Suizid, Selbstmord: Häusliche Gewalt

Psychische Erkrankung - Selbsttötung - Freitod

Miterleben häufiger elterlicher häuslicher Gewalt verbunden mit späterem Suizidrisiko

12.06.2016 Etwa jedes sechste Kind, das Zeuge häufiger elterlicher Gewalt wird, versucht im Erwachsenenalter sich umzubringen laut einer in der Zeitschrift Child: Care, Health and Development veröffentlichten Studie der Universität Toronto.

Lebenszeitprävalenz

Die Ergebnisse zeigen, dass die Lebenszeitprävalenz für Suzidversuche unter Erwachsenen, die chronischer elterlicher häuslicher Gewalt während der Kindheit ausgesetzt waren, bei 17,3 Prozent lag im Vergleich zu 2.3 Prozent bei denjenigen, die dies nicht während der Kindheit erleben mussten.


Bild: Gerd Altmann

Die Forscher hatten erwartet, dass die Verbindung zwischen häufiger häuslicher Gewalt der Eltern und späteren Suizidversuchen durch sexuelle oder körperliche Misshandlungen, oder durch psychische Erkrankungen und Drogenmissbrauch erklärt würde.

Nach Berücksichtigung der Störfaktoren

Doch selbst als die Wissenschaftler diese Faktoren in Betracht gezogen hatten, zeigten diejenigen mit Exposition gegenüber wiederkehrender häuslicher Gewalt der Eltern mehr als ein doppelt so hohes Risiko hinsichtlich des Versuchs, sich zu suizidieren, sagte Studienautorin Prof. Esme Fuller-Thomson von der Universität Toronto.

Für die Studie analisierten die Forscher die Daten einer national repräsentativen Stichprobe von 22.559 Kanadiern aus dem Canadian Community Health Survey - Mental Health 2012.

Definition: 'Chronische' bzw. häufige Gewalt

Elterliche häusliche Gewalt wurde als "chronisch" definiert, wenn das Kind sie mehr als 10 mal bis zum Alter von 16 Jahren ansehen musste.

Wenn häusliche Gewalt in einem Haus chronisch ist, gibt es eine langfristige Gefahr für sehr negative Folgen für die Kinder, selbst wenn die Kinder selbst nicht misshandelt werden. Diese chaotischen Lebensumstände werfen einen langen Schatten. Sozialarbeiter und Mediziner müssen wachsam sein, um häusliche Gewalt zu verhindern, und Missbrauchsbetroffene und ihre Kinder unterstützen, sagte Fuller-Thomson.

Misshandelte Kinder

Die Studienresultate zeigten auch, dass in der Kindheit misshandelte Teilnehmer auch mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Selbstmordversuch ausführten: 16,9 Prozent derjenigen, die sexuell missbraucht wurden, und 12,4 Prozent derjenigen, die körperlich misshandelt wurden, unternahmen mindestens einen Selbsttötungsversuch.

Angststörung, Drogenmissbrauch, Schmerzen, Depression

Außerdem verdoppelten Angststörung, Substanzmissbrauchsstörung oder chronischer Schmerz das Risiko für einen versuchten Suizid - während eine depressive Störung in der Vorgeschichte das Risiko für einen Suizidversuch vervierfachte.

Diese vier Faktoren erklärten nur 10 Prozent des Zusammenhangs zwischen Suizidversuchen und elterlicher häuslicher Gewalt, aber fast die Hälfte des Zusammenhangs zwischen Selbstmordversuchen und sexuellem Missbrauch oder körperlicher Misshandlung in der Kindheit, sagte Koautorin Stephanie Baird.

Das legt nahe, dass psychologische und medizinische Fachkräfte, die mit diesen Betroffenen arbeiten, einen weiten Bereich von Interventionsmaßnahmen in Erwägung ziehen müssen, die auf psychische Erkrankungen, Drogenmissbrauch und chronische Schmerzen abzielen, sagte sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Toronto, Child: Care, Health and Development - doi:10.1111/cch.12351; Juni 2016

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