Ecstasy / MDMA (Psyche, Gehirn)

Suchterkrankungen: Sucht und Abhängigkeit

Folgen für Gesundheit - Gedächtnisverlust

Ein Forscherteam am UKE in Hamburg ist sich sicher, dass regelmäßiger Konsum von Ecstasy (Hauptwirkstoff normalerweise MDMA: Methylendioxymethylamphetamin) zu bleibenden Gedächtnisschäden führt.

Die 30-köpfige Forschergruppe fand bei einer über mehrere Jahre angelegten Studie heraus, dass jeder zweite Ecstasy-Konsument Gedächtnisstörungen aufwies. So konnten die Testpersonen nur schwer Lernstoff aufnehmen und hätten "am Ende einer Seite nicht mehr gewußt, was am Anfang stand".

Die Forscher hatten 120 Probanden (Alter 24) bei Techno-Veranstaltungen rekrutiert, und diese in folgende vier Gruppen (mit je 30 Personen) aufgeteilt:

Arten der Ecstasy-Konsumenten

Die Wissenschaftler erfragten die Konsum-Gewohnheiten, untersuchten die Test-Personen, auch auch durch Haaranalysen.

Die Forscher konnten die Defekte im Hippocampus, einem Teil des Großhirns, lokalisieren, das bei der Speicherung von Informationen eine wichtige Rolle spielt. Ecstasy soll hier die Nervenzellen schädigen, was durch moderne bildgebende Verfahren gezeigt werden konnte.

Starke psychische Abhängigkeit

Verantwortlich sei, so der der Leiter Rainer Thomasius, der Wirkstoff der Ecstasy-Pillen: MDMA ("3,4-Methylendioxymethylamphetamin"). Aufklärung tut not, da bereits jeder fünfte der 18-24jährigen von einer "starken psychischen Abhängigkeit" geprägt sei, so Rainer Thomasius.
Quelle: UKE

Ecstasy, MDMA bei psychischen Krankheiten

Hilfe bei Schizophrenie, antisoziale Persönlichkeitsstörung und Autismus

Einige Wissenschaftler glauben, dass das Medikament MDMA (3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin bzw. Ecstasy), das bekannt dafür ist Gefühle sozialer Verbundenheit und Empathie zu steigern, psychotherapeutischen Nutzen für jene, oft mit einem Mangel an Gefühl verbundenen psychischen Störungen wie Schizophrenie, Autismus oder antisoziale Persönlichkeitsstörung, haben kann.

Bis heute hatten es Wissenschaftler schwer, die Wirkungen von Ecstasy objektiv zu messen, und es gibt nur wenige Studien mit Menschen. Forscher der Universität von Chicago, die Studien mit gesunden Freiwilligen durchführten, haben von ihren neuen Befunden in der aktuellen Ausgabe von Biological Psychiatry berichtet.

Wirkung von MDMA

MDMA - Ecstasy
Ecstasy-Tabletten

"Wir stellten fest, dass MDMA Freundlichkeit, Verspieltheit und liebevolle Gefühle produzierte, sogar als es Menschen im Labor mit wenig sozialem Kontakt verabreicht wurde. Wir fanden auch MDMA die Kapazität der Freiwilligen reduzierte, Gesichtsausdrücke der Furcht bei anderen Leuten zu erkennen, eine Wirkung, die mit der gesteigerten Geselligkeit, die MDMA nachgesagt wird, verbunden sein kann", sagte Autor Dr. Gillinder Bedi.

Diese Befunde zeigen, dass MDMA andere attraktiver und freundlicher erscheinen lassen kann, und dies könnte der Grund für seine Beliebtheit als Freizeitdroge sein.

Weiterhin lässt es andere weniger einschüchternd erscheinen, so dass eine Person sich zuversichtlicher bezüglich sozialer Risiken fühlen könnte.

Einsatz bei posttraumatischer Belastungsstörung

Die gegenwärtige Forschung stützt die Befunde der vorherigen Forschung, die gezeigt hat, dass MDMA eine Rolle bei der Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) haben kann, und die feststellte, dass MDMA

"Innerhalb des Kontexts der Behandlung können diese Wirkungen Vertrautheit unter Leuten fördern, die Schwierigkeiten haben sich anderen nahe zu fühlen", sagte Dr. John Krystal, Herausgeber von Biological Psychiatry.

Verzerrung der Wahrnehmung durch Ecstasy

"Jedoch verzerrt Ecstasy die Wahrnehmung Anderer, anstatt wahres Einfühlungsvermögen zu produzieren. Auf diese Art kann Ecstasy Probleme verursachen, wenn es Leute dazu führt, die Gefühlslage und vielleicht die Absichten von anderen fehlzuinterpretieren."

ADHS

Eine Studie von 2005 im Danish Medical Bulletin fand heraus, dass Ecstasy / MDMA auch für die Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-Hhyperaktivitätsstörung, ADHS nützlich sein kann.

Weitere Studien in kontrollierten Einrichtungen werden notwendig sein, bevor MDMA zum Gebrauch als ein psychotherapeutisches Medikament berücksichtigt werden kann. Jedoch heben diese Befunde die Wichtigkeit hervor, zu verstehen wie verschiedene Drogen soziale Erfahrungen beeinflussen, da Drogenmissbrauch oft in sozialen Situationen vorkommt.

Diese Studie wurde vom National Institute on Drug Abuse finanziert.

Quelle: Biological Psychiatry, Dez. 2010

Wirkung von Ecstasy auf das Gehirn

Gehirn-Effizienz

Der Konsum der Droge Ecstasy wird mit langfristigen Änderungen in den Hirnfunktionen verbunden, sagt eine neue Studie.

US-Forscher verwendeten funktionelle MRT, um die Reaktion des Gehirns auf visuelle Stimulierung bei Freiwilligen zu untersuchen, die 18 bis 35 Jahre alt waren und Ecstasy konsumiert hatten, jedoch nicht innerhalb der zwei Wochen der Studie während sie mit Personen verglichen wurden, die die Droge nie verwendet hatten.

Ecstasy-Benutzer mit der höchsten Exposition gegenüber der Droge zeigten eine erhöhte Aktivierung in drei Bereichen des mit der visuellen Verarbeitung verbundenen Gehirns. Dies zeigt, dass Ecstasykonsum mit dem Verlust an Serotonin-Signalen verbunden war, resultierend in erhöhter Aktivierung oder Hypererregbarkeit des Gehirns, sagten die Vanderbilt University Medical Center Forscher.

Hypererregbarkeit zeigt einen Verlust an Gehirneffizienz an, was bedeutet, dass es mehr geistige Arbeit braucht, um Informationen zu verarbeiten oder eine Aufgabe auszuführen.

Bei Teilnehmern, die Ecstasy für mehr als ein Jahr verwendet hatten, kehrte die Gehirnaktivierung nicht zur Normalität nach der - bei der Studie verwendeten - visuellen Stimulation zurück.

"Wir denken, dass diese Änderung der kortikalen Erregbarkeit chronisch, langanhaltend und sogar permanent sein könnte", sagte Dr. Ronald Cowan, außerordentlicher Professor der Psychiatrie, in einer Vanderbilt Pressemitteilung.

Die Frage ist, was mit deren Gehirnen über die nächsten 60 Jahre während des Alterns passiert.

Von diesen Befunden wird in der Maiausgabe von Neuropsychopharmacology berichtet.

Etwa 14,2 Millionen Menschen im Alter von 12 und älter in den Vereinigten Staaten haben Ecstasy während ihres Lebens laut der National Survey on Drug Use and Health (nationale Studie über Drogenverwendung und Gesundheit) verwendet. Über 760.000 hatten Ecstasy eingenommen in dem Monat, bevor sie befragt wurden.
Quelle: Neuropsychopharmacology, Juni 2011

Psychosoziale Auswirkungen: MDMA macht Menschen kooperativer, aber nicht leichtgläubiger

20.11.2018 Eine im Fachmagazin The Journal of Neuroscience publizierte psychologische Studie zeigt, dass MDMA (Hauptbestandteil in Ecstasy) dazu führt, dass Menschen besser zusammenarbeiten - aber nur mit vertrauenswürdigen Menschen.

Kooperatives Verhalten

In der ersten Studie, in der detailliert untersucht wurde, wie sich MDMA auf das kooperative Verhalten auswirkt, identifizierten die Forscher auch Veränderungen in den mit der sozialen Verarbeitung verbundenen Gehirnregionen.

Störungen bei sozialen Verarbeitungsprozessen sind als grundlegende Probleme in einer Reihe von psychiatrischen Erkrankungen bekannt und mit den gängigen Medikamenten nicht effektiv zu behandeln. Die Ergebnisse der Studie können für psychiatrische Erkrankungen wie posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) relevant sein.

Neurotransmittersysteme im Gehirn

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Bild: Gerd Altmann

Ecstasy wird von Drogenkonsumenten aufgrund der tiefgreifenden sozialen und psychischen bzw. emotionalen Auswirkungen verwendet und MDMA ist dafür bekannt, Neurotransmitter - chemische Botenstoffe im Gehirn - freizusetzen, die an psychologisches Verhalten und Stimmung gekoppelt sind. Allerdings wissen die Wissenschaftler wenig darüber, wie verschiedene Neurotransmittersysteme im Gehirn zu einem komplexen Sozialverhalten beitragen.

Psychosoziale Auswirkungen

Zwanzig gesunde erwachsene Männer erhielten entweder eine typische Dosis MDMA oder eine Placebo-Pille und erledigten mehrere Aufgaben in einem MRT-Gehirnscanner, darunter das Gefangenendilemma. Im Gefangenendilemma entscheiden sich die Spieler dafür, entweder zu konkurrieren oder mit einem anderen Spieler zusammenzuarbeiten. Beide Spieler erhalten Punkte, wenn sie kooperieren, aber wenn ein Spieler sich für den Wettkampf entscheidet, erhalten sie alle Punkte, während der andere Spieler nichts bekommt.

Die Forscher fanden heraus, dass die Teilnehmer unter dem Einfluss von MDMA kooperativer wurden, aber nur im Umgang mit vertrauenswürdigen Akteuren.

Aktivität in Cortex, Insula

MDMA erhöhte die Aktivität im superioren temporalen Cortex und im mittleren cingulären Cortex, Bereiche, die bekanntermaßen wichtig für das Verständnis der Gedanken, Überzeugungen und Absichten anderer Menschen (also empathische Fähigkeiten) sind.

Bei der Verarbeitung des Verhaltens vertrauenswürdiger Spieler erhöhte MDMA die Aktivität in der rechten vorderen Insula, verringerte sie aber bei der Verarbeitung des Verhaltens nicht vertrauenswürdiger Spieler, was das unterschiedliche Verhalten gegenüber verschiedenen Gegnern widerspiegelt. Die rechte anteriore Insula ist wichtig für die Integration von Bewertungen, Risiken und Unsicherheiten.

Gehirnaktivität

Das Verständnis der Gehirnaktivität, die dem Sozialverhalten zugrunde liegt, könnte helfen zu erkennen, was bei psychiatrischen Erkrankungen schief läuft, schreiben die Forscher um Anthony S Gabay vom King's College London. Angesichts der sozialen Natur der Psychotherapie wirft das Verständnis, wie der in Ecstasy zu findende Wirkstoff die psychosoziale Interaktion beeinflusst, ein Licht darauf, warum das Medikament zu einem wertvollen Werkzeug bei der Behandlung von Patienten werden könnte.

MDMA befindet sich derzeit in klinischen Phase-3-Studien zur Behandlung von PTBS - zusammen mit Psychotherapie eingesetzt - und wurde von der US-Gesundheitsbehörde FDA mit dem Status Breakthrough-Therapie ausgezeichnet.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Journal of Neuroscience (2018). DOI: 10.1523/JNEUROSCI.1276-18.2018

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