Sucht nach sozialen Kontakten

Suchterkrankungen: Sucht und Abhängigkeit

Ist die Smartphone-Abhängigkeit eine Sucht nach sozialen Kontakten?

16.02.2018 Sind Menschen, die alle paar Minuten ihr Smartphone anschalten, Kurznachrichten schreiben und überprüfen müssen, was ihre Freunde in den sozialen Medien machen, Smartphone-Süchtige? Zeigen sie dadurch antisoziales Verhalten oder sind sie eher hyper-sozial, und die Abhängigkeit vom Smartphone ist in Wirklichkeit nur der Ausdruck bzw. die Sucht nach sozialen Kontakten und sozialer Anerkennung?

Evolutionäre Psychologie

Der Professor für Anthropologie Samuel Veissière behauptet, dass der Wunsch, andere zu beobachten und zu überwachen, aber auch von anderen gesehen und überwacht zu werden, tief in unserer evolutionären Vergangenheit liegt.

Der Mensch hat sich zu einer einzigartigen sozialen Spezies entwickelt und benötigt ständigen Input von anderen, um einen Leitfaden für kulturell angemessenes Verhalten zu finden. Dies ist auch ein Weg für ihn, um Sinn, Ziele und Identität zu finden, sagt der Anthropologe.

Veissière und Moriah Stendel, Forscher vom Fachbereich Psychiatrie der McGill Universität veröffentlichten im Fachblatt Frontiers in Psychology ihre aktuelle Arbeit über die dysfunktionale Nutzung intelligenter Technologien betrachtet durch eine evolutionäre Linse und stellen fest, dass die süchtig machendsten Smartphone-Funktionen alle ein gemeinsames Merkmal haben: Alle diese Technologien benutzen den menschlichen Wunsch nach sozialen Kontakten.

Gesunde Bedürfnisse können ungesunde Süchte bilden

Während Smartphones ein normales und gesundes Bedürfnis nach sozialen Kontakten ermöglichen, können Tempo und Ausmaß der Hyper-Konnektivität das Belohnungssystem des Gehirns übersteuern, was zu ungesunden Abhängigkeiten führen kann, schreiben die Wissenschaftler.

mädchen guckt auf smartphone
Bild: Jan Vasek

In postindustriellen Umgebungen, in denen Lebensmittel reichlich vorhanden und leicht verfügbar sind, kann unser Verlangen nach Fett und Zucker, das durch ferne evolutionäre Zwänge geformt wird, leicht in einen unersättlichen 'Overdrive' übergehen und zu Fettleibigkeit, Diabetes, und Herzkrankheiten führen.

Ähnlich können die prosozialen Bedürfnisse und Belohnungen der Smartphone-Nutzung als Kommunikationsmittel übersteuert werden und ein manisches Theater der hypersozialen Kontrolle und Überwachung herstellen, schreiben die Autoren in ihrer Forschungsarbeit.

Die Panik in Bezug auf dieses Problem ist groß, sagt Veissière. Es sei aber unser Wunsch nach menschlicher Interaktion, was süchtig macht, und es gäbe ziemlich einfache Lösungen, um damit umzugehen, schreibt er.

Das Ausschalten von Push-Benachrichtigungen und das Einrichten geeigneter Zeiten, um das Smartphone zu überprüfen, kann langfristig wieder dafür sorgen, dass jemand die Kontrolle über die Sucht nach dem Smartphone wiedererlangt. Untersuchungen haben ergeben, dass Arbeitsplatzrichtlinien, die Abend- und Wochenend-E-Mails verbieten, ebenfalls wichtig sind.

Die richtige Nutzung von Smartphones

Anstatt die Technologieunternehmen oder die Nutzung dieser Geräte zu regulieren, müssen wir anfangen, ein Gespräch über die geeignete Art und Weise der Nutzung von Smartphones zu führen, sagt der Professor. Eltern und Lehrern muss bewusst gemacht werden, wie wichtig das ist.

Kontrolle über die Smartphone-Sucht

Schritte, die die Studienautoren zur Wiedererlangung der Kontrolle über die Smartphone-Sucht, empfehlen:

© PSYLEX.de - Quellenangabe: McGill Universität; Frontiers in Psychology; Feb. 2018

Welche Erfahrung haben Sie damit gemacht? Schreiben Sie uns.

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