Schizophrenie: Stimmen hören

Psychische Krankheiten - Schizophrene Störungen

Kommt auch bei Nicht-Schizophrenen vor

27.05.2013 Menschen mit Schizophrenie sind nicht die einzigen, die Stimmen hören. Laut internationalen Erhebungen, hören etwa fünf Prozent der Bevölkerung Stimmen, obwohl sie ansonsten gesund sind.

Was ist bei Schizophrenen anders?

Also wo ist der Unterschied zwischen jenen, die gesund sind und Stimmen hören, und jenen, die an einer psychischen Krankheit leiden, hinsichtlich der Gehirnaktivität? Wie kann das Verständnis über die Unterschiede jenen helfen, die unter Schizophrenie leiden?

Dieses sind einige der Fragen hinter einer aktuellen Forschungsstudie an der Universität von Bergen in Norwegen. Für fünf Jahre haben Forscher der Bergen fMRT Gruppe die Gehirnprozesse studiert, die bei einigen Menschen dafür sorgen, dass sie Stimmen hören.

Stimmen-Hörer achten weniger auf Außenreize

"Wir haben festgestellt, dass der primäre auditive Cortex von gesunden Menschen, die Stimmen hören, weniger auf Außenreize reagiert, als der entsprechende Bereich des Gehirns bei Menschen, die keine Stimmen hören", sagte Kristiina Kompus, Ph.D von der Abteilung für biologische und medizinische Psychologie.

Stimmen hören auch bei Nicht-Schizophrenen
Der primäre auditive Cortex

Der primäre auditive Cortex ist die Region des Gehirns, welche Geräusche verarbeitet.

Die Befunde zeigen, dass gesunde Menschen, die Stimmen hören, einige Attribute mit Schizophreniepatienten teilen. So reagiert die kortikale Region bei beiden Gruppen weniger auf Außenreize.

Reduzierte Kontrollfähigkeit bei Schizophrenen

Jedoch gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Gruppen: diejenigen mit Schizophrenie haben eine reduzierte Fähigkeit den primären auditiven Cortex mit kognitiver Steuerung zu regulieren, während jene, die Stimmen hören aber gesund sind, in der Lage sind dies zu tun.

"Wegen dieser kognitiven Steuerung sind gesunde Personen, die Stimmen hören, in der Lage ihre Aufmerksamkeit nach außen zu leiten. Dies unterscheidet sie von Schizophrenen, die tendentiell ihre Aufmerksamkeit nach innen richten, aufgrund ihrer reduzierten Fährigkeit ihren primären auditiven Cortex zu regulieren", sagte Kompus.

"Diese Entdeckungen haben uns einen Schritt näher herangebracht, Halluzination von Schizophrenen zu verstehen, und warum die Stimmen ein Problem für einige Personen sind, für andere aber nicht."

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Bergen, Mai 2013

Forscher lokalisieren u. behandeln Hirnregion des Stimmenhörens

05.09.2017 Erstmals haben Wissenschaftler einen Bereich des Gehirns präzise lokalisiert und gezielt angesprochen, der beim "Stimmenhören" vieler Schizophrener beteiligt ist.

Sie konnten in einer kontrollierten Studie - die im Fachblatt Schizophrenia Bulletin veröffentlicht werden wird - zeigen, dass eine gezielte Magnetpulsbehandlung in dieser Hirnregion bei einigen Patienten zu einer Verbesserung des Zustands führen kann.

Akustisch-verbale Halluzinationen

Das Hören von Stimmen (auch als Akustisch-verbale Halluzinationen (AVH) benannt) ist eines der am häufigsten auftretenden Symptome bei Schizophrenie (70% machen Erfahrungen damit).

Diese Stimmen können eine Reihe verschiedener Eigenschaften haben, z. B. als innere oder äußere, freundliche oder bedrohliche Stimmen wahrgenommen werden; sie können ständig präsent sein oder nur gelegentlich auftreten.

Transkranielle Magnetstimulation

gehirn-zahnraeder-lupe
Bild: Gerd Altmann

Als eine mögliche Behandlungsmethode für das Hören von Stimmen bei Schizophrenie wird die Transkranielle Magnetstimulation (TMS) vorgeschlagen. TMS leitet magnetische Impulse in das Gehirn, und hat sich bei verschiedenen psychiatrischen Erkrankungen als wirksam erwiesen. Es fehlen jedoch kontrollierte Studien, die zeigen, dass TMS effektiv bei Patienten mit akustischen Halluzinationen wirkt.

Das französische Forscherteam arbeitete mit 26 Patienten, die eine aktive TMS-Behandlung bekamen, und 33 Patienten als Kontrollgruppe, die eine Scheinbehandlung (Placebo) erhielten. Die Forscher befragten die Patienten anhand eines Standardprotokolls - der Auditory Halluzinationen Rating Scale - die die meisten charakteristischen Merkmale der Stimmen erfasste, die sie hörten.

Elektrische Impulse in den Temporallappen

Die behandelten Patienten erhielten eine Serie von 20 Hz Hochfrequenz-Magnetpulsen über 2 Sitzungen pro Tag für 2 Tage. Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT) wurden die Pulse auf einen bestimmten Gehirnbereich im Temporallappen gerichtet, der mit der Sprache assoziiert ist (der genaue Bereich ist die Kreuzung der Projektion des aufsteigenden Zweigs des linken lateralen Sulcus lateralis und des linken oberen temporalen Sulkus).

Deutliches Ansprechen

Nach 2 Wochen wurden die Patienten erneut untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass 34,6% der Patienten, die mit TMS behandelt wurden, ein signifikantes Ansprechen zeigten, während nur 9,1% der Patienten in der Placebogruppe ansprachen ("signifikantes Ansprechen" wurde definiert als ein Rückgang um mehr als 30% bei der Gesamtpunktzahl der Auditory Halluzinationen Rating Scale).

Professorin Sonia Dollfus von der Universität Caen sagte: Akustisch-verbale Halluzinationen oder 'das Hören von Stimmen' kann ein sehr beeinträchtigendes Symptom von Schizophrenie sein, sowohl für Patienten als auch für diejenigen, die den Betroffenen nahestehen. Dies ist die erste kontrollierte Studie, die eine Besserung bei diesen Patienten durch die gezielte Behandlung eines bestimmten Hirnareals und die Anwendung von Hochfrequenz-TMS zeigt.

Das bedeutet zweierlei, sagte die Forscherin auf der Konferenz des European College of Neuropsychopharmacology in Paris:

  1. Erstens scheint es, dass wir jetzt mit einiger Sicherheit sagen können, dass wir bei Schizophrenie einen bestimmten anatomischen Bereich des Gehirns gefunden haben, der mit akustischen verbalen Halluzinationen verbunden ist.
  2. Zweitens haben wir gezeigt, dass die Behandlung mit Hochfrequenz-TMS zumindest für einige Betroffene einen Unterschied ausmacht, auch wenn es noch ein langer Weg ist, bis wir wissen, ob TMS der beste Weg ist, diese Patienten langfristig zu behandeln.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Caen; European College of Neuropsychopharmacology; Sept. 2017

Schreiben Sie uns >> hier << über Ihre Erfahrungen und lesen Sie die Erfahrungsberichte / Kommentare zu diesem Thema.

Weitere News aus der Forschung

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter