Marihuana, Cannabis Mischkonsum

Suchtkrankheiten und Abhängigkeit

Marihuanaabhängigkeit: Infos und News aus Forschung und Wissenschaft. Folgen, Wirkungen, Krankheiten bei (fortgesetzten) Marihuanakonsum.

Cannabis-Tabak-Mischkonsum erhöht Abhängigkeitsgefahr

06.07.2016 Tabak (Nikotin) und Cannabis sind zwei der populärsten Drogen weltweit; etwa 1 Milliarde Menschen rauchen Tabak und ca. 182 Millionen Menschen weltweit konsumieren Cannabis-Produkte (WHO).

Mischkonsum vergrößert Abhängigkeitsgefahr

Viele Konsumenten mischen Cannabis mit Tabak, nicht nur um Geld zu sparen, sondern auch weil Tabak die Effekte des inhalierten Marihuanas vergrößern kann.

Aber solch ein Mix kann die Gefahr für eine Abhängigkeit vergrößern laut einer im Fachblatt Frontiers in Psychiatry veröffentlichten Studie des University College London.

Ähnlichkeiten der Süchte

Marihuanaabhängigkeit und Tabakabhängigkeit ähneln sich, weswegen es häufig schwierig ist, dies bei Menschen zu trennen, die beide Rauschgifte verwenden, sagt Studienautorin Chandni Hindocha vom Fachbereich für Klinische Psychopharmakologie.

Marihuana ist weniger suchterzeugend als Tabak, aber die Forscher zeigen hier, dass das Mischen von Tabak mit Cannabis die Motivation senkt, das Konsumieren dieser Rauschgifte beenden zu wollen.

Zusammen mit Kollegen anderer Universitäten wertete Hindocha Antworten von 33.687 Marihuana-Benutzern aus, die an der Global Drug Survey 2014 teilnahmen - einer anonymen Online-Umfrage zum Rauschgift-Konsum mit Teilnehmern aus insgesamt 18 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika, und Australasien. Die neue Studie untersuchte zum ersten Mal auch die Applikationswege / Verabreichungswege - also auf welche Weisen die Drogen konsumiert werden.

Applikationswege / Verabreichungswege

Die Applikationswege sind sehr unterschiedlich zwischen den Ländern, zeigen Hindocha und ihre Kollegen.

Zum Beispiel ist die Verabreichung von Marihuana über Tabakprodukte - wie Joints, Blunts oder Pfeifen - in Europa populärer als anderswo. Abhängig vom Land benutzten zwischen 77,2 % und 90,9 % der europäischen Cannabis-Konsumenten Tabak bei der Applikation, während dies nur 51,6 % der Australiern und 20,7 % der Neuseeländer tun. Tabak zu verwenden ist in Amerika am wenigsten populär: nur 16 % der Kanadier, 4,4 % aus den USA, 6,9 % der Mexikaner und 7,4 % der Brasilianer konsumierten Cannabis-Produkte im Mix mit Tabak.

Im Gegensatz dazu ist der Gebrauch von Marihuana-Verdampfern - eine strikte Nicht-Tabak-Applikation in Kanada (13,2 %) und den Vereinigten Staaten (11,2 %) recht üblich, aber überall sonst (0,2 bis 5,8 %) selten.

Beeinflussung der Motivation aufzuhören

Die Vorlieben für bestimmte Verabreichungswege beeinflussen auch stark die Motivation aufzuhören und professionelle Hilfe dafür zu suchen.

Insbesondere Marihuana-Benutzer, die Nicht-Tabak-Applikationen bevorzugten, zeigten eine um 61,5 % höhere Wahrscheinlichkeit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um weniger Marihuana zu konsumieren und eine um 80,6 % höhere Wahrscheinlichkeit Hilfe aufzusuchen, um weniger Tabak zu rauchen.

Ähnlich zeigte sich bei den Cannabis-Benutzern, die Nicht-Tabakwege bevorzugen, eine um 10,7 % höhere Wahrscheinlichkeit nach dem Wunsch, weniger Tabak zu rauchen, und eine um 103,9 % höhere Wahrscheinlichkeit für eine aktive Planung Hilfe aufzusuchen, um weniger Tabak zu rauchen.

Mischkonsumenten eher psychisch abhängig

Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass regelmäßige Mischkonsumenten eher für eine psychische Abhängigkeit anfällig sind als Personen, die Marihuana und Tabak getrennt verwenden.

Die Ergebnisse betonen die Wichtigkeit, die Verabreichungswege zu berücksichtigen, wenn man die Gesundheitseffekte von Cannabis zeigen will.

So ist der gemischte Konsum von Marihuana und Tabak mit einer geringeren Motivation verbunden, mit dem Tabakrauchen aufzuhören und Hilfe zu suchen, um mit Cannabis- und Tabakgebrauch aufzuhören, sagte Koautor Prof. Michael T. Lynskey.

Weitere Ergebnisse der Studie:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University College London, Frontiers in Psychiatry - DOI: 10.3389/fpsyt.2016.00104; Juli 2016

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