Schizophrenie und die Plazenta

Gene, Umwelt und Schizophrenie: Neue Studie findet Hinweise für Plazenta als fehlendes Bindeglied

28.05.2018 Eine neue in Nature Medicine veröffentlichte Studie beleuchtet die kritische Rolle der Plazenta in der Debatte zwischen den Einflussfaktoren Gene und Umwelt, und welches Risiko sie für die Entwicklung von Schizophrenie und möglicherweise anderen neuropsychiatrischen Störungen wie ADHS, Autismus und Tourette-Syndrom birgt.

Frühere Studien haben gezeigt, dass genetische Varianten allein die Wahrscheinlichkeit einer Schizophrenie nur um einen Bruchteil erhöhen, während Komplikationen während der Schwangerschaft und der Geburt das Risiko um bis zum Zweifachen erhöhen können.

Gianluca Ursini und Daniel R. Weinberger von der Johns Hopkins Universität und Kollegen untersuchten über 2.800 erwachsene Personen, von denen 2.038 Schizophrenie hatten, mit verschiedenen ethnischen Hintergründen aus den USA, Europa und Asien. Alle wurden genetisch getestet und auf gynäkologische Informationen befragt.

Wechselwirkung mit Schwangerschaftskomplikation

schwangerschaft
Bild: Ken Hammond

Die Forscher fanden eine markante Wechselwirkung zwischen den Genen, die mit einem Risiko für Schizophrenie verbunden sind, und der Vorgeschichte einer potenziell schweren Schwangerschaftskomplikation.

Personen mit einem hohen genetischen Risiko und schwerwiegenden Komplikationen im jungen Leben hatten eine mindestens fünffach höhere Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer schizophrenen Störung, als Personen mit einem ähnlich hohen genetischen Risiko, aber ohne Vorgeschichte einer schweren Geburtskomplikation.

Dies führte zu einer Reihe von Analysen der Genexpression in mehreren Plazenta-Gewebeproben, einschließlich Proben von Plazenten aus komplizierten Schwangerschaften, wie Präeklampsie und intrauterine Wachstumsretardierung.

Aktivierung der Schizophrenie-Gene in der Plazenta

Die Ergebnisse zeigten eine auffällige und konsequente Aktivierung der Schizophrenie-Gene in diesen Plazenten und je stärker sie aktiviert wurden, desto mehr zeigte die Plazenta andere Anzeichen von Stress, zum Beispiel stärkere Entzündungen.

Eine der vielen Geheimnisse neuropsychiatrischer Erkrankungen wie Schizophrenie, Autismus, ADHS, Legasthenie und Tourette-Syndrom ist, warum ihre Inzidenz (Auftretenshäufigkeit) 2-4 mal größer bei Männern als bei Frauen ist.

Häufiger bei Männern

Die aktuellen Befunde könnten dieses Rätsel aufklären. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Schizophrenie-Gene, die in der Plazenta durch komplizierte Schwangerschaften aktiviert wurden, in den Plazentas von männlichen im Vergleich zu weiblichen Nachkommen dramatisch häufiger vorkamen.

Die Plazenta scheint also zumindest einen Teil der Erklärung für die mit diesen Störungen verbundene Geschlechtsverzerrung zu liefern, schließen die Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Nature Medicine (2018) doi:10.1038/s41591-018-0021-y

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