Alkohol und Aggressivität, Aggression

Suchtkrankheiten - Alkohol

Gehirnscans zeigen, warum Menschen nach ein oder zwei Drinks aggressiv werden

13.02.2018 Forscher haben Magnetresonanztomografie (MRT) zur Blutfluss-Messung im Gehirn eingesetzt, um zu untersuchen, warum Menschen oft aggressiv und gewalttätig nach dem Alkoholkonsum werden.

Nach nur zwei Drinks stellten die Forscher Veränderungen bei den Prozessen des präfrontalen Cortex des Gehirns fest, dem Teil, der normalerweise die Aggressivität reguliert.

Die Studie wurde geleitet von Thomas Denson von der Universität New South Wales in Australien und in der Zeitschrift Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience veröffentlicht.

Wurzel im präfrontalen Cortex

Nach den meisten Theorien wird die alkoholbedingte Aggression durch Veränderungen im präfrontalen Cortex verursacht. Allerdings fehlt es an substanziellen Neuroimaging-Belegen, die diese Annahmen untermauern.

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Bild: Präfrontaler Cortex (graue Fläche)

In der aktuellen Studie rekrutierten Denson und sein Team fünfzig gesunde junge Männer. Die Teilnehmer erhielten entweder zwei Getränke mit Wodka oder Placebo-Getränke ohne Alkohol. Während die Teilnehmer in einem MRT-Scanner lagen, sollten sie sich einer Aufgabe widmen, die in den letzten 50 Jahren standardmäßig genutzt wurde, um Aggressionen als Reaktion auf Provokationen zu beobachten.

Aktivierte Hirnareale

Die funktionelle Magnetresonanztomografie ermöglichte es den Neurowissenschaftlern zu beobachten, welche Hirnareale bei der Durchführung der Aufgabe aktiviert wurden. Sie konnten auch den Unterschied in den Scans zwischen Teilnehmern vergleichen, die Alkohol konsumiert bzw. keinen Alkohol konsumiert hatten.

Die Forscher stellten fest, dass die Provokation keinen Einfluss auf die neuronalen Reaktionen der Teilnehmer hatte.

Bei aggressivem Verhalten kam es jedoch zu einem Aktivitätsrückgang im präfrontalen Cortex des Gehirns derjenigen, die alkoholische Getränke konsumierten. Diese dämpfende Wirkung zeigte sich auch in den Bereichen des Gehirns, die an Belohnungsprozessen beteiligt sind.

Erhöhte Aktivität im Hippocampus

Es wurde auch erhöhte Aktivität im Hippocampus festgestellt, einem Teil des Gehirns, der beim Gedächtnis eine wichtige Rolle spielt.

Obwohl es einen insgesamt dämpfenden Effekt von Alkohol auf den präfrontalen Cortex gab, beobachteten die Forscher selbst bei niedriger Alkoholdosis eine signifikante positive Beziehung zwischen dorsomedialer und dorsolateraler präfrontaler Cortexaktivität und alkoholbedingter Aggression, erklärt Denson.

Diese Regionen können unterschiedliche Verhaltensweisen unterstützen, wie z. B. friedvolles versus aggressives Verhalten, je nachdem, ob jemand nüchtern oder betrunken ist.

Die Ergebnisse stimmen weitgehend überein mit einer zunehmenden Zahl von Studienergebnissen über eine neuronale Basis der Aggression und wie sie durch Veränderungen im präfrontalem Cortex, limbischen System und belohnungsverbundenen Hirnregionen ausgelöst wird. Die aktuellen Befunde stehen auch im Einklang mit verschiedenen psychologischen Theorien zur alkoholbedingten Aggressivität, schließen die Wissenschaftler.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität New South Wales; Cognitive, Affective, & Behavioral Neuroscience - http://dx.doi.org/10.3758/s13415-017-0558-0; Feb. 2018

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