Aus Misserfolgen lernen? Spüre den Schmerz
Emotionale Reaktionen auf Misserfolge führen eher zu Verbesserungen als kognitive / intellektuelle.
14.09.2017 Fühlt man den Schmerz nach einem Fehler / Versagen, führt dies zu einer größeren Anstrengung zur Behebung des Fehlers als einfach nur darüber nachzudenken, was falsch gelaufen ist.
Fehler zu machen oder an Aufgaben zu scheitern, sind häufige Ereignisse im Leben eines Menschen. Man kann auf viele Arten auf Misserfolge reagieren und damit umgehen.
Bild: Gerd Altmann
In der aktuellen Forschungsarbeit untersuchte eine psychologische Studie von Wissenschaftlern der Universitäten Ohio State, Stanford und Kansas die möglichen Vorteile von eher emotionalen (gegenüber eher kognitiven / intellektuellen) Reaktionen auf das eigene Scheitern.
Kognitionen vs. Emotionen
Die Forscher führten mehrere Studien durch. Insbesondere untersuchen sie, wie der Aufwand und die Zeit, die für nachfolgende Aufgaben aufgewendet werden, davon abhängt, ob Menschen sich auf ihre Emotionen oder Kognitionen konzentrieren, wenn sie auf einen Misserfolg reagieren.
Selin Malkoc und Kollegen fanden heraus, dass Menschen, die nur kognitiv über ihr Scheitern nachdachten, sich eher dafür entschuldigten, warum sie erfolglos blieben (bzw. sich dafür rechtfertigten) und sich in einer ähnlichen Situation nicht mehr (im Sinne von nicht stärker) anstrengten.
Im Gegensatz dazu unternahmen Menschen größere Anstrengungen in einem erneuten Versuch, wenn sie sich nach einem Misserfolg auf ihre Emotionen konzentrierten.
Emotionale Reaktionen motivieren stärker
Die Ergebnisse zeigten: Emotionale Reaktionen auf fehlgeschlagene Versuche motivieren viel stärker als kognitive, wenn man vor einer ähnlichen Aufgabe steht.
Wenn sich die Teilnehmer darauf konzentrierten, wie schlecht sie sich beim ersten Versagen gefühlt hatten, versuchten sie es härter als die anderen, wenn sie eine ähnliche Chance bekamen, sagte Malkoc.
Rechtfertigende, begründende Reaktionen motivieren nicht
Die psychologischen Befunde zeigten auch, dass die menschlichen Kognitionen nach einem Scheitern meist eher rechtfertigender, begründender Natur sind, und damit nicht automatisch die allgemein angenommenen reflektierenden und selbstverbessernden Eigenschaften besitzen.
Die Psychologen denken daher, dass ein relativ starker Fokus auf die Kognitionen nach Fehlern bzw. Misserfolgen eine Verbesserung in späteren Phasen verhindern kann, aber eine Konzentration auf die Emotionen kann Lernen ermöglichen und somit einen erhöhten späteren Aufwand bzw. Anstrengungen nach sich ziehen.
© PSYLEX.de – Quellenangabe: Universitäten Ohio State, Stanford und Kansas; Journal of Behavioral Decision Making – DOI: 10.1002/bdm.2042; Sept. 2017
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