Geistiger Verfall durch Cold Turkey

Suchterkrankungen: Sucht und Abhängigkeit

22.11.2013 Eine neue Tierversuchsstudie hat festgestellt, dass abrupter Drogenentzug ("Cold Turkey", auch Entzugssyndrom genannt) - ohne Behandlung - eine Verschlechterung der mentalen Gesundheit auslösen kann.

Drogenmissbrauch verursacht psychische Schäden

Forscher der Georgetown Universität (Medical Center) sagen, dass ihre Beobachtungen bei Morphin-abhängigen Tieren nahelegen, dass eine Behandlung beim Drogenentzug zu einem gesünderen psychischen Zustand führen könnte.

"Während sie Drogen missbrauchen, entwickeln die Abhängigen im Laufe der Zeit oftmals psychische Erkrankungen", sagte Italo Mocchetti, Professor der Neurobiologie. "Es wird angenommen, dass der Drogenmissbrauch selbst zu einem geistigen Verfall beiträgt, aber unsere Befunde lassen vermuten, dass der 'kalte Entzug' ebenfalls zu Schäden führen kann".

Geistiger Verfall durch Cold Turkey

In der in Brain, Behavior and Immunity erschienenen Studie behandelten Mocchetti und sein Forscherteam die Tiere beim Entzug mit Morphin (Haupt-Alkaloid des Opiums), oder ließen die Tiere ohne Behandlung 'kalt' entziehen.

Drogenentzug ohne Behandlung

Sie maßen dann die pro-inflammatorischen Zytokine, welche Zellschäden und Zelltod unterstützen können, und das Protein CCL5, welches verschiedene schützende Wirkungen im Gehirn hat.

"Wir stellten interessanterweise fest, dass die Behandlung der abhängigen Tiere mit Morphium einerseits das protektive CCL5 Protein steigerte, andererseits die pro-entzündlichen Zytokine verminderte, was insgesamt eine positive Wirkung nahelegt", sagte Mocchetti.

Er bemerkte, dass die Tiere, die nicht während des Entzugs behandelt wurden, die gegenteiligen Effekte zeigten: CCL5 verminderte sich und das Niveau der schädigenden Zytokine erhöhte sich.

"Ausgehend von diesen Befunden, scheint es, dass Morphinentzug ein verursachender Faktor für mentalen Verfall sein kann. Dies könnte für die Forschung sehr wichtig sein, wenn wir bessere Wege finden wollen, Drogenabhängigen beim Aufhören zu helfen", schloss er.
Quelle: Georgetown University Medical Center, Nov. 2013

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Cold Turkey

07.03.2017 Kommentar von MissJunkie:

Sehr interessant, all die neuen Erkenntnisse. Ich mache die Erfahrung, das sich in den letzten 30 Jahren nicht viel geändert hat. Gesellschaftlich. Es herrscht totalitäres Klischee Denken. Am schlimmsten empfinde ich, das Suchtkranken (Heroin), die diesen Klischee nicht entsprechen, nicht geholfen wird. Behandlungen sind ausgerichtet für Menschen, die diesen Klischee entsprechen. Doch, Menschen, so wie ich, die Familie-Erziehung-Kinder-Berufstätigkeit und Sucht unter einen Hut bringen müßen: Nichts! Die Sucht wird nicht gesehen!

Kommuniziere, denke, tue, lache, bewältige Probleme, bin eine Vertrauensperson uvm: passe nicht zu einen Heroinsüchtigen. Also gibt's keine Hilfe, keine Behandlung,etc: Kann nicht sein, das dies benötigt wird. Es existieren wohl mehr Süchtige, so wie ich, die noch viel mehr leisten müßen, viel mehr arbeiten müßen, um das alles zu finanzieren. Hilfe...bekommen am ehesten diejenigen, die wohl auch ohne Sucht nicht lebensfähig wären. Hört sich sehr hart an; will ein Bild in euren Köpfen entstehen lassen.

as Entziehen selber, ist nicht das Problem. Runter mit der Dosis, mit der gleichen illegalen Substanz. Das (Fehl-) Verhalten zu erkennen, zu ändern, wäre ideal für ne stabile Abstinenz. Heroinabhängige können Mütter, Freundinnen, liebenswürdige Menschen sein. Ohne kriminelles Verhalten. Die Notlage macht erfinderisch. Und führt zu Vorstrafen.

Meine persönliche 30 jährige Erfahrung zur Heroinsucht: Menschen, die ohne Drogen od. Sucht, falsche, verlogene, skrupellose Subjekte sind, waren dies vorhin schon. Die Sucht verstärkte ihre Neigungen. Die kamen dann extrem zum Vorschein. Dies dürfte nicht automatisch sein. So...ein bißchen vom Thema abgekommen! Ich habe den kalten Entzug oft als "Selbstbestrafung" genutzt. Merke allerdings, das es mir schwerer fällt, je älter ich werde. Psychische Verfassung spielt eine große Rolle. Auch andre Komponenten. Warum wird reines Heroin nicht in Apotheken abgegeben? Ist es möglich...nach so langer Suchtzeit clean zu bleiben? Was, wenn der Gehirnstoffwechsel gar nicht mehr anders funktionieren kann? So viele Fragen wären da noch. Liebe Grüße!

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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