Computerspielabhängigkeit und das Gehirn

Suchterkrankungen: Sucht und Abhängigkeit

News aus der Forschung zur Computerspielabhängigkeit (auch Computerspielsucht oder Videospielsucht genannt)

Onlinespiel World of Warcraft verändert das Gehirn

10.11.2017 Eine neue in Addiction Biology veröffentlichte Studie konnte mit Hilfe von struktureller Magnetresonanztomografie zeigen, dass es zu Veränderungen im Gehirn nach dem Spielen eines weit verbreiteten Online-Computerspiels kommt.

Geringere Volumen des orbitofrontalen Cortex

Zu Beginn der Studie wurde der orbitofrontale Cortex von Langzeit-Spielern (von World of Warcraft - kurz WoW - eines der am verbreitesten Online-Spiele und als besonders im Hinblick auf Computerspielabhängigkeit in Verdacht stehenden Spiels) und Nicht-Spielern verglichen.

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Bild: Gerd Altmann

Bei den Langzeit-Spielern konnte ein reduziertes Volumen im orbitofrontalen Cortex festgestellt werden. Diese Gehirnregion im Frontallappen spielt eine wichtige Rolle bei der Regulation von Entscheidungen und Emotionen. Das reduzierte Volumen stand in Verbindung mit erhöhten Abhängigkeitstendenzen bei den Spielern.

Doch ist das verringerte Volumen im orbitofrontalen Cortex (OFC) die Folge oder Ursache für Computerspielsucht bzw. Internetabhängigkeit?

Um diese Frage zu klären teilten die Psychologen 119 Teilnehmer in verschiedene Spielgruppen:

  1. Erfahrene WoW-Gamer
  2. Neulinge: Keine Erfahrungen mit Onlinespielen wie WoW; diese sollten sechs Wochen täglich mindestens eine Stunde World of Warcraft spielen
  3. Neulinge: Keine Erfahrungen mit Internetspielen; diese spielten in dieser Zeit nicht und bildeten die Kontrollgruppe

Die Teilnehmer wurden am Anfang und am Ende dieser Phase Gehirnscans unterzogen, um potentielle Auswirkungen auf die Struktur des Gehirns festzustellen.

Die Psychologen stellten nun auch eine Abnahme der grauen Substanz im OFC der spielenden Neulinge (im Vergleich zur Kontrollgruppe) fest, die laut den Forschern auf neuroplastische Mechanismen deuten.

Schlechtere Emotionsregulation und Entscheidungsfindung

"Unser Gehirn hat die Fähigkeit, sich durch Lernprozesse zu verändern. So zeigten bereits frühere Studien, dass das Erlernen eines Musikinstrumentes Einfluss auf Hirnareale nimmt, in denen beispielsweise die Motorik der Hände gesteuert wird. Wir konnten nun zeigen, dass Computerspielen von WoW mit einer Reduktion des Hirnvolumens im orbitofrontalen Kortex assoziiert ist", schreibt Studienleiter Christian Montag, Professor für Molekulare Psychologie an der Universität Ulm.

"Die beobachtete Reduktion könnte mit einer schlechteren Emotionsregulation und Entscheidungsfindung einhergehen. Besorgniserregend ist, dass sich die hirnstrukturellen Veränderungen bereits nach sechs Wochen nachweisen ließen", führt er weiter aus.

Spuren im Gehirn

Damit zeigen die Resultate, dass "das reduzierte OFC-Volumen tatsächlich eine Folge von Internet Gaming darstellen" kann, schließen die Psychologen.

Die vorliegenden Ergebnisse deuten zusammengefasst auf eine wichtige Rolle des orbitofrontalen Cortex bei der Entwicklung der Internetabhängigkeit bzw. Computerspielabhängigkeit mit einem direkten Zusammenhang zwischen exzessivem Engagement im Online-Gaming und strukturellen Defiziten in dieser Gehirnregion.

"Wir wollten in unserer Studie beispielhaft zeigen, dass Internet-Gaming tatsächlich Spuren im Gehirn hinterlassen kann. Möglicherweise wären bei anderen Spielen ähnliche Beobachtungen zu machen. Dies müsste allerdings noch getestet werden", sagt Montag abschließend.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Ulm; Addiction Biology - doi:10.1111/adb.12570; Nov. 2017

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