ADHS und Geschlechtskrankheiten, Sexualkrankheiten

Psychologie-Lexikon - Hyperkinetische Störungen

ADHS-Medikamente können das Risiko sexuell übertragbarer Krankheiten verringern

11.01.2018 Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) erhöht das Risiko für Geschlechtskrankheiten bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen um etwa das Dreifache laut einer im Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry veröffentlichten Studie.

Die Autoren stellten zudem fest, dass die kurz- und langfristige Einnahme von ADHS-Medikamenten das Risiko nachfolgender sexuell übertragbarer Krankheiten bei Männern um 30% bzw. 41% senkte.

Riskante Verhaltensweisen

Zunehmende Hinweise stützen eine Verbindung zwischen ADHS und verschiedenen gesundheitsgefährdenden Verhaltensweisen, wie z.B. riskantes Fahren im Straßenverkehr, Drogenmissbrauch und riskantes Sexualverhalten.

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Klinische Psychiater sollten sich auf das Auftreten von riskanten sexuellen Verhaltensweisen und das Risiko für Geschlechtskrankheiten bei ADHS-Patienten konzentrieren und informieren, dass die Behandlung mit den entsprechenden Medikamenten ein Schutzfaktor für die Prävention von sexuell übertragbaren Krankheiten sein kann, sagt Studienleiter Dr. Mu-Hong Chen von der National Yang-Ming Universität, Taipei.

Die Ergebnisse basieren auf der Taiwan National Health Insurance Research Database, einer national repräsentativen Datenbank mit medizinischen Angaben und Gesundheitsdaten von > 99% der gesamten taiwanesischen Bevölkerung.

Eine Kohorte von 17.898 Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit ADHS diagnostiziert wurden, und 71.592 alters- und geschlechtsspezifisch abgestimmten gesunden Kontrollen ohne Geschlechtskrankheiten vor der Einschreibung wurden untersucht.

Erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Infektionen

Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren und junge Erwachsene im Alter von 18-29 Jahren wurden vom 1. Januar 2001 bis zum 31. Dezember 2009 beobachtet. Die Forscher erfassten die Daten zu Erkrankungen aufgrund von sexuell übertragbaren Infektionen - einschließlich HIV, Syphilis, genitale Warzen, Gonorrhö, Chlamydieninfektion und Trichomoniasis, sowie die psychiatrische Komorbidität (Begleitkrankheiten) und die pharmakologische Behandlungen gegen ADHS (Methylphenidat oder Atomoxetin).

Die Wissenschafter fanden heraus, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit ADHS eine größere Inzidenz (Auftretenshäufigkeit) von Geschlechtskrankheiten hatten (1,2% versus 0,4%), und diese Krankheiten in einem jüngeren Alter (20,51 ± 4,48 versus 21,90 ± 4,49) im Vergleich zu Alters- und Geschlechtsgenossen entwickelten.

Sie fanden auch heraus, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitätsstörung eine höhere Prävalenz psychiatrischer Komorbidität hatten, einschließlich Verhaltensstörungen (13,5 % v. 0,3 %), Alkoholmissbrauch (1,1 % v. 0,5 %) und Missbrauch anderer Drogen (2,5 % v. 0,8 %).

Bei den männlichen Teilnehmern war die kurz- (HR 0,70) und langzeitige (HR 0,59) ADHS-Medikamenteneinnahme deutlich mit einem geringeren Risiko verbunden, während der Nachbeobachtung an einer Geschlechtskrankheit zu erkranken.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: National Yang-Ming Universität; Journal of the American Academy of Child and Adolescent Psychiatry - http://dx.doi.org/10.1016/j.jaac.2017.09.438; Jan. 2018

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