Zwangsstörung: Medikamente, Medikation

Psychische Störungen - Krankheitsbilder

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Verhaltenstherapie wirksamer als Risperidon

20.04.2013 Für Patienten mit einer Zwangsstörung ist die Einnahme des antipsychotisch wirkenden Medikaments Risperidon (Handelsname Risperdal) - als add-on Medikament - nicht wirksamer als ein Placebo.

Teilnehmer der Studie waren Patienten, die auf eine vorherige Behandlung mit Serotonin Wiederaufnahmehemmer (SRI) nicht reagierten.

Kognitive Verhaltenstherapie am wirksamsten

Andererseits zeigte kognitive Verhaltenstherapie, dass sie bedeutend wirksamer ist als eine Placebo oder Risperidon Behandlung.

"Das Bedeutende an der Nachricht ist nicht, dass Antipsychotika nach SRIs nicht funktionieren, sondern dass sie nur bei einem kleinen Teil der Patienten wirken", sagten die Forscher.

Zwangsstörung: Verhaltenstherapie wirksamer als Risperidon
Strukturformel von Risperidon (Risperdal)

In der Studie wurden 100 Patienten, die 12 Wochen SRIs erhielten und immer noch zumindest moderat krank waren, entweder der Risperidon, der Verhaltenstherapie oder der Placebo Gruppe (zufällig) zugeteilt.

Nach acht Wochen zeigten die Patienten der kognitiven Verhaltenstherapie Gruppe eine bedeutend größere Reduktion bei den Symptomen, verglichen mit Patienten, die das Medikament Risperidon oder Placebos erhalten hatten.

80 Prozent der Patienten, die kognitive Verhaltenstherapie erhielten, zeigten eine Symptomverminderung der Zwangsstörung von mindestens 25 Prozent oder mehr, verglichen mit 23 Prozent der Patienten, die Risperidon erhielten und 15 % der Placebo Gruppe.

Risperidon nicht viel wirksamer als Placebo

Weiterhin erreichten 43 Prozent der Verhaltenstherapie Gruppe Remission, verglichen mit nur 13 Prozent der Risperidon-Gruppe und 5 Prozent der Placebogruppe.

Interessanterweise zeigten Patienten, die den Wirkstoff erhielten, keine größere Verbesserung bei den Symptomen ihrer Zwangsstörung, als jene, die ein Placebo erhielten.

"Auf Grundlage vorheriger kleinerer Studien erwarteten wir, dass Risperidon wirksam bei mindestens einem Drittel der Patienten war; aber diese Ergebnisse waren eine Überraschung - unsere Untersuchung zeigte, dass sich Risperidon kaum von einem Placebo unterschied", sagte einer der Forscher.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität von Columbia, April 2013

Konfrontationstherapeutische vs. neuroleptische Behandlung bei Zwangsstörung

24.09.2013 Eine neue Studie zeigt, dass Patienten mit Zwangsstörung ihren Zustand verbessern, wenn sie intensive "Konfrontationstherapie" mit einem Antidepressivum verbinden, statt dass sie eine häufig verschriebene Kombination zweier Medikamente einnehmen.

Besser Expositionstherapie statt Risperidon/Risperdal

Patienten mit Zwangsstörungen (auch Zwangsneurosen oder Zwangserkrankungen genannt), die Antidepressiva nehmen und weiterhin Symptome haben, sollten eine Konfrontationstherapie versuchen (bevor sie ein weiteres Medikament, z.B. Risperidon, Handelsname Risperdal, einnehmen), sagt Studienautorin Dr. Helen Blair Simpson, Professorin für klinische Psychiatrie an der Universität von Columbia.

"Wenn Risperidon eingesetzt wird, sollten Kliniker wissen, dass es wahrscheinlich nur wenigen Patienten helfen wird, und das Medikament sollte abgesetzt werden, wenn es keinen offensichtlichen Nutzen gibt", sagte sie.

Psychiater verordnen Zwangsgestörten oft Antidepressiva namens Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, wie Prozac, Paxil und andere. Aber die helfen ihnen oft nicht (genug).

Deswegen wird oft Risperidon (Markenname Risperdal) verschrieben. In einigen Fällen verschreiben Psychiater es zusätzlich zu den Antidepressiva, weil sie annehmen, es hilft Patienten mit Zwangsstörungen. Obwohl es ein antipsychotisches Medikament (atypisches Neuroleptikum) ist, wird es bei einer Vielzahl psychischer Störungen verschrieben.

Konfrontationstherapie/Expositionstherapie

Konfrontationstherapie vs. Antipsychotikum bei Zwangsstörung

Konfrontationstherapie (auch Expositionstherapie genannt) ist eine nicht-medikamentöse Behandlungsform (genauer eine Technik aus der Verhaltenstherapie), die Menschen mit Zwangsverhalten hilft, ihre Ängste zu überwinden, indem sie sie den Dingen aussetzt, die ihnen Furcht einflößen.

Die neue Studie wollte herausfinden, ob die Medikamentenkombination funktioniert, und ob sie besser als Antidepressiva und Konfrontationstherapie ist.

In fünf Jahren (bis 2012) erhielten 100 erwachsene Zwangsstörungspatienten (alle nahmen bereits Antidepressiva ein) entweder zusätzlich Risperidon oder ein Placebo oder 17 Sitzungen (2x pro Woche) Konfrontationstherapie. Vierzehn Patienten fielen aus; es blieben 86 insgesamt.

Antidepressivum + Risperidon versus Antidepressivum + Konfrontationsbehandlung

Nach zwei Monaten zeigten 43 % der Patienten, die Konfrontationstherapie plus ein Antidepressivum bekamen, nur noch minimale Symptome der Zwangsstörung, verglichen mit 13 Prozent, die Risperidon zusätzlich erhielten, und 5 Prozent, die ein Placebo bekamen.

Nebenwirkungen traten bei jenen, die Risperidon einnahmen, am häufigsten auf.

Paul Salkovskis, Spezialist für Zwangsneurosen und Professor für klinische Psychologie und angewandte Forschung an der Universität von Bath in England, lobte die Studie und sagte, dass die Befunde bestätigen, dass Risperidon Patienten mit Zwangsstörungen nicht hilft, während Konfrontationstherapie und kognitive Verhaltenstherapie "wesentliche Wirkungen zeigen".
Quelle: Universität Columbia, Sept. 2013

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