Internetsucht / Internetabhängigkeit

Suchtkrankheiten und Abhängigkeit

Definition

Internetabhängigkeit: Im Englischen Internet Addiction Disorder (IAD) genannt - im Deutschen sind auch noch Internetsucht oder Onlinesucht im Gebrauch - wird wissenschaftlich eher problematische Internetnutzung oder zwanghafte Internetnutzung genannt.

Ähnliche Begriffe sind übermäßige Internetnutzung, problematische Computernutzung oder pathologische Computernutzung. Die Begriffe vermeiden die Wörter Sucht oder Abhängigkeit und beschränken sich nicht auf eine einzelne Ursache, sondern nur auf eine allgemeine Aussage über exzessive Computernutzung, die das tägliche Leben beeinträchtigen kann.

Internet- bzw. Onlinesucht / Internetabhängigkeit ist bisher nicht als Störung oder Krankheit in den Krankheitsmanualen DSM oder ICD definiert worden.

26.05.2014 Studie

Kinder fühlen sich abhängig vom Internet

Ein Umfrage unter älteren Schülern hat ergeben, dass sich ein großer Teil von ihnen vom Internet abhängig fühlt; anscheinend, weil sie über die neuen mobilen Geräte jederzeit verfügen und online sein können.

Die Umfrage der Organisation Tablets for Schools befragte 2.228 elf bis 17-jährige Kinder an neun englischen und schottischen Schulen und stellte fest, dass sich fast 40 Prozent der Befragten manchmal abhängig von ihrem internetfähigen Geräten fühlen. Von diesen nehmen 64 Prozent das Tablet oder einen Laptop mit ins Bett.

31% berichteten, dass sie dies für die Hausaufgaben täten; 66% sagten, sie nutzten es, um mit Freunden zu reden, Filme und Videoclips anzusehen oder Spiele zu spielen.

Auch fühlten sich mehr Mädchen (46%) als Jungen (36%) manchmal vom Internet abhängig.

Einer der Schüler sagte: "Es ist das erste, was ich morgens und das letzte, was ich mir abends ansehe ...". Ein andere Schülerin gab zu, dass sie "nervös" wird, wenn sie über längere Zeit nicht online ist: "Ich fühle mich, als ob ich etwas verpassen würde."

Andrew Harrison (Vorsitzender von Tablets for Schools) sagte: "Wichtig ist es, die Risiken zu erkennen und ihnen auf ausgewogene Weise zu entgegnen, da die erstaunliche Leistungsfähigkeit dieser Geräte auch Bildung und Lehre unserer Schulen verbessern."

Als sie gefragt wurden, wie man am besten einer Internetsucht begegnen sollte, sagten die Kinder, dass

© PSYLEX.de - Quelle: Tablets for Schools, Mai 2014

Zwanghafte Internetnutzung: 6 Prozent der Menschen weltweit betroffen

20.12.2014 Internetsucht ist ein Impulskontrollproblem, charakterisiert durch die Unfähigkeit, die Nutzung des Internets einzuschränken; dies kann sich negativ auf das Leben der Betroffenen (Gesundheit und zwischenmenschliche Beziehungen) auswirken.

Die Prävalenz (Auftretenshäufigkeit) von Internetabhängigkeit variiert zwischen den Regionen der Welt, wie die Daten von mehr als 89.000 Personen aus 31 für eine Studie analysierten Ländern ergaben.

Internetabhängigkeit
Bild: Gerd Altmann (pixabay)

Die in Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking veröffentlichte Studie der Wissenschafler Cecelia Cheng und Angel Yee-lam Li von der Hong Kong Universität präsentierte 164 Internetsucht-Prävalenzzahlen mit einer geschätzten globalen Prävalenz von 6,0%.

Die Prävalenz unterschied sich jedoch stark zwischen den Ländern mit den niedrigsten Werten in Nord- und Westeuropa (2.6%) und den höchsten im Nahen Osten.

Die Autoren beschreiben Faktoren, die mit einem abhängigen Internetsuchtverhalten verbunden sind und wie es sich auf die Lebensqualität der Personen auswirkt.

Die Studie untersuchte zwei Hypothesen, um die Abweichungen zwischen den Nationen zu erklären.

  1. Die erste war die Zugänglichkeitshypothese (je höher die Erreichbarkeit des Internets durch die Bürger desto höher die Prävalenz problematischen Internetverhaltens).
  2. Die andere war die Lebensqualitätshypothese, die besagt, dass die Prävalenz von Onlinesucht umgekehrt proportional zum globalen Landesindex für Lebenszufriedenheit und den spezifischen nationalen Indizes für Umweltqualität zusammenhängt.

Die Krankheitshäufigkeit von Internetsucht war am höchsten in Ländern mit einem hohen Verkehrsaufkommen, Umweltverschmutzung und allgemeiner Lebensunzufriedenheit.

Diese Studie bietet eine erste Unterstützung der Annahme für die inverse Beziehung zwischen Lebensqualität und Internetabhängigkeit. Sie kann jedoch nicht die Hypothese unterstützen, dass eine hohe Interneterreichbarkeit (wie in Nord- und Westeuropa) ein zwanghaftes Internetverhalten auslöst, sagt Editorin Brenda K. Wiederhold von der Zeitschrift Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking.

© PSYLEX.de - Quellen: Hong Kong Universität, Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking; Dezember 2014

Problematisches Online-Verhalten verbunden mit Lebensunzufriedenheit

18.03.2016 Eine in der Zeitschrift Psychiatry Research veröffentlichte Studie der Universität Ulm untersuchte, ob problematische Internetnutzung mit einer Beeinflussung der Lebenszufriedenheit im Zusammenhang steht.

Dazu analysierten die Forscher die zwischen März bis September 2014 erhobenen Daten von 4.852 interviewten Teilnehmern (2.343 weiblich); das Durchschnittsalter betrug 29 Jahre, wobei 46 Prozent Schüler waren.

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Bild: splitshire

Erfasst wurden demografische Daten, allgemeine Lebenszufriedenheit (insbesondere in den Bereichen Freizeit, Gesundheit, Wohnen, Beruf und Einkommen) und Daten zur Internetnutzung (Nutzungsdauer und Internetsucht mit dem Internet-Abhängigkeitstest short Internet Addiction Test - s-IAT).

Über den s-IAT werden suchtübliche Verhaltensprobleme erfasst, wie

Die Ergebnisse bestätigen, dass bei problematischem Internetnutzungsverhalten die Lebenszufriedenheit beeinträchtigt wird. Etwa 28% der männlichen und 24% der weiblichen Teilnehmer schienen einen problematischen Umgang mit dem Internet zu haben laut den Wissenschaftlern.

Stärkere negative Auswirkung auf Frauen

Insbesondere konnten die Forscher in dieser Studie eine stärkere Beeinträchtigung der Lebenszufriedenheit bei den weiblichen Teilnehmerinnen feststellen.

"Gleichwohl die durchschnittliche private Internetnutzungsdauer bei den Teilnehmerinnen der Studie viel geringer war, wirkt sich bei den Mädchen und Frauen eine problematische Internetnutzung viel stärker auf die Lebenszufriedenheit aus als bei den Männern", sagte Studienautor Bernd Lachmann.

"Möglicherweise haben Männer hier eine höhere Reizschwelle oder bessere Strategien zur Bewältigung des Online-Rauschs", so der Professor für Molekulare Psychologie Christian Montag.

"Während Männer häufiger als Gamer in Online-Spielen unterwegs sind, fühlen sich Frauen mehr von sozialen Netzwerken angezogen", sagte Lachmann. Und diese scheinen eher frustrierende Erlebnisse mit sich zu bringen (z.B. Neid), wie frühere Forschungsarbeiten bereits zeigen konnten.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Universität Ulm, Psychiatry Research; März 2016

Erfahrungen, Kommentare, Fragen

Re: mangelndes Mitempfinden

19.02.2015 Kommentar von Wendelin Roth:

Sollte nicht auch die Art der Empathie untersucht werden. Ist es nicht so, dass man, um eine eigene Empathie entwickeln zu können, die unabhängigen Informationen aus dem Internet braucht. Denn sonst entwickelt sich wohl eine Empathie, die sich dann aber nur auf sein unmittelbares Umfeld oder die eigenen gesellschaftlichen Merkmale ausrichtet. Wie kann ein Mensch Empathie z.B. für Flüchtlinge entwickeln, wenn er nicht weiß aus welchen Umständen sie geflohen sind? Wie kann ein Mensch Empathie für Arme entwickeln, wenn er nicht darüber informiert ist, wie dort die Arbeitsbedingungen, Umweltbedinungen usw. sind. Wie kann man Empathie entwickeln, wenn man statt aufs Internet auf menschenverachtende Mainstreammedien wie z.B. Bild angewiesen ist. Und warum überhaupt glaubt die Studie dem Menschen ein Informationsmedium madig machen zu können?

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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