - als für die umgekehrte Kausalität; so schließt dies jedoch nicht das kausale Risiko des Marihuana-Konsums für Schizophrenie aus.

Interessant werden Untersuchungen von Subgruppen der Cannabis-Konsumenten sein, die möglicherweise ein größeres Risiko haben, um herauszufinden, welchen Einfluss ein starker Konsum der Droge hat, sagte sie.

In dieser Studie untersuchten die Forscher nur die Initiierung - den Beginn, sagte sie. Was aber wirklich bei der Forschung helfen würde, wäre der Einsatz von genetischen Varianten, die die Schwere des Konsums vorausbestimmen könnten. Denn es sieht so aus, als ob ausgeprägter Cannabis-Konsum am stärksten mit dem Schizophrenierisiko verbunden ist.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Bristol, Psychological Medicine - DOI: 10.1017/S0033291716003172; Dez. 2016

Cannabiskonsum und Schizophrenierisiko: Mendelsche Randomisierung

24.01.2017 Eine weitere Studie untersuchte die Verbindung zwischen Cannabiskonsum und dem Schizophrenierisiko mit Hilfe der sogenannten Mendelschen Randomisierung.

Das internationale Forscherteam unter der Leitung der Universität Lausanne benutzte 10 unabhängige genetische Varianten, die zuvor mit Marihuana-Konsum bei 32.330 Personen identifiziert worden waren, um die Art der Verbindung zwischen dem Konsum von Cannabis und dem Risiko für die Entwicklung einer Schizophrenie zu bestimmen.

Die genetischen Varianten wurden als Instrumente zur Rekapitulation einer randomisierten kontrollierten Studie eingesetzt, in der zwei Gruppen (Cannabisbenutzer und Nichtnutzer) untersucht wurden, um den ursächlichen Effekt von Cannabiskonsum auf das Schizophrenierisiko in 34.241 Fällen und 45.604 Kontrollen überwiegend europäischer Abstammung abzuschätzen.

Die genetisch abgeleiteten Schätzungen wurden mit einer Metaanalyse von Beobachtungsstudien verglichen, in denen der Konsum von Marihuana und das Risiko für schizophrene Erkrankungen überprüft wurde.

Resultate

Basierend auf dem genetischen Ansatz war Cannabiskonsum mit einem erhöhten Schizophrenierisiko verbunden (Odds Ratio 1,37; d.h. Cannabiskonsumenten hatten im Vergleich zu den Kontrollteilnehmern ein um 37% erhöhtes Risiko für die Entwicklung der psychischen Erkrankung).

Die entsprechende Schätzung aus der Beobachtungsanalyse betrug 1,43. Die genetischen Marker zeigten keinen Hinweis auf pleiotrope (Gen betreffend, das mehrere phänotypische Merkmale beeinflusst) Effekte, und der mögliche Störfaktor Tabak änderte nichts an der Verbindung.

"Diese robusten Resultate ergänzen die zahlreichen Studien auf diesem Gebiet und zeigen, dass die Verbindung zwischen Cannabiskonsum und einem erhöhten Schizophrenierisiko eine ursächliche ist", schreibt Studienautor Julien Vaucher im Fachblatt Molecular Psychiatry, der damit auch auf die Risiken der Droge hinweisen möchte.

Die Studie konnte nicht das Risiko in Bezug zur konsumierten Menge, Art des Marihuanas, Verabreichungsform oder Konsumentenalter bestimmen, sagten die Wissenschaftler um Vaucher und B. J. Keating.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Lausanne, Molecular Psychiatry - doi: 10.1038/mp.2016.252; Jan. 2017

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