Empathie, Einfühlungsvermögen (Lesen)

Psychologie-Lexikon - Kognitive Psychologie

Sind Leser empathischer?

28.05.2017 Menschen, die gerne Literatur lesen, sind tendentiell emotional intelligenter und empathischer als ihre TV guckenden Pendants laut aktuellen vorläufigen Studienbefunden zu den Auswirkungen des Lesens und Fernsehens auf das psychosoziale Verhalten.

Rose Turner vom Fachbereich Psychologie der Kingston University London schreibt: Lesen ist ein universeller Zeitvertreib und wir hören regelmäßig, dass Eltern ihre Kinder schon im jungen Alter zum Lesen ermutigen sollten, damit sie ihre Sprache und ihr Vokabular entwickeln.

Lesen von Fiktion

Die aktuelle psychologische Studie zeigt, dass Menschen ihre emotionale Intelligenz und empathisches Verhalten über das Lesen von Romanliteratur (Fiktion) entwickeln können.

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Bild: Yerson Retamal

In der Studie nahmen 123 Erwachsene verschiedener Altersgruppen an einer anonymen Online-Umfrage teil. Die Teilnehmer sollten ihre Vorlieben für Bücher, Fernsehen und Theaterstücke angeben, wobei sie auch auf ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten - wie Empathie und Hilfsbereitschaft getestet wurden.

Freundlichkeit und Verständnis

Die Befunde zeigen, dass die Buchleser achtsamer und empathischer bezüglich der Gefühle anderer Menschen waren, während die das Fernsehen vorziehenden Teilnehmer anderen Menschen gegenüber weniger Freundlichkeit aufbrachten und ein geringeres Verständnis für andere Ansichten zeigten.

Auf die Frage, warum das Lesen mit einer besseren sozialen Kompetenz im Vergleich zu anderen Formen von fiktiven Medien wie Fernsehen oder Filmen verbunden sein könnte, sagte Turner, dass das Lesen eine individuelle Erfahrung ist, die die Menschen tiefer über Charaktere nachdenken lässt.

Lesen lässt Platz zur Entwicklung

Wenn wir lesen, gehen wir über das hinaus, was auf den Seiten steht. Wir müssen die Lücken füllen, wenn wir uns in die Geschichte begeben. Das gibt uns die Möglichkeit, empathische Fähigkeiten zu entwickeln, wenn wir versuchen zu verstehen, was ein Charakter durchmacht. Wohingegen wir beim Fernsehen mit vielen dieser Informationen bereits versorgt werden, sagte sie.

Turner, die auch auf dem Gebiet der Wirtschaftspsychologie arbeitet, sagt, dass sie Gruppenübungen in gesellschaftlichen Betreuungssettings, Schulen und Gefängnissen durchführt, bei denen die Menschen mit Hilfe von Rollenspieltechniken lernen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.

Dort hat die Psychologin direkt sehen können, wie Geschichten und das Hineinversetzen in einen anderen Charakter einen positiven Einfluss auf das psychische Wohlbefinden haben können. Es ist nicht nur eine Quelle für Eskapismus, sondern auch eine Chance, sich vorzustellen, wie jemand anderes die Welt sieht.

Turner präsentiert ihre Forschungsergebnisse in Kürze ausführlich der American Psychological Society.

© PSYLEX.de - Quellenangabe: Kingston University London; Mai 2017

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