Schizophrenie: Geschlechtsspezifische Unterschiede

Die neurobiologischen Mechanismen der Schizophrenie könnten vom Geschlecht abhängen

03.09.2019 Die neurobiologische Pathophysiologie der Schizophrenie unterscheidet sich deutlich zwischen Männern und Frauen laut einer in Nature Communications veröffentlichten Studie.

Geschlechtsspezifische Gene

Die Ergebnisse deuten auf einen möglichen Bedarf an geschlechtsspezifischeren Behandlungen bei Schizophrenie hin. Die Studie ist die erste, die eine Reihe von geschlechtsspezifischen Genen im Zusammenhang mit Schizophrenie unter Verwendung von Neuronen aus induzierten pluripotenten Stammzellen identifizierte.

Die von der University of Eastern Finland, der University of Helsinki und dem Karolinska Institutet koordinierte Studie untersuchte die Unterschiede in der Gen- und Proteinexpression in Neuronen von identischen Zwillingen, die für schizophrene und gesunde Teilnehmer nicht übereinstimmten - sowie zwischen Männern und Frauen. Die Forscher verwendeten die Technologie der induzierten pluripotenten Stammzellen, bei der Neuronen aus pluripotenten Stammzellen aus den Hautzellen der Studienteilnehmer erzeugt wurden.

Krankheitsspezifische Veränderungen in Neuronen

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Bild: Gerd Altmann

Schizophrenie tritt typischerweise nach der Pubertät auf. Hunderte von Genen tragen bekanntlich zum Risiko einer Schizophrenie bei, aber die neurobiologischen Mechanismen, die zum Ausbruch der Krankheit führen, sind wenig bekannt.

In der vorliegenden Studie konnten die Forscher krankheitsspezifische Veränderungen in Neuronen identifizieren, indem sie Zellen aus monozygoten, genetisch identischen Zwillingspaaren verglichen haben, von denen ein Geschwister an Schizophrenie erkrankt und das andere gesund war.

Veränderungen in mehreren neuronalen Signalbahnen

Schizophrenie war mit Veränderungen in mehreren Signalbahnen verbunden, wie z.B. dem Stoffwechsel von Glykosaminoglykanen und Neurotransmittern und der GABAergen Synapse. Allerdings wurde ein großer Teil der mit Schizophrenie verbundenen Gene in den Zellen von Männern und Frauen unterschiedlich exprimiert.

Unterschiede zwischen Mann und Frau

Nach Ansicht der Forscher deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Mechanismen, die an der Entwicklung der Schizophrenie beteiligt sind, sich zumindest teilweise zwischen Männern und Frauen unterscheiden, und diese Unterschiede könnten bei der Wahl der Behandlung von Bedeutung sein.

Die Tatsache, dass viele Gene im Zusammenhang mit Schizophrenie geschlechtsspezifisch sind, kann erklären, warum Symptome nach der Pubertät auftreten, wenn sich die Expression vieler geschlechtsspezifischer Gene ändert, schreiben die Wissenschaftler um Jari Tiihonen.

Neuronen, die aus induzierten pluripotenten Stammzellen gewonnen werden, entsprechen dem Entwicklungsstadium des zweiten Trimesters der Schwangerschaft. So deuten die Ergebnisse der vorliegenden Studie darauf hin, dass schizophreniebedingte Hirnveränderungen früh im Uterus vorliegen können, und auch Unterschiede zwischen monozygoten Zwillingen können bereits an dieser Stelle beobachtet werden, schließen die Studienautoren.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Nature Communications - DOI: 10.1038/s41467-019-11797-3

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