Wertschätzung eines Kunstwerks beeinflusst Erinnerung des Betrachters an das Werk

Ästhetische Erfahrungen verbessern die persönliche Raumvorstellung – Ästhetisches Gedächtnis und Ich-Perspektive

Wertschätzung eines Kunstwerks beeinflusst Erinnerung des Betrachters an das Werk

21.12.2022 Wie sehr jemandem ein Kunstwerk gefällt, kann sich auf die Erinnerung daran auswirken, wann er es zum ersten Mal gesehen hat und in welche Richtung er es betrachtet hat laut einer neuen Forschungsarbeit unter Leitung des University College London.

Die Ergebnisse zeigen, dass die ästhetische Erfahrung nicht nur auf die visuellen Merkmale eines Kunstwerks beschränkt ist, sondern auch auf den Moment, in dem es betrachtet wurde.

In der in Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlichten Studie sollten sich 124 Teilnehmer in einer Virtual-Reality-Kunstgalerie umsehen, in der 48 ausgewählte abstrakte Kunstwerke von international anerkannten digitalen Künstlern, darunter Sara Ludy und Yoshi Sodeoka, zu sehen waren.

Die Teilnehmer navigierten wie in einem Computerspiel mit den Pfeiltasten auf einer Computertastatur durch die Galerie auf dem Bildschirm. Das bedeutete, dass sie sich bewusst umdrehen mussten, um jedes Bild zu betrachten.

Verbindung mit räumlichen Gedächtnis

Nach dem Besuch der Galerie baten die Forscher die Teilnehmer, drei Aufgaben zu lösen, die sich auf das Wiedererkennen, das räumliche Gedächtnis bzw. das Gefallen konzentrierten.

Zunächst sahen sich die Teilnehmer mehrere Kunstwerke an und gaben an, ob sie diese gerade in der Galerie gesehen hatten oder nicht.

Anschließend sollten sie die Kunstwerke auf einem Museumsplan zuordnen und angeben, in welchem Raum und an welcher Wand sie das Bild gesehen hatten, um ihr räumliches Gedächtnis zu testen.

Schließlich sollten die Teilnehmer anhand einer gleitenden Skala bewerten, wie sehr ihnen das jeweilige Kunstwerk gefiel.

Die Forscher um Dr. Mariana Babo-Rebelo fanden heraus, dass die Teilnehmer sich umso besser daran erinnern konnten, an welcher Wand der Galerie sie das Kunstwerk gesehen hatten, d. h. in welche Richtung sie während des Besuchs geblickt hatten, je mehr ihnen das Kunstwerk gefiel.

Die Forscher überprüften diese Ergebnisse in zwei zusätzlichen Studien mit über 150 weiteren Teilnehmern. In einer Studie sollten sich die Teilnehmer auf die Abstraktheit der Kunstwerke konzentrieren und nicht darauf, wie sehr sie ihnen gefielen, während in der anderen Studie der Gedächtnistest 24 Stunden später durchgeführt wurde.

Auch hier zeigte sich derselbe Zusammenhang zwischen der Frage, ob dem Betrachter ein Kunstwerk gefiel, und wie gut sich der Betrachter daran erinnerte, in welche Richtung er bei der Betrachtung blickte. Dies deutet darauf hin, dass der Zusammenhang zwischen dem Gefallen und der Erinnerung an die Blickrichtung nicht nur auf das Denken über das Gefallen zurückzuführen ist und dass der Zusammenhang im Gedächtnis bestehen bleibt.

Ästhetisches Gedächtnis

Studienleiter Professor Patrick Haggard (UCL Psychology & Language Sciences) sagte: „Es ist ein altes Sprichwort, dass ‚Schönheit im Auge des Betrachters liegt‘. Aber Studien im Bereich der experimentellen Ästhetik neigen immer noch dazu, entweder nach intrinsischen Eigenschaften von Kunstobjekten zu suchen, die ihren ästhetischen Wert erklären könnten, oder lediglich zu beschreiben, wie sich Individuen in ihren ästhetischen Reaktionen unterscheiden“.

„Die von uns vorgestellten Forschungsergebnisse legen nahe, warum diese rein objektiven oder rein subjektiven Ansätze der Ästhetik oft enttäuschen können. Wir glauben, dass diese Ansätze die entscheidende Rolle der Verbindungen zwischen dem Gefallen an einem Kunstwerk und der Ich-Perspektive unterschätzen.“

„Wenn uns etwas gefällt, speichern wir im Gedächtnis nicht nur die Sache, die uns gefällt, sondern auch die räumlichen Details des Moments, in dem wir sie entdeckt haben. Diese Eigenschaft des ästhetischen Gedächtnisses könnte erklären, warum die Begegnung mit einem Kunstwerk oft so einprägsam und in manchen Fällen offenbar sogar lebensverändernd sein kann.“

© Psylex.de – Quellenangabe: Proceedings of the National Academy of SciencesDOI: 10.1073/pnas.2201540119

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