Flashbacks (Psychologie)

Psychologie-Lexikon - Vergleichende Verhaltensforschung

Definition

Definition: Mit dem Begriff Flashback wird ein plötzliches Wiedererleben oder eine schlagartig auftretende Erinnerung mit Sinneseindrücken bezeichnet. Dieses kann durch einen äußeren oder inneren Reiz (Schlüsselreiz) ausgelöst werden.

Der Flashback (engl.: flash = Blitz, blitzartig; back = zurück, wieder) ist also ein plötzliches Wiederaufflackern einer Erinnerung; dies kann aufgrund von Drogenräuschen (noch nach Tagen, Wochen, Monaten) geschehen oder als Folge der Wiederholung eines Traumas, bei der die Person den Flashback nicht als Traum oder ähnliches wahrnimmt, sondern als real; dieses kann sich dann wiederholen und sehr quälend werden (siehe dazu dann auch Psychotraumatologie).

So können Flashbacks bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS), fortbestehenden Wahrnehmungsstörungen nach Halluzinogengebrauch (Abkürzung HPPD), epileptischen Anfällen etc. auftreten.

Ein Teil des Wortes Flashback bezieht sich auf den Flash bei der Einnahme von Drogen (vor allem Heroin bzw. Opiaten), der eine plötzliche Euphorisierung und Sensibilisierung beschreibt.

Flashbacks sollten nicht mit Halluzination oder mit einem Déjà-vu verwechselt werden.

Was die mögliche Ursache für Flashbacks sein könnte

Schlimme Erlebnisse werden oft zusammenhanglos erinnert

15.05.2016 Wenn Menschen eine traumatische Erfahrung machen, behalten sie häufig sehr starke Erinnerungen an dieses bestimmte Ereignis im Gedächtnis - doch nur sehr vage Erinnerungen an den Kontext, in dem dies geschah.

Eine in der Zeitschrift Social Cognitive and Affective Neuroscience veröffentlichte Studie des University College London untersuchte die Zusammenhänge.

Die Erinnerung an die Vergangenheit

Die Erinnerung an die Vergangenheit ist eine wichtige Funktion und definiert, wer wir sind, sagt Studienautor Dr. James Bisby. In einigen Situationen aber laufen die normalen Prozesse fehl, die unsere Erfahrungen im Gedächtnis speichern.

Nach einer schlimmen Erfahrung können Menschen Gedächtnisstörungen entwickeln, wobei sie das Ereignis in Form von Flashbacks erneut erleben - belastend lebendige Bilder, die unfreiwillig ins Bewusstsein gelangen, wie bei posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).

Mechanismus hinter den Flashbacks

Diese intrusiven Bilder können auftreten aufgrund des besseren Gedächtnisses für die negativen Aspekte des Traumas, die nicht an den Kontext gebunden sind, in dem sie passierten. Dies könnte der Mechanismus hinter den Flashbacks sein, in denen traumatische Erinnerungen unfreiwillig wiedererfahren werden, als ob sie in der Gegenwart geschehen.


Bild: Gerd Altmann

Für die Studie wurden 20 Teilnehmer in einen MRT-Scanner gelegt, während ihnen Bilder-Paare gezeigt wurden, an die sie sich erinnern sollten. Einige dieser Bilder zeigten traumatische Inhalte wie schlimm verletzte Personen.

Beim Gedächtnistest danach wurden den Teilnehmern Bilder gezeigt und sie gefragt, ob sie die jeweiligen Bilder vorher gesehen hatten. Wenn sie sich erinnern konnten, wurden sie nach dem anderen Bild gefragt, das zeitgleich erschienen war.

Bessere Erinnerung an negative Aspekte

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer sich besser an negative Bilder erinnern konnten - im Vergleich zu neutralen Bildern. Das spiegelte sich durch die verstärkte Aktiviät in der Amygdala wider - einem Teil des Gehirns, der emotionale Informationen bearbeitet.

Sie hatten aber größere Probleme, sich an das jeweils andere Bild zu erinnern, wenn ein negatives Bild gezeigt wurde; was durch eine reduzierte Aktivität im Hippocampus widergespiegelt wurde.

Wenn wir etwas Neues erleben, speichern wir nicht nur den Inhalt des Ereignisses im Gedächtnis - wie z.B. die Leute, die wir getroffen haben - wir bilden auch Verknüpfungen mit dem Zusammenhang (dem Kontext), in dem das Ereignis stattfand.

Unausgewogenheit zwischen Amygdala u. Hippocampus

Der Hippocampus ist eine entscheidende Gehirnregion, die diese Verknüpfungen bildet, so dass alle Aspekte des Ereignisses zusammen wieder abgerufen und in den passenden Zusammenhang platziert werden können; und hier beobachteten wir eine verringerte Aktivität, sagte Bisby.

Die Unausgewogenheit zwischen spezifischem Gedächtnis und assoziativem Gedächtnis kann zu einer starken - aber fragmentierten - Erinnerung des traumatischen Inhalts eines Ereignisses ohne die Umgebungsinformationen führen, die es in den passenden Zusammenhang stellen würden, sagte Koautor Professor Neil Burgess.

Auswirkungen für die Psychotherapie

Diese Arbeit unterstützt die Ansicht, dass ein traumatisches Ereignis verändern kann, wie das Gedächtnis arbeitet. Das Wiedererleben intrusiver Bilder bei der posttraumatischen Belastungsstörung könnte aufgrund der besseren Erinnerung für die negativen Aspekte eines Traumas auftreten.

Dadurch, dass dessen Kontext - das heißt, der Ort oder die Zeit, wo bzw. wann das Ereignis aufgetreten ist - nicht so gut erinnert wird, kann beim Betroffen unfreiwillig das traumatische Ereignis "aus dem Zusammenhang gerissen" abgerufen und erlebt werden, als ob es in der Gegenwart stattfindet.

In diesem Fall sollte sich die Therapie auf die Stärkung oder Neuerschaffung des entsprechenden Kontextes für das negative Ereignis fokussieren.

Diese Ansicht wird durch aktuelle Psychotherapien unterstützt, in denen der Betroffene an den Ort zurückgeleitet wird, wo das traumatische Ereignis stattfand, um bei der Stärkung der Erinnerung an den Kontext zu helfen, sagte Bisby.

Die Befunde weisen auch auf mögliche Probleme bei Zeugenaussagen, da traumatisierte Patienten mit schlecht kontextualisierten Erinnerungen wahrscheinlich nur einen fragmentierten Bericht eines Ereignisses zur Verfügung stellen können.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: University College London, Social Cognitive and Affective Neuroscience - DOI: 10.1093/scan/nsw028; Mai 2016

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