Marihuana, Cannabis: Gehirn, Gehirnschäden

Suchtkrankheiten und Abhängigkeit

Frühe Nutzung von Marihuana kann Hirn schädigen

Menschen, die früh begonnen haben, Marihuana zu rauchen, schnitten viel schlechter in Tests der exekutiven Hirnfunktionen ab als jene, die erst im höheren Alter anfingen Cannabis einzunehmen, zeigt eine neue Studie.

Die Studie wurde am 15. November bei der Jahrestagung der Society for Neurosciences in San Diego gezeigt.

Die Befunde betonen die von Marihuana ausgehende Gefahr und die Notwendigkeit, wirksame Strategien zu entwickeln, um den Marihuanagebrauch besonders unter jungen Leuten zu reduzieren, sagten die Forscher. Sie bemerkten, dass das Jugendalter eine kritische Zeit in der Gehirnentwicklung sei.

Exekutive Funktionen schließen Planen, Flexibilität, abstraktes Denken und Hemmung unpassender Reaktionen ein.

Die Studie mit 33 chronischen Marihuanarauchern und 26 Nichtrauchern fand, dass gewohnheitsmäßige Marihuanabenutzer insgesammt weniger in der Lage schienen, sich konzentrieren zu können und wahrscheinlicher Fehler machten.

Gehirnschäden waren stärker bei frühem Beginn

Diejenigen, die vor dem Alter von 16 anfingen zu rauchen, machten doppelt so viele Fehler bei Tests der Exekutivfunktionen wie jene, die Cannabis erst ab dem Alter von 16 begannen zu rauchen. Die frühen Konsumenten rauchten auch dreimal so viel Marihuana pro Woche und zweimal so oft wie die später Beginnenden. "Unsere Daten zeigen, dass je früher man anfängt zu rauchen, desto mehr und häufiger raucht man auch Marihuana".

Dies ist ein wichtiger Befund, sagte die Verfasserin der Studie Staci A. Gruber, Direktorin des Cognitive and Clinical Neuroimaging Cores im McLean Krankenhaus in Belmont, Mass.

"Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass Marihuana nicht wirklich eine gutartige Substanz ist", fügte sie hinzu. Es hat eine direkte Wirkung auf die Exekutivfunktionen des Gehirns. Je früher man beginnt, es zu verwenden, desto bedeutender ist die Wirkung und die Gehirnschädigung.

Quelle: Society for Neurosciences, Nov. 2010

Schäden an der weißen Hirnsubstanz durch hochpotentes Cannabis

28.11.2015 Das Rauchen von hochpotentem 'skunk-ähnlichen' Cannabis kann einen entscheidenden Teil des für die Kommunikation zwischen den beiden Gehirnhemisphären verantwortlichen Gehirns schädigen laut einer neuen in der Zeitschrift Psychological Medicine veröffentlichten Studie.

Dr. Paola Dazzan vom Institut für Psychiatrie, Psychologie & Neurobiologie (IoPPN) am King's College London sagte: 'Wir haben festgestellt, dass häufiger Konsum hochpotenten Cannabis die Struktur der weißen Substanzfasern im Gehirn bedeutend beeinträchtigt, egal ob jemand psychotisch ist oder nicht.

Je mehr Cannabis geraucht wird und je höher die Potenz ist, desto größer wird der Schaden sein, sagte sie.

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Bild: Corpus callosum

Die Wissenschaftler benutzten Diffusions-Tensor-Bildgebung (DTI - eine Form der Magnetresonanztomographie-Technik), um die weiße Substanz in den Gehirnen von 56 Patienten (mit einer 1. psychotischen Episode) und 43 gesunden Teilnehmern zu untersuchen.

Corpus callosum

Die Forscher untersuchten insbesondere das Corpus Callosum, die größte weiße Substanzstruktur im Gehirn, die für die Kommunikation zwischen der linken und rechten Hemisphäre verantwortlich ist. Die weiße Substanz besteht aus großen Bündeln von Nervenzellleitungsbahnen (Axonen), die verschiedene Regionen des Gehirns verbinden und die Kommunikation zwischen ihnen ermöglicht.

Das Corpus callosum ist besonders reichhaltig an Cannabinoid-Rezeptoren, an denen die THC-Komponente des Cannabis agiert.

Die Studie stellte fest, dass häufige Verwendung des starken Cannabis mit einem deutlich höherem MD (mean-diffusivity) beim DTI-Scan - einem Marker für Beschädigungen an der weißen Substanzstruktur - verbunden war.

Unabhängig von psychotischen Störungen

Koautor Dr. Tiago Reis Marques sagte: 'Dieser Schaden an der weißen Substanz war deutlich größer bei Intensivnutzern des starken Cannabis als bei den gelegentlichen oder Wenignutzern, und war auch von der Präsenz einer psychotischen Störung unabhängig.'

Dazzan fügte hinzu: 'Es ist wichtig, Mediziner, Öffentlichkeit und die Politiker über die mit Cannabiskonsum verbundenen Risiken zu unterrichten'.

Und noch wichtiger ist es, darauf zu achten, schliesst sie, wie oft und welches Cannabis konsumiert wird. Diese Details können helfen, das Risiko für psychische Gesundheitsprobleme zu messen und die Aufmerksamkeit auf die spezifischen Schäden zu lenken, die diese Substanzen im Gehirn anrichten können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: King's College London, Sapienza University of Rome, Psychological Medicine; Nov. 2015

Schlechtere Durchblutung im Gehirn

29.11.2016 Laut einer im Journal of Alzheimer's Disease publizierten Studie der Amen Clinics und der University of California, San Francisco konnte mit Hilfe eines bildgebenden Verfahrens gezeigt werden, dass es bei Cannabis-Konsumenten zu einer anormal niedrigen Durchblutung in praktisch jeder Region des Gehirns kommt.

Am schlechtesten durchblutet: der Hippocampus

Der Hippocampus - der wichtigste Bereich für Gedächtnis und Lernen - war besonders davon betroffen (hatte den niedrigsten Blutdurchfluss bei Marihuana-Benutzern), was eine höhere Anfälligkeit für Alzheimer-Krankheit nahelegt.

Analysiert wurden die Daten von 26.268 Patienten, die zwischen 1995 und 2015 neun ambulante neuropsychiatrische Kliniken in den Vereinigten Staaten aufsuchten. Von diesen Patienten wurden bei 982 ehemaligen oder gegenwärtigen Marihuana-Konsumenten Einzelphotonen-Emissionscomputertomographien (kurz SPECT von englisch single photon emission computed tomography) vom Gehirn im Ruhezustand und während einer mentalen Konzentrationsaufgabe gemacht und mit den SPECTs von fast 100 gesunden Kontrollen verglichen.

Prädiktive Analytik wurde eingesetzt, um zu bestimmen, ob mit Hilfe der SPECT-Aufnahmen die Gehirne von Cannabis-Benutzern von den Gehirnen der Kontrollteilnehmern unterschieden werden könnten.

Es zeigte sich, dass der niedrige Blutfluss im Hippocampus bei Marihuana-Rauchern diese am zuverlässigsten von den gesunden Kontrollen unterschied.

Als einzelne Region im Gehirn konnte der rechte Hippocampus während einer Konzentrationsaufgabe am besten zwischen den Drogenkonsumenten und den Kontrollen unterscheiden. Studienautorin Dr. Elisabeth Jorandby nimmt an, dass Marihuana-Konsum das Gedächtnis stört, indem es die Aktivität in diesem Teil des Gehirns hemmt.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Amen Clinics, Universität California, Journal of Alzheimer's Disease - DOI: 10.3233/JAD-160833; Nov. 2016

Cannabinoide haben für das Gehirn eine nicht so schädigende Wirkung wie Alkohol

11.02.2018 Marihuana / Cannabis ist möglicherweise nicht so schädlich für das Gehirn wie zuvor angenommen laut einer in der Zeitschrift Addiction veröffentlichten Studie der Universität Colorado Boulder.

Alkohol: größere hirnschädigende Wirkung

Die Forschungsarbeit untersuchte die Gehirne von mehr als 1.000 Teilnehmern unterschiedlichen Alters und stellte fest, dass langfristiger Alkoholkonsum viel schädlicher für das Gehirn ist als Marihuana, was der jahrelangen Forschung über die Auswirkungen von Marihuana und anderen Cannabinoidprodukten auf das Gehirn widerspricht.

Besonders beim Konsum von Marihuana und der Beeinflussung des Gehirns gibt es immer noch sehr viel, was wir nicht wissen, sagt Rachel Thayer, Doktorandin in klinischer Psychologie an der CU Boulder und Hauptautorin der Studie. Die Forschungsergebnisse sind immer noch sehr begrenzt bei der Klärung der Frage, ob Marihuanakonsum schädlich oder nützlich für das Gehirn ist.

Während die negativen Auswirkungen des Alkohols auf das Gehirn seit Jahren bekannt sind, wurde bislang angenommen, dass Cannabinoide - wie das z.B. das psychoaktive Tetrahydrocannabinol (THC) schädlich für die langfristige Gesundheit des Gehirns sind. Das muss aber nicht unbedingt stimmen, schreibt die Psychologin.

Schäden für Hippocampus und Kleinhirn?

Koautor Kent Hutchison, Professor für Verhaltensneurologie, berichtet über eine Studie, in der Cannabiskonsum mit einer Verringerung des Hippocampus-Volumens verbunden war. Eine andere stellte Veränderungen im Kleinhirn in Zusammenhang mit Marihuana fest.

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Die Studien zeigten aber keine Übereinstimmung in Bezug auf die tatsächlich betroffenen Hirnstrukturen, schreibt der Neurowissenschaftler.

Um diese Unstimmigkeiten zu beheben, analysierte die neue Studie einige existierende neurologische Daten bildgebender Verfahren von den Gehirnen von Jugendlichen und Erwachsenen. Die Wissenschaftler untersuchten, wie der Einfluss von Cannabinoiden auf das Gehirn unter Verwendung der gleichen Variablen und Kontrollen im Vergleich zu oder im Kontrast zu Alkohol zu sehen ist.

Graue und weiße Substanz

Bei Alkohol wissen wir seit Jahrzehnten, dass er schlecht für das Gehirn ist, sagt Hutchison. Aber bei Cannabis wissen wir so wenig.

Um einen möglichen Unterschied zu erkennen, untersuchten die Forscher anhand der Daten die wichtigsten neurologischen Komponenten: die Graue Substanz und Weiße Substanz.

Graue und weiße Substanz sind die beiden Haupttypen des Gewebes, aus dem sich das Gehirn und das zentrale Nervensystem zusammensetzt.

Graue Materie ist der "Stoff" - die Zellkörper, Dendriten und Axonterminalen - der die Funktionalität ermöglicht. Über die weiße Substanz kommuniziert die graue Substanz zwischen den Clustern. Jeder Verlust an Größe oder Integrität in beiden Fällen kann dazu führen, dass das Gehirn nicht so funktioniert, wie es sollte.

Vergleich mit Hirnschäden durch Alkohol

Die Studie ergab, dass Alkoholkonsum signifikant mit einer Abnahme der Größe / bzw. des Volumens der grauen Substanz und der Integrität der Weißen Substanz verbunden war, insbesondere bei Erwachsenen, die jahrzehntelang exponiert waren.

Marihuana und die damit verbundenen Cannabinoidprodukte hingegen zeigten keine langfristigen Auswirkungen auf die Menge der grauen Substanz im Gehirn oder auf die Integrität der weißen Substanz.

Die Forschung hat gezeigt, dass Cannabis zwar auch negative Folgen haben kann, sich aber definitiv nicht in der Nähe der negativen Auswirkungen von Alkohol befindet, so Hutchison.

Trotzdem Marihuana nicht so schädlich für das Gehirn ist wie zuvor angenommen, und definitiv nicht so gefährlich wie andere legale und illegale Produkte bzw. Drogen ist, hat die Forschung noch keinen möglichen Nutzen belegen können. Dies gilt insbesondere für die verschiedenen auf dem Markt befindlichen Produkte (sowohl THC- als auch nicht-THC-haltige Cannabinoidprodukte), ihre Verwendung bei der Schmerz- und Suchtbehandlung und die Auswirkungen auf die verschiedenen Altersgruppen - zumal der Cannabinoidkonsum bei älteren Bevölkerungsgruppen zunimmt.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Colorado Boulder; Addiction - DOI: 10.1111/add.13923; Feb. 2018

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