Suizid / Selbstmord
Schlaf, Schlafstörungen

Psychische Erkrankung - Selbsttötung - Freitod

Schlafstörungen und Selbstmord

Haben Sie Schwierigkeiten mit dem Schlafen? Neue Forschungsergebnisse sagen, dass je größer Ihre Schlafprobleme werden, desto wahrscheinlicher haben Sie Selbstmord-Gedanken oder planen eine suizidale Tat.

Schlafprobleme und mit Suizid verbundene Gedanken

"Menschen mit zwei oder mehr Symptomen einer Schlafstörung waren 2,6-mal wahrscheinlicher von einem Selbstmordversuch betroffen, als jene ohne Schlafstörungen", sagte Dr. Marcin Wojnar, Forschungsstipendiat in der Abteilung für Psychiatrie an der Universität von Michigan in den Vereinigten Staaten und außerordentlicher Professor Fachbereich Psychiatrie an der medizinischen Universität von Warschau in Polen.

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass über 877.000 Menschen weltweit jedes Jahr durch Selbstmord sterben. Die UN Gesundheitsbehörde sagt: Studien nehmen an, dass auf jeden Tod durch Suizid ungefähr 10-40 Selbstmordversuche kommen. Selbstmord ist traditionell mit dem Symptom schwerwiegender Depression verbunden.

Erkennen des Risikos durch Schlafstörung

"Menschen mit hohem Risiko für Suizid zu identifizieren ist wichtig, denn nur so kann man versuchen ihn zu verhindern, und die Befunde der Studie zeigen, dass Schlaflosigkeit ein modifizierbarer Risikofaktor für Selbstmord in der allgemeinen Bevölkerung sein kann", sagte Wojnar.

"Dies hat Auswirkungen auf das Gesundheitswesen, da die Gegenwart von Schlafstörungen Ärzte dahingehend warnen sollten, diese Patienten für ein erhöhtes Risiko für Suizid zu untersuchen, selbst wenn sie keine psychischen Krankheiten haben. Unsere Befunde heben auch die Möglichkeit hervor, dass wenn man Schlafprobleme beseitigt, dies das Risiko für suizidales Verhalten reduzieren kann".

Die Forscher konnten konsistent Schlafstörungen mit einem gesteigerten Risiko für selbstmörderisches Verhalten mit Personen mit psychischen Krankheiten und mit Jugendlichen verbinden, aber es ist unklar gewesen, ob die Verbindung auch in der allgemeinen erwachsenen Bevölkerung existiert.

In der Studie prüften Wissenschaftler über ein Jahr die Beziehung zwischen drei Merkmalen von Schlaflosigkeit

und drei suizidalen Verhaltensweisen (Selbstmord Gedanken, Planung und Versuche) bei 5.692 US-Amerikanern.

Etwa ein Drittel zeigte ein gestörtes Schlafen

Etwa 35 Prozent der untersuchten Personen, berichteten in den vorangegangenen 12 Monaten über mindestens eine Art von Schlafstörung.

Zu frühes Aufwachen verbunden mit suizidalem Verhalten

Die beständigste Verbindung zeigte sich für frühmorgendliches Erwachen, das mit allen suizidalen Verhaltensweisen verbunden war. Leute mit diesem Problem hatten zweimal so wahrscheinlich wie jene ohne Schlafprobleme in den vorangegangenen 12 Monaten Suizid-Gedanken, planten 2,1 mal wahrscheinlicher einen Selbstmord und versuchten 2,7-mal wahrscheinlicher sich zu töten.

Einschlafprobleme verbunden mit Suizidgedanken und Vorsatz

Schwierigkeiten einzuschlafen, war eine bedeutende Vorhersagevariable für Selbstmord-Gedanken und für den Vorsatz. Verglichen mit Personen, die nicht über Schlafstörungen berichteten, hatten jene mit Schwierigkeiten den Schlaf zu initiieren, ein 1,9 mal größeres Risiko für Selbstmord-Gedanken und ein 2,2 mal höheres Risiko für die Planung / den Vorsatz Suzid zu begehen.

Durchschlafprobleme verbunden mit Selbstmordgedanken und Versuch

Personen, die Schwierigkeiten hatten die Nacht durchzuschlafen, die eine Stunde oder mehr auf den Schlaf warteten und beinahe jede Nacht aufwachten, hatten zweimal so wahrscheinlich Suizid-Gedanken im letzten Jahr und zeigten dreimal wahrscheinlicher einen Selbstmordversuch, als jene ohne Schlafstörungen.

Die Ergebnisse wurden hinsichtlich mehrerer Faktoren bereinigt, von denen bekannt ist, dass sie Selbstmordfaktoren sind, als da wären: Drogenmissbrauch, Depression, Angststörung und andere Stimmungsstörungen, aber auch (chronische) Beschwerden wie Schlaganfall, Herzerkrankung, Lungenkrankheit und Krebs. Sie wurden auch hinsichtlich des Einflusses von soziodemographischen Faktoren wie Alter, Geschlecht, ehelichem und finanziellem Status adjustiert.

Warum können Schlafstörungen suizidales Verhalten begünstigen?

Wie Schlafstörungen das Risiko für Suizid erhöhen können, wird immer noch nicht richtig verstanden, sagte Wojnar. Wissenschaftler haben vorgeschlagen, dass unzulänglicher Schlaf die kognitiven Funktionen beeinflussen kann, und zu schlechteren Urteilen und Entscheidungen, weniger Impulssteuerung und gesteigerter Hoffnungslosigkeit führen kann. Eine Funktionsstörung im Serotoninstoffwechsel - Serotonin spielt eine wichtige Rolle im Schlaf bei der Stimmungsregulierung, bei affektiven Störungen und Selbstmord, steht ebenfalls im Verdacht, berichten die Wissenschaftler.

Weitere Forschung wird benötigt, um zu bestimmen, ob andere Schlafprobleme wie Schlafapnoe und nicht-erholsamer Schlaf mit suizidalem Verhalten verbunden sind, fügte Schlafforscher Wojnar hinzu.

Die Forschung wurde heute auf dem internationalen Kongress der World Psychiatric Association "Behandlungen in der Psychiatrie" gezeigt.

Quelle: World Psychiatric Association 2009

Schlechter Schlaf erhöht Suizidrisiko bei Älteren

21.08.2014 Unter Schlafstörungen leidende ältere Menschen begehen mit größerer Wahrscheinlichkeit einen Selbstmord als gut ausgeruhte Erwachsene, laut einer Studie der Stanford University School of Medicine.

"Dies ist ein wichtiger Befund, weil Schlafstörungen gut behandelbar und weniger stigmatisiert sind als viele andere Suizidrisikofaktoren", sagte Autorin Rebecca Bernert vom Fachbereich Psychiatrie und Verhaltensforschung und Direktorin des Suizidprophylaxe Forschungslabors in Stanford.

Ältere Menschen tragen größeres Risiko

Sie sagte in der Zeitschrift JAMA Psychiatry, dass ältere Erwachsene unverhältnismäßig hohe Selbstmordrisikoraten im Vergleich mit anderen Altersgruppen haben, was die Suizidprophylaxe bei älteren Mitbürgern zu einer dringenden Herausforderung im Gesundheitswesen macht.

In der Studie wurden die Daten von 14.456 Erwachsenen im Alter von 65 Jahren und älter benutzt. Es wurde die Schlafqualität von 20 Personen (die Suizid begingen) mit den Schlafmustern von 400 ähnlichen Individuen über einen Zeitraum von 10 Jahren verglichen.

Risikofaktor schlechter Schlaf

Sie stellten fest, dass die Teilnehmer, die über einen schlechten Schlaf berichteten, eine 1,4-mal höhere Wahrscheinlichkeit auf Tod durch Selbstmord innerhalb der 10 Jahre hatten als Teilnehmer, die über einen guten Schlaf berichteten.

Die Studie bestätigte die Beziehung zwischen Depression und Selbstmordrisiko, aber konnte einen schlechten Schlaf als einen unabhängigen Risikofaktor für Suizid erfassen.

Stärkster Faktor: Schlafprobleme und Depression in Kombination

Überraschenderweise fand die Studie beim Vergleich der beiden Risikofaktoren heraus, dass schlechter Schlaf das Suizidrisiko besser vorhersagte als depressive Symptome. Die Kombination von Schlafproblemen und depressive Stimmung war die stärkste Vorhersagevariable hinsichlich des Selbstmordrisikos.

"Suizid ist das Ergebnis multipler, oft wechselwirkender biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren", sagte Bernert. "Gestörter Schlaf ist ein Risikofaktor für sich und Warnung: er sollte als potentielles Behandlungsziel bei der Suizidprävention ins Auge gefasst werden."

"Selbstmord ist vermeidbar", fügte sie hinzu. "Doch Interventionen zur Suizidprophylaxe gibt es erschreckend wenige."

Bernert testet nun in zwei weiteren Studien die Wirksamkeit von Schlafstörungsbehandlungen zur Prävention von Depression und suizidalem Verhalten.

Die meisten Selbstmörder der Studie waren weiße Männer, die ein erhöhtes Suizidrisiko besitzen. Bernert sagt, dass weitere Studien nötig sind, um herauszufinden, ob sich die Verbindung zwischen gestörtem Schlaf und Selbstmordrisiko auch auf Frauen, Minderheiten und jüngere Erwachsene oder Jugendliche erstreckt.

© PSYLEX.de - Quelle: JAMA Psychiatry / Stanford University School of Medicine, August 2014

Sommer, Sonnenlicht und zu wenig Schlaf

Jeder hat gehört vom "Winterblues", ein Phänomen, bei dem einige Menschen während des Winters depressiver werden. Was die meisten Leute nicht wissen, ist, dass eine saisonale affektive Störung während jeder Jahreszeit auftreten kann, auch während des Sommers.

Eine neue Studie sagt, dass der Selbstmord-Peak während der Sommerzeit auf Grönland durch die Schlaflosigkeit (Insomnia) verursacht wird; und diese wiederum durch das durchgehende Tageslicht.

Karin Sparring Björkstén vom Karolinska Institutet, Schweden, führte ein Team von Forschern an, die die Saison der Suizide in ganz Grönland von 1968-2002 untersuchten. Sie stellten fest, dass es eine Häufung von Selbstmorden in den Sommermonaten gab, und dass diese jahreszeitliche Wirkung besonders ausgeprägt im Norden des Landes war - ein Gebiet, wo die Sonne zwischen Ende April und Ende August nicht untergeht.

In Bezug auf saisonale Schwankungen ist Grönland der extremste menschliche Lebensraum, sagte Björkstén.

Höchste (gewalttätige) Selbstmordraten

Grönland hat auch eine der höchsten Suizidraten in der Welt. Wir stellten fest, dass die Suizide fast ausschließlich sehr gewalttätig sind und zu den Zeiten mit konstantem Tageslicht zunehmen. Im Norden des Landes wurden 82 Prozent der Selbstmorde in den Tageslicht-Monaten verübt".

Die Forscher stellten fest, dass die meisten Suizide von jungen Männern verübt wurden, und dass gewalttätige Methoden wie Erschiessen, Erhängen und Sprünge in den Tod 95 Prozent aller Selbstmorde ausmachten.

Es wurde keine saisonale Auswirkung im Alkoholverbrauch gefunden.

Durch Schlafmangel aufgrund konstanten Lichts

Die Autoren vermuten, dass ein generiertes leichtes Ungleichgewicht im Umsatz des Neurotransmitter Serotonin zu gesteigerter Impulsivität führt, die in Verbindung mit einem Schlafmangel die gesteigerte Suizidrate im Sommer erklären kann.

Die Menschen, die in hohen Breiten leben, brauchen äußerste Flexibilität bei der Anpassung ans Licht, bemerkten die Forscher. Während der langen Zeiten des konstanten Lichts, ist es entscheidend einen zyklischen Rhythmus zu behalten, genug Schlaf zu bekommen und die psychische Verfassung aufrechtzuerhalten. Ein schwaches Serotoninsystem kann Schwierigkeiten bei der Anpassung verursachen.

Licht

Licht ist nur einer von vielen Faktoren in der komplexen Tragödie des Selbstmords, aber diese Studie zeigt, dass es eine mögliche Beziehung zwischen den beiden gibt.

Die Studie erschien in BMC Psychiatry, einer frei zugänglichen Zeitschrift mit den Themen zu Verhütung, Diagnose und Behandlung von psychischen Krankheiten wie auch verwandten Themen der molekularen Genetik, Pathophysiologie und Epidemiologie.

Quelle: BMC Psychiatry 2009

Gestörte Schlafmuster erhöhen Suizidrisiko

24.08.2016 Eine im Fachblatt BMJ Open veröffentlichte Studie der Universität Manchester knüpft eine Verbindung zwischen Schlafproblemen und Suizidgedanken bzw. Suizidverhalten.

In dieser qualitativen Studie wurden 18 Teilnehmer zu ihren Schlafstörungen und suizidalen Tendenzen befragt.

Muster/Signalwege

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Bild: George Hodan

Drei sich wechselseitig beeinflussende Muster/Signalwege für Suizidalität konnten festgestellt werden:

  1. Während der Nacht wach zu sein, erhöht das Risiko für Suizidgedanken und -versuche, was teilweise eine Folge davon ist, dass weniger Hilfe oder Ressourcen in der Nacht zur Verfügung stehen.
  2. Das anhaltende Scheitern in der Nacht gut zu schlafen, machte den Befragten das Leben schwerer, erhöhte das Depressionsrisiko, verstärkte negative Gedanken, Konzentrationsprobleme und Inaktivität.
  3. Schließlich sagten die Befragten, dass sie Schlaf als eine Alternative zum Suizid erachteten; Schlaf würde eine Flucht aus ihren Problemen zur Verfügung stellen. Jedoch führte der Wunsch, Schlaf als eine Vermeidungstaktik zu verwenden, zu einem vermehrten Schlafen am Tag, was wiederum die Schlafmuster störte - wodurch die ersten beiden Wege verstärkt würden.

Studienleiterin Donna Littlewood sagte, die Forschungsarbeit unterstreicht die Wichtigkeit, einen gesunden Schlaf herzustellen, um mit psychischen Problemen, suizidalen Gedanken und Handlungen fertig zu werden.

Auch sollten innerhalb von Suizidpräventionsstrategien Nachtdienste zur Verfügung stehen, denn wie die Befunde dieser Studie zeigen, liegt bei denjenigen, die in der Nacht wach sind, ein erhöhtes Suizidrisiko vor, schließt sie.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Manchester, BMJ Open - DOI: 10.1136/bmjopen-2016-012113; August 2016

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