Marihuana, Cannabis: Kreativität

Suchtkrankheiten und Abhängigkeit

Marihuana macht nicht kreativer

09.10.2014 Viele Menschen glauben, dass das Rauchen von Cannabis sie kreativer macht. Eine neue Studie der Universität Leiden (Niederlande) belegt jedoch: Das Gegenteil trifft zu.

Viel THC bringt gar nichts

Die Befunde zeigen, dass Cannabis mit einer hohen Konzentration des psychotropen Bestandteils THC die Kreativität überhaupt nicht verbessert. Marihuanaraucher, die wenig oder gar kein THC einnahmen (ihnen wurde dann ein Placebo gegeben), erreichten die höchsten Punkte bei Denkaufgaben, die die Testkandidaten ausführen sollten. Eine hohe Dosis an THC schien sogar eher eine negative Wirkung auf die Fähigkeit zu haben, möglichst schnell, so viele Lösungen wie möglich für ein gegebenes Problem zu präsentieren.

Gesteigerte Kreativität ist eine Illusion

Die Forschungsbefunde widersprechen Menschen, die behaupten, nach dem Rauchen eines Joints würde sich ihr Denken ändern und origineller werden. Es gibt keine Anzeichen für einen Anstieg der Kreativität in ihrer objektiven Performance, laut Colzato. "Eine von den Rauchern vermeintlich wahrgenommene Verbesserung ist rein illusorisch."

Zu viel Dope ist kontraproduktiv

Colzato schreibt in der Zeitschrift Psychopharmacology: "Wenn Sie eine schriftstellerische Blockade oder andere kreative Hemmnisse überwinden wollen, sollten Sie sich nicht einen Joint anzünden. Das Rauchen mehrerer Joints ist hinsichtlich kreativem Denken sogar kontraproduktiv."

Die Studie

Colzato und Kowal sind die ersten Forscher, die die Wirkungen des Cannabiskonsums auf das kreative Denken untersucht haben. Aus ethischen Gründen wurden nur Marihuanakonsumenten für diese Studie gewählt. Die Testkandidaten wurden in drei 18ner Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe bekam Cannabis mit einem hohen THC Gehalt (22 mg), die zweite erhielt eine niedrige Dosis (5,5 mg) und die dritte Gruppe bekam ein Placebo.

Die hohe Dosis war äquivalent zu drei Joints, die niedrige Dosis zu einem Joint. Keiner der Teilnehmer wußte, was ihm gegeben wurde; das Cannabis wurde über einen Verdampfer verabreicht. Die Testkandidaten sollten dann kognitive Aufgaben durchführen, die zwei Formen kreativen Denkens testeten:

© PSYLEX.de - Quelle: Universität Leiden / Psychopharmacology, Oktober 2014

Der Kreativitätszuwachs ist illusorisch

06.10.2016 Regelmäßige Cannabiskonsumenten sind sich ihrer eigenen Fehler weniger bewusst, und sie sind im kreativen Denken nicht gut. Das ist der Schluss, den eine Studie der Universität Leiden aus ihrer Forschung zieht.

Studienautor Mikael Kowal vom Fachbereich für Psychologie führte Experimente mit 40 chronischen Marihuanakonsumenten durch. Die Kontrollgruppe mit 20 Nicht-Konsumenten erhielt ein Placebo.

Kowal untersuchte die direkten und chronischen Auswirkungen von Cannabis auf die mit Dopamin verbundenen Funktionen, wie das kreative Denken und die Fähigkeit, die eigenen Fehler zu erkennen. Der Neurotransmitter Dopamin ist wichtig für das richtige Funktionieren des Gehirns und spielt auch eine Rolle bei der Lern-Performance.

Weniger gut im Brainstorming

Die Forschung des Psychologen zeigt, dass Marihuanaraucher in mentalen Prozessen, die für die kreative Performance entscheidend sind - wie z.B. Brainstorming - eine geringere Leistung demonstrierten: "Es gibt einen weit verbreiteten Irrglauben bei den Konsumenten, dass diese Droge die Kreativität erhöhe. Dieses Experiment widerlegt diese Annahme", sagte er.

Verarbeitung von Fehlern

Er konnte auch demonstrieren, dass die an der Überwachung von Fehlern beteiligten Prozesse im Gehirn von chronischen Benutzern weniger effektiv arbeiten.

Eine hohe Dosis Cannabis scheint sowohl die unbewusste Verarbeitung von Fehlern als auch spätere und bewusstere Stufen der Fehlerverarbeitung zu beeinflussen. Kowal sagte, dass es wichtig ist, mehr über die Effekte von Marihuana auf die Fähigkeit von Menschen zu erforschen, Fehler zu entdecken. Das kann bei der Entwicklung eines Behandlungsprogramms gegen Drogensucht helfen.

Verringerte Dopamin-Produktion

Die Forschung zeigt auch klare langfristige Auswirkungen: Cannabis stört die Aktivität von Dopamin im Gehirn. Bei regelmäßigen Konsumenten wurde eine bedeutende Verminderung der Frequenz des spontanen Augenblinzelns festgestellt, ein Indiz für die Verringerung der Dopamin-Produktion.

Frühere Forschungsbefunde sagen, dass regelmäßiger Marihuana-Konsum nicht notwendigerweise verhängnisvolle Auswirkungen auf das Dopamin-System habe.

Es kann gut sein, dass das Alter, in dem die Droge zuerst verwendet wird, ein entscheidender Faktor ist. Außerdem können Cannabis-Typ und neurobiologische Prozesse miteinander wechselwirken und individuelle Konsequenzen haben, sagte der Psychologe. Deswegen sind weitere Forschungen notwendig, um die individuellen Auswirkungen der Droge auf Kreativität und neuropsychologische Funktionen zu erforschen.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Leiden; Okt. 2016

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