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Visuelles Kurzzeitgedächtnis ist vielschichtiger als angenommen

08.12.2020 Wenn wir eine Banane sehen, sehen wir zunächst nur gelb und glatt. Erst später erkennen wir die Halbmondform und die Tatsache, dass es sich um eine Banane handelt.

Anders als bislang angenommen basiert das visuelle Kurzzeitgedächtnis nicht nur auf einer Art von Information über ein Objekt, etwa nur über dessen Farbe oder nur zum Namen des Objekts. Stattdessen können mehrere Arten von Information gleichzeitig im Kurzzeitgedächtnis aufrechterhalten werden. Dass das Kurzzeitgedächtnis somit komplexer ist als zuvor angenommen, haben Forscherinnen und Forscher der Beijing Normal University in Peking und der RUB mithilfe von speziellen EEG-Messungen und neuronalen Netzwerken herausgefunden. Das Team beschreibt die Ergebnisse in der Zeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences, kurz PNAS, online veröffentlicht am 7. Dezember 2020.

Für die Arbeiten kooperierten Dr. Hui Zhang, Rebekka Heinen und Prof. Dr. Nikolai Axmacher von der Bochumer Arbeitseinheit Neuropsychologie mit dem Team um Jing Liu und Prof. Dr. Gui Xue von der Universität in Peking.

Die Banane im Kurzzeitgedächtnis

Das visuelle Kurzzeitgedächtnis hilft, Objekte über einen kurzen Zeitraum im Gedächtnis zu behalten, auch wenn diese nicht mehr sichtbar sind. Bisher wurde angenommen, dass das Gedächtnis nur auf einer Art von Hirnaktivität beruht. Das widerlegte das deutsch-chinesische Forschungsteam nun. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zeichneten die Hirnaktivität bei Epilepsie-Patienten mithilfe von Elektroden auf, die zur Operationsplanung in das Gehirn eingesetzt worden waren. Die Patienten sahen Bilder von Objekten wie einer Banane und mussten sich diese für kurze Zeit merken.

Neuronale Netzwerke helfen Hirnaktivität zu interpretieren

Frühere Arbeiten anderer Gruppen hatten gezeigt, dass neuronale Netzwerke Bilder in ähnlichen Schritten verarbeiten wie Menschen. Sieht ein Mensch oder ein neuronales Netzwerk eine Banane, werden im ersten Schritt einfache Eigenschaften wie die gelbe Farbe und die glatte Textur verarbeitet. Im Verlauf wird die verarbeitete Information immer komplexer. So erkennen Mensch und Netzwerk schließlich, dass es sich um eine spezielle Halbmondform handelt, bis sie am Ende die Banane benennen können.

Die Forscherinnen und Forscher verglichen die verschiedenen Verarbeitungsschritte des neuronalen Netzwerks mit den Hirndaten der Patienten. So konnten sie feststellen, welche Aktivitätsmuster zur Verarbeitung einfacher visueller Eigenschaften wie der gelben Farbe der Banane gehören und welche zu komplexeren Eigenschaften wie ihrem Namen.

Quellenangabe: Ruhr-Universität Bochum

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